Der ehemalige Filmstar Chin zieht in ein herunter gekommenes Hochhaus, das voll von gescheiterten, vom Leben gezeichneten Existenzen ist. Er will hier aber nicht sein weiteres Dasein fristen, sondern sucht schlicht den Freitod, außerhalb früherer gesellschaftlicher Bindungen. Schon hängt Chin am selbst geknüpften Strick, haucht seine letzten Atemzüge aus ... wird aber im letzten Moment von dem taoistischen Exorzisten Yau gerettet. Doch der Selbstmordversuch scheint einen Riss zwischen den Dimensionen erzeugt zu haben, Geisterwesen erscheinen, eine alte Frau versucht ihren gestorbenen Gatten mit Hilfe eines dämonischen Rituals ins Leben zurückzuholen, die Realitäten und Zeiten schieben sich ineinander, verschwimmen.
RIGOR MORTIS liefert alles andere als eine linear erzählte Geschichte, vielmehr kleine Tableaus, die immer nur Teile der Erlebnisse der in sie verstrickten Personen offenbaren. So ist der Zuschauer ständig herausgefordert, das Gesehene zu deuten. Der Film ist betörend schön fotografiert, die Interieurs sind sorgfältig komponiert, ohne dass sie prätentiös zu wirken und trotz oder gar wegen des ausufernden Einsatzes von CGI verschmilzt alles zu einer harmonischen Einheit.
Der Cast besteht fast ausschließlich aus älteren Akteuren, so bleiben uns enervierende Knallchargen dankenswerter Weise erspart. Die bisweilen sehr explizite Gewalt ist integraler/selbstverständlicher Bestandteil des Geschehens, ganz anders als in vielen modernen Horrorfilmen mit ihren aufgesetzten Blutexzessen, einzig dafür geschaffen, die Erwartungen einschlägiger Zuschauerkreise zu befriedigen (als Beispiele seien SEASONING HOUSE und YOU'RE NEXT genannt).
RIGOR MORTIS ist ein ungemein düsterer, visuell überwältigender und auch sehr trauriger Film, für ein Debut eine absolute Überraschung. Dem Regisseur Juno Mak sei gewünscht, dass er dieses Niveau auch bei seinen zukünftigen Projekten halten kann.
9/10