Carlos (Antonio de la Torre) ist ein stiller, in sich gekehrter Schneider. In seiner Heimatstadt Granada genießt er den besten Ruf, da er mit äußerster Präzision und Muße arbeitet. Soziale Kontakte pflegt er nicht, bereiten ihm sogar Unbehagen. Allerdings hat Carlos eine geheime Passion (wie der Titel vielleicht schon erahnen lässt), bei der er sehr wohl auf seine Mitmenschen angewiesen ist. Als die zarte Rumänin Nina (Olimpia Melinte) in das Leben des Schneiders tritt, hadert er plötzlich mit seinen inneren Zwängen…
Der spanische Beitrag zum Thema „Wie mache ich aus meinem Nachbarn ein leckeres Schnitzel“ schlägt fast schon so ruhige Klänge an wie Kitano. Carlos – eindrucksvoll dargeboten von Antonio de la Torre (VOLVER, MAD CIRCUS) – ist eine bedachte, perfektionistisch veranlagte Hannibal-Type. Abgeklärt, kühl und ohne die leiseste Gefühlsregung verrichtet er seine Arbeiten. Im Kühlschrank hat er ausschließlich Fleisch. Es wirkt als esse er nichts anderes. Als Carlos die sanftmütige Nina, die Schwester eines seiner Opfer, kennenlernt – eine Doppelrolle brillant gespielt von der hübschen Rumänin Olimpia Melinte – gerät seine Welt ins Wanken.
CANNIBAL ist ein feinfühliges Werk, mehr Sozialdrama als Horrorfilm. Die Story wird in besänftigenden, bezaubernd fotografierten Bildern transportiert. Die Kamera verliert sich oft, wie auch Carlos Charakter, in Unschärfe. Das Weglassen von übertriebenen Gewaltszenen ist somit nur konsequent. Ein bisschen Blut ist das höchste der Gefühle. Mehr oder gar Splatter wäre hier tatsächlich unpassend gewesen. Somit geht es CANNIBAL nicht um Gewaltdarstellung, Eingeweidebuffets und Augäpfelauslutschen, sondern eher um eine realitätsnahe Darstellung des Themas. Ferner stellt der Film eine Parabel dar, wie schwer es ist sich in der heutigen Zeit auf Liebe und partnerschaftliche Beziehungen einzulassen.
Fazit:
HANNIBAL auf Spanisch. Kannibalismus der melancholischen Art.