Der Originaltitel "La lama nel corpo" verweist wesentlich neutraler als es "Die Mörderklinik" (oder wahlweise "Das Monster auf Schloß Moorley") vermag, auf die bevorzugte Tötungsform der Handlung hin - das Messer im Körper. Womit der 1966 entstandene Film mitten im "Giallo"-Universum angekommen zu sein schien, dessen Markenzeichen - ein Messer, gehalten von einer mit einem Lederhandschuh bekleideten Hand - offensichtlich Pate stand. Tatsächlich entstand "La lama nel corpo" nach Mario Bavas stilbildendem "Sei donne per l'assassino" (Blutige Seide, 1964) und bevor der "Giallo", von der allgemeinen Liberalisierung der moralischen Standards profitierend, Anfang der 70er Jahre seine höchste Popularität erlangte, in einer Phase, in der das Genre ein eher stiefmütterliches Kino-Dasein führte (siehe dazu auch den Essay "Schundromane, Misogynie und gesellschaftlicher Umbruch").
In seiner Mischung aus Gothic-Style, Drama, erotischen Einlagen und Horrorelementen wurde "La lama nel corpo" zum Abbild der Zusammenarbeit einflussreicher Filmkünstler, die Mitte der 60er Jahre andere Genres bevorzugten. Für den Produzenten Elio Scardamaglia blieb es nicht nur die einzige Regiearbeit, sondern ein einmaliger Ausflug ins Giallo - Fach zwischen Sandalen-Film und Italo-Western ("Arizona Colt" (1966)). Auch für Ernesto Gastaldi und Luciano Martino war das nach einem Roman Robert Williams entstandene Drehbuch für mehrere Jahre der einzige Beitrag zum Giallo-Genre, da sie sich, ähnlich wie der österreichische Hauptdarsteller William Berger ("Faccia a faccia" (Von Angesicht zu Angesicht, 1967)), zunächst auf den immens populären Italo-Western konzentrierten. Erst später waren sie entscheidend an der Blütezeit des Giallo beteiligt ("Lo strano vizio della Signora Wardh" (Der Killer von Wien, 1971)) - signifikant für die stilistische Stellung dieses solitären Films, der nur auf den ersten Blick typisch wirkt.
Ein alter Herrensitz abseits größerer Ansiedlungen, voll verwinkelt angelegter Räume, deren Wände dick gerahmte Bilder und Brokat-Teppiche zieren, nur von flackerndem Kerzenlicht schwach beleuchtet, bildet den pittoresk-stimmigen Hintergrund als Sanatorium für psychisch erkrankte Menschen – eingeliefert nach der Diagnose des englischen Arztes Dr. Robert Vance (William Berger), dessen Methoden noch ganz dem Denken des vorletzten Jahrhunderts verpflichtet sind. Entsprechend unzurechnungsfähig erweisen sich die Insassen, die zwischen tiefen Depressionen und extremen Aggressionen schwanken, deren Ursache mehr in der Art der Betreuung zu suchen ist, weniger im angeblichen Krankheitsbild. Offensichtlich gebar dieser Geist auch ein Monster, das über den Dachboden schlurft, auch wenn der Doktor und die gestrenge Oberschwester dessen Anwesenheit hartnäckig leugnen. Ist es verantwortlich für die Morde, deren Spuren Doktor Vance heimlich in der Nacht zu vertuschen versucht?
Was sich nach einer klassischen Grusel-Story über einen Mad-Scientist und seinen monströsen Helfer anhört, erweist sich zunehmend als komplexes Gebilde, dass seine Geheimnisse nur langsam preis gibt. Statt einfach Mord an Mord aneinander zu reihen und die Frage nach dem Täter in den Mittelpunkt zu stellen, bricht „La lama nel corpo“ wiederholt die Handlungslinie und offenbart auf diese Weise die inneren Beziehungen zwischen den Protagonisten, zu denen auch Vance‘ Ehefrau Lizabeth (Mary Young), eine hübsche neue Krankenschwester und der willfährige Hausmeister gehören. Besonders das Auftauchen von Gisèle de Brantome (Françoise Prévost) bricht mit den Gepflogenheiten, denn die nach einem Unglück mit ihrer Kutsche plötzlich an dem Landsitz auftauchende verführerische Schönheit eignet sich nicht als klassisches Opfer. Sie selbst hatte gerade dafür gesorgt, dass ihr älterer, unbequem gewordener Ehemann das Zeitliche segnete, bevor sie kurz darauf zufällig beobachtete, wie Dr.Vance eine Leiche vergrub. Mit diesem Wissen verspricht sie sich Vorteile in der Klinik, in der sie als angeblich hilflos Verirrte um Hilfe bittet.
„La lama nel corpo“ lässt die Frage nach dem Täter lange Zeit offen, aber stärker ist der Film in der Anlage seiner Charaktere. Die dahinter verborgene Ambivalenz vermeidet typische Rollenmuster und erlaubt überraschende Wendungen, die auch eine tragische Seite hinter den Gewalttaten offenbaren, Deren wenig grafische Ausarbeitung überzeugt durch ihre stimmige, sich in den Gesamtkontext integrierende Gestaltung, die dem Film trotz diverser 60er Jahre Anleihen, hinsichtlich der weiblichen Optik und erotischer Einlagen, einen erfrischend altmodischen Charakter verleiht – eine gelungene frühe Fingerübung späterer Meister des Giallo-Fachs. (8/10)