Review

Das Original

... hat mir deutlich besser gefallen als das Remake. Die vollen zehn Punkte erreicht der Film für mich aber nicht ganz. Denn es gibt andere Antikriegsfilme, die mich noch mehr beeindruckt haben, z. B. "Johnny zieht in den Krieg", "Wege zum Ruhm", "Im Westen nichts Neues", "Geh und sieh". Außerdem hätte man einiges noch ein bisschen besser machen können. Dem Regisseur ging es wohl nicht nur um eine allgemeine Aussage gegen den Krieg, sondern auch darum, die Folgen der Indoktrination durch ein unmenschliches Regime aufzuzeigen. Da wäre es besser gewesen, wenn man am Anfang noch mehr von dieser Indoktrination gezeigt hätte. Warum zeigt man die Jungen nicht mal in Hitler-Jugend-Uniform? Generell hatte ich ein bisschen den Eindruck, als ob man versucht hätte, Nazi-Symbole zu vermeiden, z. B. kommen auch nur wenige Hakenkreuze vor. Und ein Hitler-Gruß kommt, wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, gar nicht vor. Vielleicht hätte man auch Indoktrination durch Lehrer zeigen können, es wird nur eine Englisch-Stunde gezeigt, man hätte vielleicht noch eine Geschichts-Stunde o. ä. (wo Indoktrination erfolgt) einbauen können.

Später (bei den Kampfhandlungen) kam mir einiges nicht ganz logisch vor. Warum können die jungen Soldaten so gut mit Waffen umgehen, obwohl sie erst einen Tag vorher eingezogen wurden? Warum erzielen sie so große Erfolge gegen die angreifenden u.s.-amerikanischen Soldaten, die doch viel größere Kampferfahrung haben? Zwar wird erwähnt, dass die jungen deutschen Soldaten eine "vormilitärische Ausbildung" (u. a. mit MG-schießen) hatten, aber es wirkte auf mich trotzdem unrealistisch, dass sie so gut kämpfen können. Auch das sehr unvorsichtige Verhalten eines amerikanischen Soldaten fand ich unrealistisch. Die Handlung spielt Ende April '45, da kann man wohl davon ausgehen, dass die Amerikaner schon wussten, dass auch minderjährige Soldaten auf sie schießen. Das Ende (die Szene mit dem Sprengkommando) fand ich ein bisschen übertrieben (aber nicht so sehr übertrieben, dass es dem Film wirklich schaden würde).

Davon abgesehen ist der Film aber meiner Meinung nach sehr gelungen. Es geht ganz langsam los, man sieht den Alltag der Jungen und wie sie eingezogen und dann zur Brücke geschickt werden, das nimmt etwa zwei Drittel des Films ein. Zunächst kam mir das etwas übertrieben vor, aber im Vergleich zum Remake wird klar, dass das eine gute Idee war. Im Remake nehmen die Kampfhandlungen viel mehr Raum ein, es wirkt viel zu reißerisch. Und dadurch, dass die Figuren nicht so gut und ausführlich eingeführt werden wie im Original, kann man sich nicht so gut in sie hinein versetzen, da ist das Original klar besser. Es kommt da auch viel besser rüber, dass der Titel des Films vielleicht auch eine symbolische Bedeutung hat: er könnte für den (möglichen) Übergang vom Kindes- ins Erwachsenenalter stehen, es werden im ersten Teil des Films erste Annäherungen der Jungen an das andere Geschlecht gezeigt, viel subtiler als im Remake. Da kommt die Beziehung eines Schülers zu einer Lehrerin, die im Original nur angedeutet wird, zwar viel ausführlicher vor, ist aber viel zu banal und plakativ und entfaltet somit keine Wirkung (zumindest keine positive).

Die Kriegshandlungen wirken auch viel intensiver und schockierender, z. B. ist es so, dass sich einer der Jungen wegen der übergroßen Angst unwillkürlich in die Hose macht. Im Remake kam das nicht vor. Und die Sinnlosigkeit der Verteidigung der Brücke wird viel deutlicher. Es wird von Anfang an deutlich gemacht, dass die Brücke so gut wie keine strategische Bedeutung hat und sowieso so schnell wie möglich gesprengt werden soll. Es wird auch erwähnt, dass der Kampf um die Brücke so unwichtig war, dass er in keinem Kriegsbericht erwähnt wurde, wahrscheinlich eine Anspielung auf (bzw. eine Hommage an) "Im Westen nichts Neues".

Ein weiterer Pluspunkt sind die schauspielerischen Leistungen. Einige der Schauspieler haben bestimmt selber im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Zumindest ist mir bekannt, dass Günter Pfitzmann im Krieg eine schwere Beinverletzung davon getragen hat. Auch Regisseur Bernhard Wicki war Soldat. Und die Schauspieler, die die jungen Soldaten spielen, werden sich zumindest an die zerbombten deutschen Städte und die Hungerjahre nach dem Krieg erinnert haben. Die Leistungen der Schauspieler wirkten authentisch und haben mich sehr beeindruckt.

Auch die Handlung ist gelungen, trotz der oben erwähnten Punkte, die mir nicht gefallen haben. Wie ebenfalls bereits erwähnt: die lange Einleitung war eine gute Idee. Und die Brücke steht im Heimatort der Jungen. Sie hätten nur einen kurzen Weg nach hause zurück zu legen, wenn sie sich gegen eine Verteidigung der Brücke entscheiden würden. Der Krieg ist zu diesem Zeitpunkt schon verloren (wenn auch noch nicht vorbei), und sie haben sowieso keine moralische Verpflichtung, den Kampf aufzunehmen. Und mindestens einer ist der Meinung, man solle wirklich besser nach hause gehen. Durch unglückliche Umstände (und die Indoktrinierung) ist es aber so, dass am Ende doch alle den Kampf aufnehmen, und das Unheil nimmt seinen Lauf...

Fazit: ein meiner Meinung nach sehr gelungener Antikriegsfilm, der seine Botschaft gegen den Krieg wirkungsvoll rüber bringt. Wer Filme wie "Im Westen nichts Neues" mag (bzw. die anderen Filme, die ich oben erwähnt habe), dem wird wahrscheinlich auch "Die Brücke" gefallen.

p.s.: Loriot (alias Victor "Vicco" von Bülow) hat hier eine kleine Nebenrolle als Telefonist ("Hier Bienenkorb! Bie-nen-korb! Verbinden Sie mich mit..."). Auch in "Haie und kleine Fische" (1957) kann man ihn kurz sehen (da spielt er einen Matrosen und sagt "Wo hamse dich denn losgelassen, Kleener?").

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