Review

„Highlander II“ wurde oft verrissen, dabei ist er gar nicht mal soviel schwächer als der Erstling – nur stilistisch komplett anders und auch für Zuseher gedacht, die auch etwas mit B-Action anfangen können.
Schon das Setting des zweiten Teils hat deutlich mehr B-Appeal und weniger epische Anwandlungen als der Vorgänger. In der fernen Zukunft lebt Connor MacLeod (Christopher Lambert) in einer finsteren Cyberpunkstadt, die an „Blade Runner“ erinnert: Düstere Gassen, dunkle Farbgebung, Nebel zieht durch die Straßen. Auch typisch ist die Endzeitidee, dass nach Wegfall der Ozonschicht ein Schutzschild errichtet wurde, um die Menschen vor der Strahlung zu schützen (was wiederum die ständige Düsternis erklärt).
Genau diesen Schutzschildgenerator hat Connor vor Jahren mit einem Kumpan entworfen und diesen Schild attackiert Aktivistengruppe um die Umweltschützerin Louise Marcus (Virginia Madsen), denn sie glauben, dass sich die Atmosphäre wieder regeneriert hat. Damit bleibt „Highlander II“ auch inhaltlich dem Cyberpunkstil verpflichtet, denn die Mär von der Machtübernahme gieriger Konzerne und von den Heroen, die gegen sie vorgehen, ist ja gerade in diesen Gefilden beliebt.

Connor selbst ist inzwischen menschlich und gealtert, doch der Unsterbliche Katana (Michael Ironside) hetzt ihm aus einer anderen Dimension Killer auf den Hals, die Connor tötet und anschließend wieder unsterblich wird. Er wird in den Konflikt um den Schutzschild einbezogen, in den bald auch Katana eingreift...
Oft wurde „Highlander II“ für seine Art die Saga fortzusetzen kritisiert, doch zumindest in der Renegade-Version erweist sich der wieder von Russell Mulcahy inszenierte Film als recht konsequent. Nach der Tötung aller anderen Highlander ist Connor sterblich geworden, erst Katanas Eingreifen kehrt den Prozess um. Nebenbei wird auch noch erklärt, woher die Highlander kommen: Es handelt sich dabei um Rebellen aus einer anderen Dimension, die von Katana dort besiegt wurden und dazu verurteilt einen ewigen Kampf in der Menschenwelt zu führen. Als Belohnung winkte entweder Rückkehr in die eigene Welt oder normales menschliches Altern wofür sich Connor entschied.

Auch im Renegade Cut kann „Highlander II“ nicht verbergen, dass die Story nur Mittel zum Zweck ist. Gerade die Zerfaserung zwischen der Konfrontation Connor vs. Katana und dem Handlungsstrang um den Schildgenerator stört den Spannungsbogen an mehreren Stellen, da einfach keine der beiden Geschichten wirklich konsequent verfolgt wird. Vielleicht wäre es besser gewesen sich auf einen der Plots zu konzentrieren und nicht so unentschlossen zu springen. Zudem sollte zudem nicht allzu sehr auf Logik pochen, z.B. ist die Rückkehr von Juan Sánchez Villa-Lobos Ramirez (Sean Connery) mehr als dünn begründet.
Doch Russell Mulcahy ist es zu verdanken, dass „Highlander II“ trotz diverse Plotholes noch Spaß macht. Mit viel Tempo zieht er den Film durch und sieht zu, dass Subplots wie die Herkunft der Highlander oder die Liebesgeschichte zwischen Connor und Louise nicht zuviel Zeit rauben. Auch der Humor, wenn Connor und Ramirez erneut im Team agieren und sich gegenseitig Sprüche an den Kopf werfen, lockert „Highlander II“ deutlich auf. Die stimmige Endzeitatmosphäre, die Mulcahy hier erzeugt, hilft ebenso über die Schwächen des Drehbuchs hinweg.

Wie der erste Teil zeigt sich „Highlander II“ auch etwas zurückhaltend im Umgang mit Actionszenen, wenngleich es hier variantenreicher als im Vorgänger zugeht. Neben den gewohnten Schwertduellen gibt es auch ein paar Schießereien zu sehen, die mit reichlich blutigen Einschüssen gesegnet sind. Der Endkampf könnte länger sein, dafür ist die Konfrontation Connors mit den zwei skurillen Killern aus der anderen Dimension ein echtes Highlight. Etwas seltsam hingegen wirkt Katanas Amokfahrt mit einem gekaperten Zug, die zwar extrem dynamisch inszeniert und mit lauter Rockmusik unterlegt daherkommt, gleichzeitig aber keinen tieferen Sinn hat als etwas mehr Action zu zeigen (und bei wohlwollender Interpretation vielleicht noch Katana als besonders skrupellosen Bösewicht etablieren soll).
Christopher Lambert verkörpert den Helden hier ebenso gut wie im Vorgänger und auch wenn er kein Schauspielschwergewicht sein mag, so gibt den zuerst kampfesmüden, danach wieder heroischen Highlander recht überzeugend. Der verschmitzt agierende Sean Connery raubt ihm dennoch diverse Szenen, während Michael Ironside als Bösewicht ganz passabel ist, aber schon charismatischer war. Virginia Madsen als Love Interest macht einen guten Job, John C. McGinley hingegen verschenkt man als Konzernchef völlig, da er kaum etwas zu tun hat.

„Highlander II“ mag kein meisterliches Sequel sein, aber in der (um Längen besseren) Renegade-Version präsentiert sich ein atmosphärisch dichter Film mit B-Appeal und netten Actionszenen. Die Hintergrundgeschichte wird durchaus glaubwürdig erweitert, nur spannender und logisch durchdachter könnte der Plot schon sein. Von mir gibt es 6,5 Punkte.

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