Hollywood setzt mal wieder aufs vermeintlich sichere Pferd und produziert erneut das Remake eines asiatischen Originals, anstatt mal ein Risiko einzugehen und neue Ideen auf die Leinwand zu zaubern. Die Quittung hat die Frischzellenkur von Regisseur Spike Lee bereits erhalten, denn die geschätzten 30 Millionen Budget wird der Streifen in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht mehr einholen können.
Oktober 1993: Joe Doucett (Josh Brolin) vergeigt eines Abends einen Geschäftsdeal, betrinkt sich daraufhin hemmungslos und landet völlig benebelt in einem Hotelzimmer. Dieses entpuppt sich jedoch als Gefängnis, in dem er die nächsten zwanzig Jahre verbringen wird. Im Fernsehen, welches als einziges Medium zur Außenwelt vorhanden ist, wird er des Mordes an seiner Ex bezichtigt, während seine Tochter adoptiert wird. Als Joe nach fast genau 20 Jahren frei gelassen wird, sinnt er auf Rache, doch der Drahtzieher seiner Entführung hat noch ein weiteres As im Ärmel...
Natürlich kommt ein Remake nicht umhin, mit dem Original verglichen zu werden und da bestätigt sich einmal mehr: Eine schwache Neuauflage wertet das Original noch einmal auf.
Lee, der hinter Steven Spielberg ohnehin nur die zweite Wahl als Regisseur war, kopiert viele Szenen 1:1, übernimmt einige Kameraschwenks, stattet die Gefängniszelle relativ identisch aus und müht sich erst gar nicht, dem Ganzen eine poetische Note zu verleihen, sondern rattert das Konzept recht stringent und schnörkellos ab, zugleich aber auch spürbar seelenlos, wie sich spätestens ab Mitte der Geschichte herauskristallisiert.
Ein moralischer Zwiespalt ergibt sich erst gar nicht und auch wenn die Geschichte in kleinen Details bezüglich moderner Medien etwas zeitgenössischer erscheint, so birgt sie noch mehr Logiklücken als das Original, spätestens als Joe mit dem Bösewicht ein Katz- und Maus- Spiel eingeht, der Twist zwar innerhalb seiner Boshaftigkeit punktet, der Hintergrund dessen jedoch schon beinahe ungläubiges Stirnrunzeln hervorruft.
Vom "Oldboy" 2003 blieb beispielsweise ein Fight gegen weit über ein Dutzend Angreifer hängen, welcher in nur einem Take abgedreht wurde. Hat Lee auch versucht, doch bei einem Körper-Klaus wie Brolin, der völlig hölzern wie ein Baseballspieler um sich fuchtelt, geht jede Überzeugung binnen weniger Moves verloren. Die wenigen Gewalteffekte wie Beinbruch, entfernte Hautstückchen, Kehlenschnitt und weggeschossenes Gesicht sind immerhin in Ordnung, doch warum nicht wenigstens versucht wurde, durch einen ambitionierten Score noch ein wenig Stimmung zu schaffen, dürfte sich wohl allenfalls Lee himself erschließen.
Seiner Version mangelt es primär an erzählerischer Finesse, ihm fehlt die Wucht des Originals und gleichermaßen die dazugehörige Poesie mit seinen surrealen Einschüben. Eigenständig betrachtet, ist "Oldboy" 2013 zwar ein halbwegs unterhaltsamer Thriller mit ordentlichen Mimen und stilistisch netten Flashbacks und einigen Mankos wie einen überaus schwachen Bösewicht und unzähligen Unwahrscheinlichkeiten, doch im Direktvergleich ein uninspiriertes Plagiat ohne eigene kreative Ansätze.
Knapp
5 von 10