Review

Zweites Projekt der noch jungen Kudos Films Limited Schmiede von Willie Chan und Juno Mak nach der Action Science fiction Let's Go ! (2011), in der mit Mythen auch aus unterschiedlichen Herren Länder ebenso gespielt wurden wie mit einem Andersversum differenzierter Raum und Zeit. Den ähnlichen, wenn nicht gleichen Weg legt auch Rigor Mortis im Bereich eines Horrorthrillers und dem Grundgerüst zwischen Haunted House und den Jiang Shi - Filmen vor allem der Achtziger Jahre des damals blühenden Hong Kong Kinos ein. Von der Geschichte selber keine Offenbarung, wird in den Unter- und Zwischentönen und der persönlichen Inszenierung dessen eine sich vervielfältigend Ebene erreicht, die für Regiedebütant Mak, welcher (mit Unterstützung von Shimizu Takashi) neben der Produktion auch für Skript verantwortlich und das Drehbuch in Mitarbeit zuständig ist, der Schritt zum überraschenden Vollberechtigten mit bewusster Pflege des Visuellen, aber auch dem Spiel des Schwermütigen im Filmgeschäft ist. Allegorien, Effekte, Selbstbildnisse und Zerschlagungen, die in heftiger Empathie für das Mythologische und Symbolhafte zelebriert sind:

Der gescheiterte Schauspieler Chin Siu-ho [ Chin Siu-ho ] zieht nach der Trennung von Frau und Kind mit nur weniger Überbleibseln und noch weniger Geld in einen alten Wohnblock ein, um sich dort nach Ankunft erhängen zu wollen. Kurz vor Ende des Todeskampfes wird er von dem ehemaligen taoistischen Vampirjäger Yau [ Anthony Chan ] gerettet und vom Sicherheitsmann/Hausmeister Yin [ Lo Hoi-pang ] etwas in die wenigen weiteren Mitbewohner, und die Bedeutung des nunmehr zum längeren Aufenthalt bezogenen Apartments No. 2442 eingewiesen und indirekt mit der Pflege der traumatisierten Yeung Feng [ Kara Hui ] und ihres kleinen Sohnes Pak betreut. Währenddessen versucht die ältere Schneiderin Mui [ Pau Hei-ching ], mit Hilfe des schwarzen Magiers Gau [ Chung Faat ], ihren kürzlich verunglückten Ehemann Tung [ Richard Ng ] aus dem Reich der Toten zu konservieren.

Das Ende aller Schrecken andeutend und ein eventuelles Fortbestehen in Frage stellend, wird die Geschichte an einer einzigen, abgeschotteten und von besseren Zeiten und der Öffentlichkeit längst entfernter Stätte erzählt. Ein Ort, der als Wohnblock nur in die Höhe und die Breite wuchs, aber den Wohlstand und bald auch die Zivilisation und die Gesellschaft selber vergaß. Ein Wohnblock im Nichts, das nur dem Tief Gesunkenen und selbst dem bescheidene Behausung erweist, durchnässt und verschmutzt, in den Farben und Lacken abgeplatzt und bis auf die Grundmauern selber verschandelt ist.

Entstanden aus einer notgedrungenen Schreibpause für die Fortführung von Revenge: A Love Story (2010); ein allgemeines Grau, wie kurz vor Tagesan- oder kurz nach Tagesabbruch, dass die Farbwahl des Filmes selber annimmt und in der Düsternis wiedergibt, final noch durchgezogen von Funken sprühenden Ascheregen und vorher zuweilen durch Bäche von durchwateten Blut. Ob es in HK schneit und ob Weiß die schönste Farbe überhaupt sei, wird vorher einmal von dem schlohweißen Kind gefragt und den Erwachsenen, hier erst und einzig und das letzte Mal so etwas wie eine Familie im Bild, mit einem 'Ja' beantwortet. Schneien tut es nicht, Weiß wird es auch nie mehr, nur die Hölle tut sich auf und macht vor Nichts und Niemand halt und holt sich selbst die längst Alles Verloren Glaubenden und die noch Unschuldigen aus dem letzten Atem Leben in das Pechschwarze zurück. Eine Entscheidungsschlacht in privater Haltung, die keine Sinnfrage mehr zulässt.

Aufschlussreicher als die Momente des Schreckens aus dem Bereich des Übernatürlichen und die noch eindringlicher forcierten vor den Gräueltaten der menschlichen Umwelt sind die Referenzen zur jüngeren Filmgeschichte und das alles durchziehende Milieu von Elegie und Einsamkeit und einer asketischen Lebensführung am unteren Ende der Existenz. Besetzt in den Haupt- und Nebenrollen mit gängigen Mistreitern der ab der Mitte der Achtziger bis vielleicht Anfang der Neunziger auch im Ausland recht populären 'hopping vampire' Werke – von den der hier sich selber porträtierende Chin Siu-ho mit das Aushängeschild und von dem mit als Startschuss geltenden Mr. Vampire (1985) über den Trittbrettfahrern Love Me Vampire (1986), New Mr. Vampire (1986), Vampire Vs Vampire (1989) und The Ultimate Vampire (1991) als kleine Auswahl beteiligt war – , wird eine Stichwortliste der gängigen Zutaten, in Ausübung einer Vorbildung, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen und wie als Antidot erstellt. Das Gegengift zu dem jetzigen Zustand, in der sich die Verwesung und die Fäulnis breitgemacht hat und die gesamte Peripherie leckt, bröckelt und zerspringt; nur zu spät injiziert und die vorherige Buntheit im cineastischen Vergnügungszirkel nur noch im verblassenden Gedächtnis erweckend. Als Gezeitenwechsel und Zwiegespräch. "I left the village when I was thirteen. I became a leading actor at sixteen. I was once very successful. But if you ask me again, I did it all just to get by. I never imagined I would end up in this shit hole...at this point in my life."

"I once said, if I lose my memory one day, Someone will have to teach me how to smile again. To smile is tiring. I'm very tired." als Ausdruck des Bewusstsein des Verhängnisses. Getreu dessen werden hier auch die letzten Male an bessere Zeiten, die auf dem Arm gezeichnete Kinderuhr irgendwann unter der Dusche doch abgewaschen und die Filmkostüme, die man noch penibel aufbewahrt hat, doch nicht mehr repariert, sondern dem Verfall verwiesen. Bleiben tut eine ernste Würde, eine bedrohlich ruhende Erregung, und herüberschallende Isolierung, die Narbe am Hals vom verhinderten Selbstmordversuch, sterbende Pflanzen, der Kampf um den letzten Augenblick von Zweisamkeit, der scheinbar jedes Opfer Wert ist, oder der Kampf um nur Irgendetwas, und sei es gegen den Horror schlechthin, der diesen Irrgarten aus Hoffnungslosigkeit und Trübsinn und Leichenstarre (in leicht durchsichtig wirkenden Effekten) noch zusätzlich anheim fällt.

Details
Ähnliche Filme