Review

„Thank God there are two! (of part two)"

„Es hätte nur einen geben sollen!" Der Satz taucht in so ziemlich jeder Besprechung von „Highlander II" auf, besonders gern als Überschrift, oder Schlussfazit. Klingt platt? Ist es auch. Diese Ironisierung des zentralen Mottos aus dem Original („The can only be one!") ist bei einer vermeintlich völlig missratenen Fortsetzung so naheliegend, dass sie bestenfalls zur Aufwärmphase eines „Bonmots für Anfänger"-Kurses der VHS taugt. Andererseits passt das irgendwie auch wieder gut zum Schmähobjekt, denn „Highlander II" kann man ja so einiges attestieren, geistreich zu sein aber eher nicht.   

Handlung, Dramaturgie, Schnitt, alles wirkt wie von einem minder begabten Regienovizen in einer durchzechten Nacht wüst zusammen geschustert. Das im Schneideraum herum liegende Material wurde im Alkoholdunst offenbar nur schemenhaft gesichtet und der Einfachheit halber im Rahmen eines feucht fröhlichen Würfelspiels aneinander gereiht. Kaum zu glauben, dass derselbe Russell Mulcahy, der in „Highlander" noch mit optisch raffiniert inszenierten Übergängen und ausgewiesener Cutter-Expertise glänzte, der seine phantastische Handlung in zwei fein austariert aufeinander zulaufenden Erzählsträngen servierte und der die eigens komponierten Songs der Rockgruppe „Queen" sehr geschickt zur Narration und Emotionalisierung nutzte, dass dieser gewiefte Filmemacher also plötzlich zum dilettantischen Zelluloid-Terminator mutiert sein sollte. Zumindest da kann man Entwarnung geben, denn Mulcahy hat mit der finalen Kinoversion ungefähr so viel zu tun wie Arnold Schwarzenegger, also rein gar nichts.

Was war passiert? Kurz vor Fertigstellung gerieten die Geldgeber ob explodierender Kosten in Panik und setzten Mulcahy mitsamt seinen Produzenten vor die Tür. Die daraufhin hektisch angefertigte Schnittfassung führte zu einer wüsten Verwurstung des gefilmten Materials und strotzte nur so vor Anschluss- und Logikfehlern. Die wirre Handlung sprang fröhlich zwischen verschiedenen Zeitebenen und sogar Planeten - einer der dümmsten Einfälle der Fassung war es, die Unsterblichen zu Außerirdischen vom fiktiven Planeten Zeist zu machen - hin und her, bis selbst der aufmerksamste und gutmütigste Zuschauer entgeistert das Handtuch warf. Dass die Geldgeber darauf bestanden hatten, den im Original bereits den Opfertod gestorbenen Ramirez wieder zu beleben - schließlich erblühte Sean Connerys goldener Karriereherbst gerade in vollster Pracht -  machte das erzählerische Chaos schließlich perfekt.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Also nicht der Film, sondern die Planungen dafür. Mulcahy wollte nämlich gerade nicht eine der üblichen lahmen Fortsetzungen runterkurbeln, die lediglich des schnöden Mammons wegen existierten und deswegen humorlos auf Nummer sicher gehend einfach das Konzept des Originals eins zu eins wieder aufwärmten. Nein, der Mann hatte durchaus eine Idee und vor allem den Mut, seine Fantasy-Saga um den Clan der Unsterblichen originell weiter zu spinnen. Also gab es keinen weiteren Ausflüge in die Vergangenheit, denn schließlich war Connor McLeod nun sterblich - der Preis für seinen Sieg über den letzten Konkurrenten - und daher mit völlig neuen Problemen konfrontiert.

„Highlander II" sollte kein zweiter Zeitreiseaufguss werden, sondern ein düstere Dystopie mit gesellschaftskritischen Bezügen. Deshalb richtet sich der Blick auch in die sehr nahe Zukunft des Jahres 1994, in dem die Ozonschicht aufgrund von Umweltverschmutzung weitestgehend zerstört ist. Um die Menschheit vor dem sicheren Tod zu bewahren, konstruiert Connor McLeod (Christopher Lambert) einen künstlichen Schutzschild, der 1999 in Kraft tritt. 25 Jahre später ist dieser immer noch intakt, die Menschen allerdings leiden zusehends unter dem diktatorisch auftretenden Hersteller-Konzern und dem fehlenden Sonnenlicht. Was keiner ahnt: die Ozonschicht hat sich längst regeneriert, was aber aus reiner Profitgier geheim gehalten wird. Als die streitbare Journalisten  (Virginia Madsen) Louise Marcus das heraus findet, wendet sie sich an McLeod um Hilfe, doch der ist inzwischen eine greiser Mann ...

Von dieser spannenden Geschichte ist allerdings in der Kinofassung nicht viel übrig. Zwar tauchen die obigen Fakten sämtlich auf, nur sind sie derart wirr und sprunghaft montiert, dass keinerlei Stringenz, oder Spannungsdramaturgie erkennbar ist und man sich auf einem billigen Jahrmarktkarussell wähnt, das alle paar Minuten einen technischen Defekt hat. Billig wirkende Spezialeffekte, hölzerne Dialoge und ein vom fernen Planeten Zeist herbei gerufener Ramirez leisten der galoppierenden, unfreiwilligen Komik massiven Vorschub. Der Untertitel hätte anstatt „The Qickening" besser „The Trashening" gelautet.

Damit wäre alles gesagt zu einer der schlechtesten Fortsetzungen der Filmhistorie, aber „Halt!", wird der geschundene Highlander-Fan hier lautstark einwenden. „Einspruch, Euer Kritiker-Ehren!" Und der ist definitiv berechtigt und lautet: Renegade Version.
Ja, es gibt eine alternative Fassung. Ja, die ist von Russell Mulcahy nicht nur autorisiert, sondern höchstpersönlich erstellt worden. Und ja, die ist mehr als eine beschämte Wiedergutmachung und trägt zurecht den häufig missbrauchten Zusatz „Director´s Cut". Zwar ist noch immer nicht alles gülden, aber plötzlich wird die Vision hinter dem Projekt deutlich und ein Film kommt zum Vorschein, dem man das Herzblut anmerkt, mit dem ein Kult-Klassiker respektvoll fortgeführt werden sollte.

So gibt es neu eingefügte und soagr neu gedrehte Szenen, veränderte Dialoge, überarbeitete Effekte und ein alternatives Ende zu bestaunen. Der Unfug um die außerirdische Herkunft der Unsterblichen ist verschwunden, statt dessen stammen sie aus einer nicht näher erklärten, mystischen Vergangenheit der Erdgeschichte, was deutlich besser mit dem Ansatz des Originals harmoniert. Connerys Auftauchen wird damit immerhin vom Dreifachen Logik-Rittberger zum doppelten Plausibilitäts-Salto reduziert, den man aber gerne mit turnt, da seine Szenen zu den witzigsten und unterhaltsamsten des Films zählen. Wie schon im ersten Teil bilden Lambert und Connery ein launiges Buddy-Gespann, dem man gerne auch länger zusehen würde.
 
Umso mehr, da auf Seiten der Liebe und des Hasses nur Konfektionsware geboten ist. John C. McGinley als fieser Konzernboss David Blake und Michael Ironside - dessen durchaus beachtliches Bad Guy-Potential Paul Verhoeven ein Jahr zuvor erheblich effektiver genutzt hatte („Total Recall") - als Kruger-Nachfolger Katana chargieren um die Wette und büßen damit gehörig an Schrecken ein. Und Virginia Madsen verfügt zwar über die seltene Kombination aus Charisma und (verruchter) Schönheit, wird aber in eine recht schlampig entwickelte Liaison mit Lambert alias McLeod gestoßen.  

Auch in der Renegade-Version erreicht „Highlander II" also nicht Charme und Zauber des Originals, ist aber zumindest ein unterhaltsames Fantasy/SF-Abenteuer mit lieb gewonnen Helden. Diesmal gibt es halt keine mit Glanz und Gloria los dröhnende Rockband, die kongenial Handlung und Stimmung verstärkt. Auch das Grundkonzept ist weniger überwältigend ausgefallen. Der Reiz, eine vertraute Gegenwart mit einer archaischen Vergangenheit zu kontrastieren und beides mit Magie zu verbinden, weicht hier einem vergleichsweise handelsüblichen Science-Fiction-Ansatz. Dennoch ist Mulcahys auf Optik fokussierte Handschrift auch hier wieder klar erkennbar.

„Es kann nur einen geben!" gilt sicherlich für den Kultcharakter des Originals, was aber nicht im Widerspruch zu unterhaltsamen Sequels steht, oder jene sogar verbietet. Zumindest der „Renegade Cut" der ersten Fortsetzung zeigt das durchaus vorhandene Potential des Stoffes zur Vertiefung und Weiterführung. Die im Vergleich dazu gnadenlos abschmierende Kinoversion, zeigt allerdings auch die Kehrseite einer ja meist rein von wirtschaftlichen Motiven angetriebenen Sequelitis. Aber so lange selbst solch offenkundige Fehlschläge wie „Highlander II" mehr Gewinn einfahren als der gefeierte Vorgänger, wird sich daran rein gar nichts ändern. Oder: „There will be many, many more!"  

(Kinoversion: 1,5/10 Punkten; Renegade Version 7,5/10 Punkten)

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