Review

Horns- Ein Film der anderen Art. (Vor etwaigen Spoilern sei gewarnt)

Ich weiß nicht, wie es anderen mit diesem Film geht, aber für mich strotzt er vor Ethik, Moral und Veränderung. Etwas in dieser Art und Weise habe ich noch nicht gesehen und ich mag die Botschaft und die Geschichte. Eine innige Liebe, die vermeidlich zerstört wird und der aufrichtig Liebende fälschlicher Weise des Mordes verdächtigt wird und er in der symbolischen Rolle des Teufels die Wahrheit offenbart und auch die traurige Wahrheit über die Menschen und Dinge, die sie selbst niemals aussprechen dürfen.

Bekanntlich ein Gefühl, dass wohl jeder kennt. Ich spreche vermutlich für jeden der in der Schule ist, der arbeiten geht, eine Familie oder Freunde hat, ach wisst ihr was, für jeden, wenn ich sage, dass wir oft nicht das aussprechen können und aussprechen dürfen, was wir wirklich über manche Menschen denken. Böse Gedanken hat jeder mal. Aber sie auszusprechen ist oft eine Kritik an Moral und Sitte, weshalb wir es uns selbst verbieten.

Wenn uns erstmal Hörner wachsen, sagt uns plötzlich jeder, was er wahrhaftig von uns hält. Das ist ein stilistisches Mittel, das für mich über kleine Lücken, vielleicht kleine verpatzte Logik hinwegtröstet, da es für mich den ganzen Film ausmacht. Anfangs noch glauben die Eltern ihm, dass er den Mord an seiner Geliebten nicht begangen hat, es gar nicht hätte tun können, nur damit wir im weiteren Verlauf die Wahrheit hören dürfen. Jeder glaubt, dass er seine einzige Liebe getötet hat, er also nicht von allzu menschlicher Natur ist und so eher einem Teufel ähnelt. Diese Symbolik ist überall mal zu sehen, wenn man genau hinschaut. Die Schlangen tauchen auf, solange er nicht die Kette seiner wahrhaftigen Liebe um den Hals legt, sich vom Dasein des Teufels löst und sich Gott hingezogen fühlt. Dabei fiel es mir zugegebenermaßen in der ersten halben Stunde schwer, Radcliffes Darstellung etwas abzugewinnen, es war schlicht nicht gut genug. Die Emotionen noch zu hölzern, die Ernsthaftigkeit noch wenig überzeugend. Was sich aus seiner Darstellung danach ergibt und offenbart habe ich ihm garnicht zugetraut, was wohl auch dem Vorurteil, das verständlicherweise vermutlich jeder hat, in seiner gefestigten und berüchtigten Rolle des ''Harry Potter's'' liegt. Die Betrachtung ist hiebei selbstverständlichsehr subjektiv, da ich seiner Darstellung sehr viel mehr abgewinnen konnte. Seine Darstellung war im Verlauf überaus überzeugend, wobei hier natürlich die Handlung, die moralischen Fragen und bekanntlich auch die Liebesgeschichte sehr großen Anklang mit rein gebracht haben und seine Darstellung gefestigt haben. Die Frage nach der Menschlichkeit, nach der Wahrheit und nach dem Denken der Menschen hat mich nicht nur streckenweise vom Hocker gerissen.

Vermutlich aber, weil ich solchen Themen, solchen Fragen nach dem Wie und dem Warum überaus großes Interesse entgegenbringe. Das Wagnis, den Film mit seiner einzigartigen Idee der Geschichte, der Hörner und der Symbolik dahinter, findet bei mir schon deswegen große Begeisterung, weil es etwas neues ist und weil es meiner Meinung nach sehr gelungen ist. Es ist eine durch und durch eigenständige Idee und so kommt es, dass der Film vor Tragik, Liebe, Verzweiflung, Rache und Vertrauen nur so strotzt. Begriffe mit denen ich mich während eines Films und darüber hinaus gerne und lange beschäftige. Darüber hinaus untermalt der Film seine Handlung und die Geschehnisse mit unterschwelligen, dunklen Bildern und oft einer hektischen und aufreibenden Kameraarbeit. Das Bild ist gut, ist es mir freilich aber oft auch zu ''nass, monoton und gleich'' geblieben. Aber das ist es ebenfalls etwas über das man streiten kann , denn im Großen und Ganzen, sollte dieser Film diese Farben ausspielen, weil es eine tragische Geschichte über Liebe, Lüge, Wahrheit und Verzweiflung ist.

Jeder sieht etwas anderes in Filmen. Manche sehen vermutlich nicht viel in ''Horns''. Aber das ist die Kunst und Leidenschaft von jedem hier.Individuell. Während der eine nur einen hässlichen oder unspektakulären Punkt auf einer Wand sieht, sieht jemand anders ein großes und farbreiches Erlebnis.

Einzigartige Idee. Fragen, die über Moral hinausgehen und auch das Innenleben des Menschen (der Menschen) behandelt. Von mir gibts daher 8 Punkte für einen vielleicht nicht perfekten aber durchaus außergewöhnlichen Film.

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