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Judi Denchs Abschiedsfilm hätte ein nachtschwarzes Drama sein können, um eine Frau, die um ihr Kind und ihr Leben betrogen wird, ihr Leben lang an dem Verlust leidet und schließlich, als sie das wahre Ausmaß dessen, was ihr angetan wurde, erkennt, an der Ignoranz und Arroganz der Nonnen zerbricht, gegebenenfalls kontrastiert an der Depression eines Reporters, der gleichzeitig an seinem beruflichen Scheitern verzweifelt.. Das hätte der Stoff hergegeben. Geschrieben (bzw. adaptiert) und produziert wurde er aber von Steve Coogan (der auch gleich die männliche Hauptrolle übernommen hat, und der ist nun mal von Haus aus Komiker. So ist aus dieser tieftraurigen Geschichte eine leichte Komödie geworden, die nicht auf Verzweiflung, sondern auf Verzeihen hinausläuft. Judi Dench spielt Philomena als leicht schrullige, recht anive, tief gläubige und lebensbejahende Frau - trotz allem, was die Nonnen ihr angetan haben. Coogans Figur ist als Zyniker angelegt, der eigentlich nur an seiner Story interessiert ist, aber irgendwann das Gefühl hat, dass ihm ein wenig von Philomenas blindem Vertrauen genauso gut tun würde wie ihr sein gerechter Zorn.Philomena hat dabei durchaus mit sich und ihrem Glauben zu kämpfen, auch wenn das eher subtil geschieht (der Moment, als sie die Kirche ohne Kreuzzeichen verlässt), lebt aber am Ende die christliche Botschaft konsequenter als die alte Äbtissin, die in ihrer Selbstgerechtigkeit erstarrt ist. Dabei hat der Zuschauer gelgentlich die gleiche Reaktion wie Coogans Rolle - man will sie anschreien, sie soll doch endlich die Schuld bei den bigotten Nonnen und nicht sich selbst suchen, endlich wütend werden - dabei ist sie es, der das Unrecht angetan wurde, und ihre Vergebung am Ende ist vielleicht wirksamer als jede Anklage, da ihre Weltsicht am Ende triumphiert. Ein leichter, kleiner Film. Ich hatte Spaß.

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