Review

kurz angerissen*

Jump Scares gehören zu den bequemsten, nicht selten billigsten Stilmitteln, die der Horrorfilm zu bieten hat und mittlerweile genießen sie ihren schlechten Ruf nicht ganz zu Unrecht, da sie nur noch selten wirklich klug eingesetzt werden, sondern meist plump von Defiziten in anderen Bereichen ablenken sollen.

„Patrick“ wiederum, das australische Remake des gleichnamigen australischen Horrorfilms von 1978, ist eine regelrechte Jump-Scare-Parade. Er gefällt sich darin, einen Schockmoment nach dem anderen über den Zuschauer rollen zu lassen, ohne ihm die Zeit zum Atmen zu geben. Selbst harmlos erscheinende Momente sind überladen mit diesen nervigen kleinen Nadelstichen, die sich so gar nicht an die Rhythmik halten wollen, die im stillen Einvernehmen zwischen Film und Publikum irgendwann beschlossen wurde. Nein, jede Minute ohne Jump Scare ist eine verschwendete Minute.

Dieser unermüdliche Munitionsverbrauch birgt natürlich unzählige Momente billiger Effekthascherei, der mit einer klinisch-kalten, digitalisierten Optik einhergeht, die suggeriert, dass sich in jeder Spiegelung ein weiterer Buh-Effekt verstecken könnte. Und doch macht „Patrick“ gerade wegen seiner extremen Beharrlichkeit irgendwie Spaß. William Castles Eventkino erlebt gewissermaßen eine kleine Wiederauferstehung, wenn der Koma-Patient plötzlich in die Luft spuckt und dies als saftiger Schockeffekt inszeniert wird (überhaupt: dies ist der Film des Spuckens!). Oder wenn das entstehende voyeuristische Schuldbewusstsein mit Orchester-Krawumms bloßgestellt wird, als sich nekrophile Aktivitäten auf dem Bildschirm abspielen.

Ja, das ist doof, manipulativ und extrem simpel, aber wenn etwas mit so viel diebischer Freude als Feuerwerk abgebrannt wird, kann man deswegen einfach nicht böse sein. Das behalten wir uns vor für Standard-US-Teenager-Horrorfilme, die „Buh“ schreien und sich selbst dabei noch ernst nehmen.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme