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Starke Frauen stehen im Mittelpunkt von Zack Parkers Thriller, der in vielerlei Hinsicht an klassische Werke Hitchcocks angelehnt ist. Etwas Geduld sollte man allerdings aufbringen, denn das Ganze gleicht einer sehr gemächlichen Enthüllung diverser Abgründe.

Esther (Alexia Rasmussen) steht etwa zwei Wochen vor ihrer Entbindung, als sie auf dem Heimweg vom Gynäkologen niedergeschlagen wird. Sie verliert ihr Baby und nimmt daraufhin an einer Gruppentherapie teil, bei der sie Melanie (Alexa Havins) kennen lernt, welche vor Jahren Mann und Kind verlor. Doch als sie Melanie eines Nachmittags zufällig beobachtet, offenbaren sich die ersten Lügen in einem undurchschaubaren Spiel...

Bereits die ersten Minuten verursachen ein unwohles Gefühl in der Magengegend, da der Überfall auf Esther offenbar dem Neugeborenen galt, was an Brutalität in so einer Situation kaum zu überbieten ist. Esthers Einsamkeit kristallisiert sich rasch heraus, da ein Fisch ihr einziger Bezugspunkt zu sein scheint und ihr die stetige Unsicherheit zu jeder Zeit anzusehen ist. Melanie wirkt demgegenüber stark und gefasst und scheint mit der traumatischen Situation vergleichsweise gut zurecht zu kommen, was das Geheimnis um ihre Person ein wenig andeutet.

Im Verlauf ergeben sich ein paar unerwartete Wendungen, die meistens mit einem leichtem Paukenschlag einhergehen und stets ein weiteres Teil des Puzzles lösen, zum Teil jedoch auch weitere Fragen aufwerfen, die bis zum Finale jedoch weitgehend beantwortet werden.
Es geht um Lügen, Neurosen, verschobene Realitäten und primär darum, wodurch jemand Aufmerksamkeit und Beachtung erlangt. Innerhalb des überschaubaren Figurengefüges wird glücklicherweise nie sofort schlüssig, wer ein falsches Spiel treibt, - klar ist nur, dass innerhalb des Showdowns noch mindestens eine Figur sterben dürfte.

Regisseur und Co-Autor Zack Parker geht sein Werk recht versiert an, obgleich Ausstattung und handwerkliche Kniffe im überschaubaren Rahmen bleiben. Die Kamera arbeitet solide, einige Szenenübergänge fallen angenehm weich aus, diverse Zeitlupen sind ordentlich komponiert, nur hätte der Streifen um einige Szenen erleichtert werden können, da die Laufzeit von rund 122 Minuten einige Durchhänger aufweist und das Erzähltempo ohnehin nicht allzu flott ausfällt.

Darstellerisch wird hingegen ausgezeichnete Arbeit abgeliefert und auch die Besetzung könnte kaum treffender sein. Neben Rasmussen und Havins brillieren noch Joe Swanberg als Melanies Mann und Kristina Klebe als unberechenbare Furie.
Der Score erinnert nicht von Ungefähr an einige bekannte Harmonien von Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann, dennoch vermag er die Grundstimmung adäquat zu untermalen und auch das Hauptthema fällt einigermaßen markant aus.

Unterm Strich bietet "Proxy" einen altmodisch vorgetragenen Thriller über gestörte Persönlichkeiten mit einigen düsteren Geheimnissen, Enthüllungen und diversen Twists, welche im Gesamtbild durchaus nachvollziehbar und schlüssig sind. Deutlicher Wehrmutstropfen ist die zuweilen etwas zu selbstverliebte Erzählweise mit allerlei unnötigen Szenen und die austauschbaren Schauplätze, die allesamt ein wenig nach schlichter TV-Produktion aussehen.
Ansonsten eine Empfehlung an Genrefans, die zwischenzeitlich Lust auf Entschlüsselung undurchschaubarer Figuren haben.
7,5 von 10

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