Der Beginn des Films ist ein ordentlicher Schlag in die Magengrube, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die junge hochschwangere Esther wird auf der Straße überfallen und ihr ungeborenes Baby im Bauch mit einem Ziegelstein erschlagen. Die alleinstehende Frau sucht Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe und lernt dort Melanie kennen, die ihr bald schon durch merkwürdiges Verhalten auffällt. Zwischen den beiden Frauen beginnt eine abstrakte Beziehung, die fatale Folgen haben wird.
PROXY lässt sich schwer einordnen, ist Stalkerstory, Rachekrimi und Traumadrama nacheinander und in einem. Bis zum Ende bleibt der Film unberechenbar. Stilistisch ist PROXY den Werken aus Brian de Palmas 70er- und 80er-Phase verwandt, ein unterkühlter, langsam entwickelter Psychothriller mit wenigen, zum Teil schockierenden Gewaltausbrüchen und wenig prüden Sexszenen, der ständig zwischen Anspruch und gewagtem Trash pendelt – und nach der Hälfte auch noch komplett Perspektive und Protagonisten wechselt.
Das alles macht PROXY wenig mainstreamtauglich. Dass er unter Genreinsidern durchaus Anerkennung genießt, zeigte u. a. Ti West, indem er sich hier die letzte Szene für sein Finale von MAXXXINE „borgte“.