Review
von Leimbacher-Mario
Verlorene Jugend
Mein lieber Opa erzählt mir immer noch oft genug davon, dass er damals als Teenager der HJ in den letzten Tagen des Krieges nur nicht an die Front kam, weil er unbedingt dorthin wollte - die Nazischergen allerdings dann, als die Niederlage unausweichlich war, eher die Jungs dorthin schickten, die nicht ganz so motiviert und vaterlandstreu erschienen. „Die Brücke“, der wohl bedeutendste Film (nicht nur Kriegsfilm!) der deutschen Nachkriegszeit, von 1959, spielt genau zu dieser Zeit und schickt in den finalen Atemzügen des zweiten Weltkriegs eine Gruppe 15-17-jähriger Jungs, Kinder, an die Front - die mittlerweile an dem Dorf und der Lieblingsbrücke der Jugendlichen angekommen war...
„Die Brücke“ basiert auf einem ebenfalls meisterhaften Buch und somit ebenso auf wahren, wirklich traurigen Begebenheiten. Jungs, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten, mutig und vor lauter Propaganda blind, mehr oder weniger als bedeutungsloses Kanonenfutter. Unsere Zukunft/Vergangenheit, zerfetzt im Kugelhagel eines Fliegers, im Bombenhagel eines Panzers. Und wofür?! Aufgeben und weglaufen war nicht, wollte man auch lange Zeit gar nicht. Erst viel zu spät wird klar, wie falsch man lag, was wirklich wichtig im Leben ist. Oder in diesen brutalen Fällen, gewesen wäre. Bernhard Wickis Antikriegsfilm hat ohne Frage von oberflächlichen Videospielen über „Soldat James Ryan“ bis zu etlichen ebenfalls zweigeteilten Kriegsfilmen wie „Full Metal Jacket“ nahezu alles, was danach in dieser Richtung kam, massiv beeinflusst. Und wie hätte er das auch nicht tun können - „Die Brücke“ hat bis heute nichts von seiner Wirkung, Traurigkeit und Kraft verloren, kann es mit den ganz Großen a la „All Quiet On The Westernfront“ aufnehmen. Ein schwer zu ertragendes und brutal authentisches Mahnmal, das eigentlich Pflicht von Schulen bis zum heutigen Bundestag sein sollte. Wäre die erste Hälfte etwas weniger „heimatfilmisch“, lockerer und rauer, wäre er perfekt. Aber auch so ist er in seiner geraden Einfach- und Klarheit ein echter, erbarmungsloser Kracher, der lange, wahrscheinlich für immer, bei einem bleibt.
Fazit: nach „Das Boot“ und vor „Der Untergang“ wohl der beste, beeindruckendste, bedrückendste und nachhaltigste Kriegsfilm aus Deutschland. Absolut niederschmetternd, auch heute noch! Internationale Spitzenklasse und zeitlos ergreifend. Meisterwerkalarm. Ein packender Paukenschlag von Anti-Kriegsfilmklassiker!