Review

Der italienische Regisseur Lorenzo Bianchini geht ein wenig zurück zu den Wurzeln minimalistischen Outdoor-Horrors, denn zuweilen erinnern Machart und Thematik deutlich an "Blair Witch Project", wobei im vorliegenden Fall viel Geduld und eine genaue Beobachtungsgabe gefragt sind.

Naturforscher Marco (Marco Marchese) ist in den friaulischen Wäldern im Nordosten Italiens unterwegs, um Tiere zu studieren. Eine Spur führt ihn in ein verlassenes Dorf, über dem ein Fluch liegen soll. Als er nach heftigen Regenfällen im Dorf festsitzt, scheint sich jener Fluch zu bewahrheiten...

Im Grunde handelt es sich um ein Ein-Personen-Stück, da alles auf den Naturforscher ausgerichtet ist, dessen Arbeit im ersten Drittel im Mittelpunkt steht. Kameras montieren, Filme überprüfen, Fallen aufstellen und mit dem Fernglas ausharren. Ein überaus angenehmer Job für Menschen mit Hang zur Natur und ausgiebiger Ruhe.
Jene wird allerdings empfindlich gestört, als nachts Schreie durchs Dorf dringen und blutrote Tierknochen überall verstreut liegen.

Bianchini weiß aus den geringen Mitteln recht viel herauszuholen, da der grandiose Score die latent bedrückend, leicht surrealistisch anmutende Stimmung stets vortrefflich unterstützt, die Minikamera an einem Fuchs angebracht durchaus spannende Blickwinkel zutage fördert und die teils rauen Naturlandschaften schick und gleichermaßen gekonnt eingefangen und ausgeleuchtet werden. Nachdem Marco jedoch in einem brüchigen Haus im Dorf bei dauerhaftem Regen festsitzt, kippt die Stimmung ein wenig, da sich einerseits die Wahrnehmungsebenen verschieben, was dem Zuschauer eine ähnlich genaue Beobachtung wie die des Protagonisten abverlangt und andererseits ereignet sich schlichtweg zu wenig.

Zwischendurch erfährt man vom Einsatz einer Suchstaffel, ein alter Kauz kennt Details über die Geschichte des Dorfes, doch ansonsten weichen die Tiere zusehends, während es vermehrt Anzeichen für eine mutantenhafte Erscheinung gibt, worauf das Cover allerdings beim genauen Hinsehen bereits hinweist. Mit Nachtsichtfunktion glühen etwaige Klüsen zwar gespenstisch und mit einer Handvoll hängender weißer Laken lässt sich ein gruseliges Labyrinth erstellen, doch allzu viel Sinn ergeben die finalen Sequenzen nicht, zumal auch hier wieder sehr deutliche Parallelen zu "Blair Witch" festzustellen sind.

Tolle Lokalitäten, eine herausragende Sounduntermalung und eine zumeist stimmige Atmosphäre treffen auf eine simple Geschichte, welche besonders im Mittelteil ein wenig behäbig vorgetragen wird und gegen Ende die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers beansprucht. Das ist im Gesamtbild durchaus eine Erfahrung wert, doch sollte man entsprechend Geduld und ein wenig Empathie für bestimmte Situationen mitbringen, damit der Grusel, am besten nach einem trüben Herbsttag, auch einigermaßen funktioniert.
6 von 10

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