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Kate Winslet spielt eine alleinerziehende Mutter, die nach der Trennung von ihrem Mann das Haus nur noch selten verlässt und zunehmend vereinsamt. Beim Einkaufen bittet sie ein am Bein verletzter Fremder, gespielt von Josh Brolin, mit ihr und ihrem Sohn nach Hause kommen zu dürfen. Der Mann entpuppt sich als flüchtiger Straftäter, der, im Haus der Familie angekommen, Mutter und Sohn zwingt, ihm vorläufig einen Unterschlupf zu bieten. Die beiden willigen notgedrungen ein, lernen den gesuchten Mörder dann aber zunehmend von einer anderen Seite kennen. Es kommt sogar zur Liaison zwischen der Alleinerziehenden und dem neuen Mann im Haus.

„Labor Day“ ist das beste Beispiel dafür, dass es manchmal nur einfachste Mittel braucht, um einen ordentlichen Film auf die Leinwand zu bringen. In diesem Fall den von Regisseur Jason Reitman adaptierten Roman „Der Duft des Sommers“ von Joyce Maynard. Die Geschichte der einsamen Hausfrau, die sich nach einem Mann sehnt, der wiederum dann unverhofft in Person des entflohenen Sträflings in ihr Leben tritt, wird aus Perspektive des Sohns erzählt. Bei diesem handelt es sich im besten Sinne um einen „guten Jungen“, der sich um seine unsichere, depressive Mutter kümmert. Viel mehr gibt es zu den Figuren dann auch nicht zu sagen, weil sie kaum tiefer konstruiert werden, was besonders beim entflohenen Straftäter sehr bedauerlich ist. Gerne hätte man mehr über die Vergangenheit dieses Supermannes erfahren, der nicht nur Kriegsveteran, sondern offensichtlich auch ein begabter Handwerker, Sportlehrer sowie Konditor ist und darüber hinaus kaum einfühlsamer und liebevoller zur Mutter und ihrem Sohn sein könnte. Aber genug genörgelt.

Jason Reitman setzt nämlich ausschließlich auf die emotionale Karte, nicht auf Logik und Verstand. Dass nur die notwendigsten Hintergründe zu den Figuren in kurzen Rückblenden und Erzählungen allmählich enthüllt werden - geschenkt. Dass die Liebesgeschichte allgemein nicht allzu schlüssig ist, weil die Situation insgesamt etwas absurd ist - egal. Reitman setzt einfach auf schwelgerische, stellenweise auch mal etwas kitschige Bilder, in denen man sich als Zuschauer schnell verlieren kann, auf eine melancholische, ruhige Filmmusik, die eine emotionale, wohlige Atmosphäre erzeugt und auf die ganz großen Gefühle, die die beiden Hauptdarsteller gelungen transportieren. Dafür wählt Reitman einen sehr unaufgeregten, gradlinigen Erzählstil, womit er ausreichend Raum für Emotionen lässt, ohne über längere Passagen zu langweilen. Geschickt eingestreut sind dabei zudem die Rückblenden, die nach und nach aufdecken, wie es zur Inhaftierung des Straftäters kommen konnte. Am Ende baut „Labor Day“ beim Fluchtversuch zudem etwas Spannung auf, bevor der Film in einem emotionalen Finale gipfelt, das die Grenze zum Kitsch ebenfalls ein wenig überschreitet. Einen Regisseur wie Reitman, der neben der bissigen Satire „Thank You for Smoking“ bisher Komödien wie „Juno“, „Up in the Air“ und „Young Adult“ inszeniert hat, hätte man mit einem derart ironiefreien Feel-Good-Movie eher nicht in Verbindung gebracht.

Da Reitman vor allem auf Gefühle setzt, steht und fällt „Labor Day“ mit den Darstellern, die diese transportieren und hier konnte der Regisseur zum Glück auf zwei hervorragende Charakterdarsteller zurückgreifen. Kate Winslet, die zuletzt leider auch in „Movie 43“ und „Die Bestimmung“ zu sehen war, ist auch hier die bestmögliche Besetzung für große, mitreißende Emotionen. Sie bringt die Unsicherheiten ihrer Figur sehr authentisch auf die Leinwand, ist in ihrer Rolle sehr sympathisch und eckt zu keinem Zeitpunkt an. Daneben ist ein ebenso überzeugender Josh Brolin zu sehen, der mit seinem düsteren Charisma als undurchsichtiger Fremder anfangs nicht besser besetzt sein könnte, dann aber auch in den emotionalen Momenten auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Ein Lob geht zudem noch an den jungen Gattlin Griffith, der trotz seiner geringen Schauspielerfahrungen neben den beiden versierten Charakterdarstellern eine gute Figur macht.

Fazit:
Es wäre sehr einfach, „Labor Day“ als ein oberflächliches, naives Feel-Good-Movie zu kritisieren, die etwas unglaubwürdige Romanze mit ihren kaum tiefer konstruierten Figuren zu zerpflücken. Letztendlich ist Jason Reitmans Liebes-Drama aber sehr unterhaltsam und auf emotionaler Ebene durchaus packend, weil der Regisseur ausschließlich auf die ganz großen Gefühle setzt und diese mit den beiden hervorragenden Hauptdarstellern, den schwelgerischen Bildern sowie dem unaufgeregten Erzählstil phasenweise auch erzeugt.

69 %

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