Liam Neeson spielt einen kürzlich geschiedenen Schriftsteller, der sich in Paris mit seiner Geliebten, gespielt von Olivia Wilde, trifft. Derweil trifft ein Amerikaner, gespielt von Adrien Brody, in Italien auf eine attraktive Einwanderin, die Geld benötigt, um ihre Tochter freizukaufen. Währenddessen kämpft in New York ein Zimmermädchen, gespielt von Mila Kunis, um das Sorgerecht für ihren Sohn, während der Vater, gespielt von James Franco, zu verhindern versucht, dass sie ihn wiedersieht.
Dass Paul Haggis ein hervorragender Drehbuchautor ist, der emotional mitreißende Geschichten konstruieren kann, bewies er bereits vor zehn Jahren mit „Million Dollar Baby“. Aber auch als Regisseur konnte sich Haggis einen Namen machen, so inszenierte er u.a. „Im Tal von Elah“ und „72 Stunden - The Next Three Days“, bei denen er auch weiterhin das Drehbuch verfasste. Sein größter Erfolg, bei dem er für Regie und Drehbuch verantwortlich war, ist aber weiterhin sein mehrfach Oscar-prämiertes Meisterwerk „L.A. Crash“. Mit „Third Person“, ebenfalls ein Episodendrama aus Haggis` Feder, das er selbst inszenierte, versucht er nun wohl, an diesen Erfolg anzuknüpfen - und scheitert kläglich.
Bei „L.A. Crash“ hatten die einzelnen Episoden noch ein gemeinsames Thema, in Haggis` Drama ging es damals vor allem um Rassismus, diesmal sucht man bei den drei gezeigten Geschichten aber leider lange vergebens nach einem gemeinsamen Oberthema, es gibt ja nicht einmal einen gemeinsamen Schauplatz. Nur bei einigen Übergängen zwischen den Geschichten, deutet Haggis Gemeinsamkeiten an, nur, dass diese nicht allzu sinnig sind. Am Ende enthüllt Haggis dann ein paar Querverbindungen zwischen einzelnen Figuren und deckt einige düstere Geheimnisse auf, aber diese Auflösungen kommen leider allzu sehr aus heiterem Himmel und wirken so konstruiert, dass sie den Film kaum noch retten.
Denn bis dahin hat der Zuschauer ohnehin jegliches Interesse am Geschehen verloren. Packend ist „Third Person“ nämlich im Gegensatz zu fast sämtlichen vorangegangenen Werken von Haggis leider zu überhaupt keinem Zeitpunkt. Die Episode rund um den Schriftsteller und seine Geliebte dreht sich durchgehend im Kreis, wobei die Figuren trotz der mitunter ganz netten Dialoge unnahbar bleiben. Überhaupt ist Haggis Episoden-Drama merkwürdig distanziert und überhaupt nicht packend, obwohl der Regisseur durchgehend auf die emotionale Karte setzt und händeringend versucht, Dramatik zu erzeugen. Doch das erreicht er weder mit seiner Geschichte, die allerlei Schicksalsschläge beinhaltet, noch mit dem namenhaften Cast und genauso wenig mit dem mal melancholisch-leisem, mal etwas packenderem Score.
So gewinnt auch die Episode rund um das Zimmermädchen fast überhaupt nicht an Fahrt, zumal man nach einer Stunde immer noch nicht genau weiß, wer die Person eigentlich ist und zu welchem Termin sie unbedingt erscheinen soll. Erst dann gewinnt das Geschehen ein wenig an Fahrt, aber eine Stunde Laufzeit ohne nennenswerte Handlung ist dann doch einfach zu lang und zu zäh. Und auch die dritte Episode erweist sich als langatmig und wenig mitreißend. Lange durchschaut man die mysteriöse Fremde, die vorgibt, ihre Tochter freikaufen zu wollen, nicht und auch über den Protagonisten wird sehr lang sehr wenig preisgegeben. Dadurch bleibt die Geschichte sehr steril, die Figuren gewinnen nicht an Profil. Es fällt schwer zu glauben, dass dieser Film aus der gleichen Feder stammt wie „L.A. Crash“, der durchweg emotional, dramatisch und packend war.
In letzter Konsequenz sehnt sich der Film dann von Anfang an weitestgehend höhepunktslos seinem Ende entgegen, wobei er zumindest in den letzten Minuten ein wenig an Fahrt gewinnt, was angesichts der Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden aber viel zu wenig ist. Die Figuren bleiben, und das haben alle Episoden gemeinsam, unnahbar, weil Haggis sich deren Hintergründe, deren meist düstere Vergangenheit, für die finalen Auflösungen aufsparen will, womit er dem Zuschauer die Möglichkeit, sich in das Geschehen einzufühlen, komplett verbaut. Immerhin wird darstellerisch gute Arbeit geleistet, was bei Namen wie Adrien Brody, Liam Neeson, James Franco, Maria Bello, Olivia Wilde, Kim Basinger und Mila Kunis nicht weiter überrascht. Echte Glanzleistungen können die Beteiligten aber auch nicht zeigen, weil die Figuren zu blass sind.
Fazit:
Es ist kaum zu glauben, dass “Third Person“ aus der Feder von Paul Haggis stammt, der die Drehbücher zu „Million Dollar Baby“ und „L.A. Crash“ verfasste, wobei er letzteren, wie auch “Third Person“, zusätzlich als Regisseur inszenierte. Alle drei Episoden verlaufen zunächst uninspiriert nebeneinander, weil die Verknüpfungen fehlen, während die Figuren blass und unnahbar bleiben. Das alles ist Haggis gescheitertem Konzept geschuldet, erst am Ende bei der finalen, allzu konstruierten Auflösung Querverbindungen zu ziehen und die dunklen Geheimnisse seiner Figuren zu enthüllen. Aber wen interessiert das alles nach gut zwei ausgesprochen zähen Stunden eigentlich noch?
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