Mittlerweile hat sich über verschiedene Jahrzehnte hinweg ein neues Subgenre entwickelt: der "Las Vegas-Film". Mit bekannten Vertretern wie "Hangover" oder dem deutlich schwarzhumorigeren "Very Bad Things" gab es für das Publikum bisher recht ruppige Beispiele dieser Gattung. Ähnlich gut kommen immer mal wieder Filme mit der alten-Haudegen-Rezeptur an, seien es nun "Das Beste kommt zum Schluss" oder das "Expendables"-Franchise. Nun hat Jon Turtletaub ("Cool Runnings") die Trends erkannt und vermischt einfach beide Stilrichtungen. Herausgekommen ist "Last Vegas", den böse Zungen als "Hangover mit alten Säcken" bezeichnen würden.
Wie zu erwarten, ist das größte Experiment des Films noch die Vermischung dieser beiden Ideen. Einen Originalitätspreis hat die Komödie also nicht verdient. Die Figuren sind so gezeichnet, dass sie ganz auf das Schauspielerensemble zugeschnitten sind. So darf De Niro den einsamen und galligen New-Yorker-Rentner verkörpern, Freeman wie gewohnt die warme Vaterfigur und Michael Douglas redet bereits in den ersten zwei Minuten über den Aktienhandel. Das ist nichts neues, aber wenn der Schuh so ausgezeichnet passt, dann ist das durchaus gutzuheißen. Wichtig ist, man hat in jedem Augenblick das Gefühl, dass Drehbuch und Regie die Darsteller begriffen haben und das, was das Publikum von ihnen erwartet. So verlässt sich der Film nahezu komplett auf sein Schauspieler-Quartett, das im lauten Las Vegas nochmal richtig die alten Hüften schwingen darf. Das ist dann dementsprechend laut, bunt und absichtlich konträr zu unseren gemächlichen Herren inszeniert. Hier trifft also Antike auf die Moderne, wenn man so möchte. Wer auf Bumm-Bumm-Musik und ADHS-Inszenierung steht, wird teilweise auf seine Kosten kommen.
Dabei schafft es der Film bemerkenswert gut, den Grat zwischen klischeebeladenem, aber sympathischen Kitsch und wirklich herzerwärmender Buddy-Geschichte zu meistern. Es ist eben alles furchtbar vertraut und das fühlt sich mit dieser Besetzung alles andere als schlecht an. Natürlich riecht man jede Wendung kilometerweit gegen den Wind - das ist okay, eine Komödie muss nicht unbedingt originell oder unvorhersehbar sein. Die Figuren sind stereotyp gezeichnet und so manche Wendung kommt etwas ungelenk daher, da die Chemie zwischen den einfachen Figuren inhaltlich nicht immer funktioniert. Dann kommen die Reibungspunkte zu heftig und so, als dürften sie bei all' dem Spaß auf keinen Fall vergessen werden. Hier seien die Scharmützel zwischen De Niro und Douglas erwähnt, die "Last Vegas" immer mal wieder entschleunigen und auch im Weg stehen. Gelacht werden darf in jedem Fall herzlich, denn die Qualität der Gags ist nicht nur angenehm hoch, sondern verzichtet auch größtenteils auf Fäkalhumor und besonders primitive Zoten. Ganz frei davon ist das Rentner-Spektakel natürlich nicht, schließlich sind wir hier in Vegas und wie soll das Heute ohne sexy Girls, Alkohol und anzügliche Witze funktionieren?
Positiv fällt der Verzicht grober Gewalt auf. "Last Vegas" ist ein typisches Feel-Good-Movie, das einfach nur eine schöne und vergnügliche Zeit liefern soll. Das ist auf jeden Fall gelungen, denn das Ganze ist wirklich unheimlich kurzweilig geworden und dürfte für Fans eine absolute Wonne sein. Ein schönes Wiedersehen gibt es nebenbei noch mit Kevin Kline und Mary Steenburgen. Kline (souverän und tapfer durch Arne Eltsholz synchronisiert) serviert mit seinem trockenen Witz ein paar der besten Lacher, während die bezaubernde Steenburgen immer noch eine charmante Augenweide ist. Ein paar sehr witzige Gastauftritte gibt es obendrein, die besonders einen zeitgenössischen "Musiker" Selbstironie beweisen lassen...
Ursprünglich sollte noch Jack Nicholson mit auf Junggesellen-Abschied gehen, dieser stand letztendlich nicht zur Verfügung und daher nahm man Douglas mit an Board. Eine gute Entscheidung, da es eben schon eine "Bucket-List" in der Kombination Freeman/Nicholson gab. Douglas hat eine derartige Rolle auch in jedem Fall gebraucht, da man ihn doch zu oft als gerissenen Geschäftsmann in Erinnerung hat, obwohl er gerade in diesen Rollen immer einen scharfen Witz hat durchscheinen lassen.
Wer auch nur etwas für die Hauptdarsteller übrig hat und deren Paraderollen liebt, der darf sich "Last Vegas" nicht entgehen lassen. Hier wird ein Mal mehr bewiesen, dass nicht immer gefurzt werden muss, um zum Lachen zu animieren, sondern dass auch ein kleiner, naiver Trip mit ein paar Opas in den Sündenpfuhl ein vergnüglicher Spaß sein kann. An den Kinokassen bestätigte die Komödie jedenfalls diesen Eindruck. Bei Produktionskosten von 28 Mio. Dollar wurden weltweit fast 130 Millionen eingespielt.