kurz angerissen*
Amerikanische Geschichte im Zeitraffer, erzählt aus der passiven Perspektive des stillen Beobachters. Lee Daniels führt seine Regie mit viel Pathos, welches aber alleine dadurch gedrosselt wird, dass die Regierungsphasen von sieben Präsidenten mitsamt aller gesellschaftlicher Herausbildungen immer nur angerissen und kaum intensiviert werden können. Doch das müssen ohnehin andere Filme leisten; „Der Butler“ konzentriert sich darauf, kausale Zusammenhänge zwischen den einzelnen Perioden zu finden. Während er die amerikanische Geschichte seit den 50er Jahren Revue passieren lässt, arbeitet Daniels einen bemerkenswerten Standpunkt heraus, bei dem die Entscheidungen auf höchster Regierungsebene immer wie Kompromissentscheidungen anmuten, um die stärksten Brandherde zu löschen, wobei der Blick für den Rand stets ausbleibt. Diesen greift der Regisseur nun auf; dass seine Perspektive auf Tuchfühlung mit dem Zentrum der Ereignisse bleibt, jedoch einen leicht abseitigen Blick einnimmt, gehört fraglos zu den größten Stärken seiner Arbeit.
Zeitgleich portraitiert er den Butler-Beruf als feinsinniges und, wie es richtigerweise im Film heißt, subversives Handwerk. Damit wird nicht etwa nur eine Berufsgruppe, sondern zugleich ein ganzer Menschenschlag gewürdigt, der doch sonst eher selten zum Betrachtungsgegenstand von zeitgeschichtlichen Dokumenten gemacht wird. Auf Forest Whitaker ist in einem solchen Zusammenhang natürlich auch immer Verlass. So spielt er den Cecil Gaines mit unnachahmlicher Würde und Tiefe. Letztere kann der Film als Ganzes aufgrund seiner eher oberflächlichen Abhandlung der einzelnen Epochen natürlich nur bedingt aufbringen; dessen ungeachtet und trotz Pathosgefahr ist „Der Butler“ ein äußerst sehenswerter Blick auf fünf von Aktivismus geprägte Dekaden.
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