Review

Prall gefüllte Pilz-Pinata


„Super Mario Bros.“, der erste Videospielfilm überhaupt (und bis heute laut seines Rufs einer der schlechtesten dieses eh schon meist minderbemittelten Fachs), hat es sich mit allen verscherzt. Fast allen. Die „seriösen“ Kritiker fanden ihn damals zu kindisch, seltsam und überdreht; die Gamer fanden zu viel ihres Lieblingscharakters und seiner legendären Spiele verhunzt; dem Mainstream war das zu geekig und bizarr; selbst Genres lässt sich dieses absurde Klempnerabenteuer nicht deutlich zuordnen. Doch langsam aber sicher baut sich diese charmante „Vollkatastrophe“ doch noch ihren eigenen Kult-Fankreis auf - zum Teil sogar ganz abseits von seiner eigentlichen Zielgruppe... Erzählt wird von Mario & Luigi, zwei New Yorker Klempner, die in ein bizarres Paralleluniversum gezogen werden, um dort die „Prinzessin“ Daisy aus den Klauen des machtgierigen, gemeinen und wildgewordenen Politikers Koopa zu befreien - und um sie herum tobt ein unbeschreibliches Chaos aus Pilzen, Dinos und... ach, schaut einfach selbst. Es ist craaazy...

Natürlich geht die Geschichte flacher kaum (aber das ist bei den Spielen nicht anders), nicht alle Schauspieler wirken ganz bei der Sache und teilweise ist man in den falschen Momenten zu nah am Game, dann wieder viel zu weit weg. Die Balance ist chaotisch bis hyperventilierend. Vielleicht ist „Super Mario“ auch einfach nicht sinnvoll verfilmbar. Außerdem ist es eine Frechheit, was man aus Toad gemacht hat und der Film ist definitiv öfters unfreiwillig komisch als beabsichtigt. Alles verbrieft und auch von mir wahrgenommen. Und dennoch hat das Live-Action-Jump&Run einige kuriose Punkte, die mich faszinieren und mir richtig gut gefallen, von Sehen zu Sehen mehr: 
+ einfach ein naives, unschuldiges Gefühl 
+ gleichzeitig erstaunlich dunkel und böse
+ stilistisch irgendwo zwischen „Turtles“, „Mad Max 3“ und „Demolition Man“
+ viele handgemachte Sets und Kostüme 
+ man sieht das hohe Budget durchaus 
+ ein paar gesellschaftlich-satirische Hiebe
+ ein Kindheitsalptraum (auf witzige Art und Weise)
+ zumindest Hoskins und Hopper legen alles rein
+ toller Chameo der Schöpfer der Figuren (Post-Credit-Szene!)
+ eine verrückte Welt, in der es viel zu sehen gibt (selbst wenn man oft nur mit dem Kopf schüttelt und den Ohren schlackert), gerade in der neu restaurierten HD-Version
+ viele Easter Eggs für Fans 
+ bemalte Super Scopes! 
+ wir erfahren Marios Nachnamen ;)
+ Yoshi ist süß 
+ selbstbewusst auf ein Sequel gezielt 
+ irgendwie gar ziemlich zeitlos 
+ verkehrt vieles der Vorlage ins düstere Gegenteil 
+ zieht viel eher für Erwachsene als Kinder 
+ farbenfroh und oft einfach nur verrückt
+ „Everybody do the Dinosaur!“ 
+ die langsamste Verfolgungsjagd (auf Matratzen!) aller Zeiten
+ perfekt auf Drogen zu gucken! 
+ sowas wird seitdem einfach nicht mehr gemacht

Fazit: was für ein bunter Haufen... manche würden sagen Scheisse... ich eher Wahnsinn... Mushroom-Mania! „Super Mario Bros.“ misslingt nach üblichen Maßstäben, an seinem Namen gemessen und im Vergleich zu den unsterblichen Games ziemlich krachend, spektakulär und... irgendwie... zufällig... brillant?! Denn unter Kultaugenmerk und mit Absurditätenbonus durchaus ein Gewinn für den kindgebliebenen Genrefan. Ich würde auf diese „erste Videospielverfilmung“ jedenfalls nicht verzichten wollen. Selbst wenn sie nüchtern und für Fans natürlich weh tun kann... Ein Guilty Pleasure.

Details
Ähnliche Filme