Na, das ist doch mal was anderes: Ein Horrorfilm mit einem realen Wesen aus dieser Welt! Zumindest - wenn man den einschlägigen Sensationsberichten glauben schenken darf - gibt's seit Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßige Meldungen über das Auftauchen von „Nessie", einem wohl prähistorischen Urviech der Marke Plesiosaurus. Andere sagen, alles Schwindel. So wie dieser Film einer ist.
Denn dieses B-Movie reiht sich ein in die Sammlung langweiliger Tierschocker aus diesem Jahrtausend, wie ich einen zuletzt erst wieder in „Dinocroc" gesehen habe. Hier hat sich Chuck Comisky nun nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Eine kleine Gruppe Wissenschaftler will der Sage vom Seeungeheuer im schottischen (oder vielleicht doch amerikanischen?) Bergsee auf den Grund gehen, und das im wörtlichen Sinne. Dabei wird ein Mitglied der Crew tödlich verletzt, doch das Team fahndet weiter und legt sich dabei auch noch mit den Behörden und den Ureinwohnern an.
Leider versprüht der Film wenig Loch Ness-Flair, trotz dem gelegentlichen Eintauchen in düstere und karge Landschaftsbilder, und das sogar untermalt mit schottischen Dudelsackklängen. Die Optik ist sowieso viel zu uneinheitlich geraten, zumal die zur Schau gestellte hippe Umgebung in Gestalt der örtlichen Discotheken - wo man am Abend als Forscher gerne mal einen trinkt - etwas unpassend wirkt. Ebenso wie die Gruppe Jugendlicher, die für ein Touristenschiff eine Monsterattrappe zu Wasser lassen muss. Oder die Idioten von pöbelnden Anglern, die am liebsten mit Sprengstoff ihrem Hobby frönen.
Die Wissenschaftler selbst haben teilweise noch die glaubwürdigeren Charaktere abbekommen. Im Gegensatz zum dümmlichen „Dinocroc" gibt's hier noch halbwegs interessante Einblicke in deren Arbeitswelt mitsamt ihrer aufwendigen Technik, nur eine aufgewärmte Love-Story - mit einer Echse, ähm, ich meine Ex-Geliebten - bremst wieder mal gehörig das ganze Treiben.
Auch sonst hält man sich brav an der traditionellen Storyline Marke „Jaws" fest, wobei das Zusammenkleistern ganzer Motive aus Spielbergs Reißer schon fast peinlich wirkt. Natürlich gibt es da die Strandbesitzer, die nicht einsehen wollen, dass das Ufer abgeriegelt werden muss. Oder ein niedliches Plesiosaurus-Junge, welches am Strand gefunden wird und der Menge als das lang gesuchte Monster verkauft werden soll, erinnerte doch stark an die „Jaws"-Szene am Kai, als ein Tigerhai am Haken hing.
Am albernsten allerdings die Maskerade eines Einheimischen, der sich den Forschern anschließt, um den Tod seines Sohnes - passiert damals auf dem See bei einer Bootsattacke - zu rächen. Mit Bewaffnung, Schottenrock und blauer Gesichtsbemalung in den Kampf, jawoll, wahrscheinlich zu viel „Braveheart" aufgesogen, oder was?
Die Tricktechnik selbst kann kaum bemängelt werden, da man vom eigentlichen Hauptakteur kaum was sah. Ein paar mal sah man wenigstens zum Schluss ne Art Echse durchs Wasser geschmeidig gleiten, wobei mal geflissentlich vermied, das Viech in ganzer Schönheit zu zeigen, dafür wurde mehrfach ganz nahe das grimmige Auge gezeigt, welches auch vom DVD-Cover grüßt. Selbst das Ende ist nebulös geraten, ob „Nessie" das Zeitliche segnet, ist nach einer Untersee-Explosion nicht auszumachen, ich hoffe nicht, dass das offene Ende mit Hintergedanken gewählt wurde, denn einen zweiten Teil will ich wirklich nicht sehen.
Fazit: Vielleicht etwas weniger peinlich als „Dinocroc", aber immer noch in einer der unteren Schubladen. Meine Formel: Wenig Horror und null Schottland-Schick gleich Finger weg! (3,5/10)