Nennen wir es Vorahnung, nennen wir es Instinkt, aber im zarten Alter von 22 Jahren war ich aufmerksam genug, einen Film namens "Super Mario Bros." im Kino zu vermeiden, obwohl angepriesen, vielleicht auch, weil ich so etwas wie ein Videospiel bis dato noch nicht angefaßt hatte.
Etwas über 15 Jahre später nähert man sich langsam aber sicher der großen bösen 40 und man fängt an, seltsame Risiken einzugehen, wie Motorradführerscheine zu machen, über Adoptionen nachzudenken oder Filme zu schauen, die zuvor tabu waren. Mit der nötigen Lebenserfahrung oder dem sich breitmachenden Realitätszynismus überlebt man sie dann auch.
So wie jetzt meine Wenigkeit, die dieses filmische Äquivalent einer Unterhaltungsmidlife-Crisis tatsächlich mit der Vorspultaste in der Hand hinter sich gebracht hat, ohne gleich Pflegestufe 1 zu beantragen.
Schwer wars trotzdem.
Sensationelle 40 Millionen Dolares hat dieses Machwerk damals gekostet, dafür kriegt man heute locker (mit Inflation) einen munteren Harry-Potter-Film geboten und es sagt schon etwas über die Qualität aus, wenn die imdb ausnahmsweise mal mehr Regisseure als Drehbuchautoren für einen Film listet (4:3), auch wenn sicherlich der halbe Hofstaat an diesem Flickwerk rumgeschustert hat.
Eingespielt hat er nur 20 - ich weiß jetzt auch, warum...
...und dennoch bin ich praktisch sprachlos vor Staunen, wie sehr man einen Film in den Sand setzen kann. Viele Film sind "dead on arrival" oder "at conception", so wie "Catwoman" mit Halle Berry oder "Battlefield Earth", aber nicht mal anbetracht des Einwandes, es hier mit der ersten Verfilmung eines Videospiels zu tun zu haben (man hatte also keine zu vermeidenden Fehlerquellen in der Hinterhand), ist es atemberaubend, wie nichtssagend, ja sich selbst negierend der fertige Film geworden ist.
Ich sag jetzt erst mal, wie viel ich von dem Spiel weiß: es geht um einen Klempner (oder zwei), da gibts ne Prinzessin, irgendwas mit Pilzen, einen kleinen Drachen und man muß rennen und springen, "Jump'n Run"-Game halt.
Man darf konstatieren: das ist, irgendwie, alles in dem Film drin. Allerdings klingt das bei der Aufzählung schon etwas dürftig und so scrabbelten ein Team Autoren daraus eine Art Sci-Fi-Story zusammen, die all diese Elemente miteinander verbinden sollte. Weiß man nichts von einem Videogame, provoziert der Film dann tatsächlich die provokante Frage, wer sich diesen Scheiß einfallen lassen hat und was das damals wohl sollte.
Die Filmemacher haben, wohl infolge akuter Hilflosigkeit, den Film so angelegt, daß er praktisch im Nichts schwebt. Angesichts eines Spiels, daß man nicht irgendeinem Genre automatisch zuordnen kann, eine riskante Investitionsentscheidung. SMB ist nichts von allem, was es sein könnte: es ist keine richtige Science-Fiction, es ist keine Komödie, es ist nicht spannend und auch nicht ernst zu nehmen, es wirkt über die volle Laufzeit einfach wie der abstruse Versuch, Geld zu verbrennen (oder es zu waschen?)
Da bekommt man dann die Story von der parallelen Wirklichkeit geliefert, in der die Dinos die beherrschende Spezies waren, aber sich daraus dann doch irgendwas Menschenähnliches entwickelt hat, mit leichten Echsenmanierismen (ich hab das echt nicht verstanden). Die leben alle in einer anderen Welt, wo es nur eine Stadt und sonst nur Wüste gibt, aber die Stadt sieht hilfsweise so aus wie New York - oder wie eine New York-Parodie, die die Setdesigner in akuter Lebensmüdigkeit in einer alten Zementfabrik aufgebaut haben (und das sieht man dann auch).
Obwohl die Seiten nicht gewechselt werden können, weiß die Dino-Seite genau, wie es auf der Säugerseite aussieht, wie hätten sie es sonst schaffen sollen, daß die Polizei fast gleich ausschaut und die Polizeireviere auch (abgesehen davon, daß ein paar Mad Max-Freaks sie latent geschmückt haben und sie via Autoscooterelektronetz fahren...kopfschüttel....). Wieso, weshalb...is ja auch egal.
Auf jeden Fall sitzt mittendrin Dennis Hopper (offenbar in Geldnot) mit einer aberwitzigen Frisur, läßt sich entpilzen und kaspert an einer Maschine, die die Evolution voran- oder rückwärts laufen lassen kann (ja, sie hat genau diese zwei Einstellungen).
Dann gehts um einen Meteoritensplitter, schunkelnde Echsenkopfwachen und einen gigantischen Pilzorganismus, der die Stadt überwuchert und wie zerrissene Gummibahnen mit Ektoschleim ausschaut (der Organismus verwandelt sich am Ende übrigens in Lance Henriksen, was ich sehr demütigend für ihn finde). Dann haben wir noch dicke Nutten mit Pressluftstiefeln (äh...), hie und da fällt einer mit dem Fahrrad von der Zementfabrikbrüstung (must be a joke) und alle sind mit so komischen Elektroschockern und Blastern bewaffnet, die sowohl Flammenwerfer als auch Blaster sind und mitten denen offenbar niemand schießen kann, weil nie einer irgendwas trifft, was sich ggf. bewegt.
Ja, und dann wären da noch die Klempner. Mario und Luigi, die etwas tolpatschigen, aber irgendwie ganz findigen Klischeeitaliener, perfekt dargestellt von einem Briten und einem Kolumbianer...
...letztendlich möchte man weder John Leguizamo (war jung, brauchte das Geld) noch Bob Hoskins (sprang für DeVito ein) einen echten Vorwurf machen, denn sie müssen einen dermaßen öden Kasperquatsch runterspielen, dem es an allem fehlt, also Esprit, Witz, Tempo, Qualität und generell Ideen, daß sie die meiste Zeit der Dreharbeiten laut eigener Angabe besoffen waren.
De facto passen die beiden optisch eigentlich ganz gut und werfen sich ins Zeug, aber für was für einen Film? Offenbar konnte man sich ja nicht mal entscheiden, ob man ihn für eine Zielgruppe drehte, also entschied man sich...für gar keine. Der Film ist zu doof und infantil für Erwachsene, zu grimmig und unlustig für Kinder. Der Slapstick ist meistens zäh, unspektakulär und falsch inszeniert, die Actionszenen hätte man in keiner TV-Serie bringen dürfen und es gibt keine Witze, keine Sprüche, nur endlose Sabbeleien ohne Pointe.
Dennis Hopper labert derweil ununterbrochen irgendeinen Schwund, verpaßt aber die Ausfahrt zur Selbstironie und lenkt das Gefährt in die gewollte Selbstparodie, während Samantha Mathis genug damit zu tun, halbwegs gut auszuschauen (leider aber nicht für fünf Cent sexy, was alles vereinfacht hätte).
Tja, was bleibt also sonst noch? Es gibt tatsächlich manchmal so was wie "jump and run", allerdings meistens mit vielen Dialogen dazwischen und voneinander deutlich getrennt und dabei wiederum sagenhaft unspektakulär. Die Tricks, wie schon erwähnt, sind hart an der Grenze zum Lächerlichen, die Videospielversatzstücke passen nicht zur Handlung und umgekehrt, allenfalls das Animatronic-Saurierchen Joshy ist ganz ordentlich geworden, hat aber auch null Funktion, außer ein Ausstellungsstück zu sein.
Stattdessen füllt den Plot das erst geistlose, später dann geistlos geistreiche Gesabbel zweier grenzdebiler Handlanger, die witzig sein sollen und an die Thomas Danneberg als Synchronsprecher wie eine frevlerische Vergeudung wirkt.
Aber was solls auch, das Geld in diesem Film ist eh nirgendwo zu erkennen und da es keinen Spaß und keine Spannung, keine Schauwerte und kein Tempo gibt, keinen Plot und keine Action, bleibt eigentlich nur ein schwarzes Loch.
Und genau dahin ist der Film dann auch schnellstens gewandert. Darauf'n Pilz. Pardon, Pils! (1/10)