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„Sie wissen, dass Vampire Angst vor Klebereis haben?“ (Nein.)

Der aus Hong Kong stammende Musiker und Schauspieler Juno Mak debütierte im Jahre 2013 als Regisseur des Horrorfilms „Rigor Mortis – Leichenstarre“, der sich offenbar auf Filme wie die „Mr. Vampire“-Reihe aus den 1980ern mit ihren hüpfenden Vampiren bezieht und als Hauptdarsteller mit Siu-Ho Chin aufwartet, einem Veteran zahlreicher ostasiatischer Vampirfilme.

„Lächeln ist ermüdend. Ich bin sehr müde – und ich will nicht mehr!“

Schauspieler Chin (Siu-Ho Cin) ist des Lebens überdrüssig: Sein Sohn ist tot und seine Karriere vorbei. Er mietet sich in einem maroden Wohnblock ein und versucht, sich dort zu erhängen. Damit beschwört er jedoch zwei Geister herauf, die von seinem Körper Besitz zu ergreifen versuchen, was Nachbar Yau (Anthony Chan, „Why, Why, Tell Me Why?“) im letzten Moment verhindern kann. Chin erfährt von Yau, dass dieser einer Vampirjäger-Familie entstammt, nun jedoch eine Gaststätte betreibt, die bei den verschrobenen Bewohnern des Hauses vor allem für ihren Klebereis beliebt ist, der sich prima dazu eignet, Vampire auf Distanz zu halten. Eines Tages kommt der Mann der im Haus lebenden Tante Mui (Paw Hee-Ching, „Mr. Cinema“), Tung (Richard Ng, „My Wife is 18“), durch einen Treppensturz ums Leben. Ihre Trauer nutzt der sinistre Magie-Meister Gar aus, der ihr verspricht, Tung innerhalb einer Woche ins Leben zurückkehren zu lassen, jedoch die Geister aus Chins Wohnung instrumentalisiert und Tung mit deren Hilfe in einen Vampir mutieren lässt. Chin freundet sich derweil mit der alleinerziehenden Mutter Yeung Feng (Kara Hui, „Blood Stained Shoes“) und ihrem Sohn Pak an, die im Haus in der Vergangenheit schreckliche Dinge erlebt haben und seither traumatisiert sind. Als Mui Gars Wunsch nachkommt, ihrem verschiedenen Gatten ein Kind zu opfern, erwacht Tung als Vampir, den Yau, Chin und Feng mit vereinten Kräften zu bekämpfen versuchen…

„Immer noch nicht kannst du die Finger von diesem Schwarze-Magie-Scheiß lassen!“ (‘tschuldigung, ich liebe das Horror-Genre nun mal...)

Da habe ich als Freund britischer Horrorfilme mit der „Dracula“-Reihe rechtzeitig zum Euro-Asia-Vampir-Crossover „Die sieben goldenen Vampire“ aufgehört – und sitze nun da und soll einen Film wie „Rigor Mortis – Leichenstarre“ verstehen, was sich ohne Vorwissen um „hüpfende Vampire“ etc. gar nicht mal so einfach gestaltet. Vergleiche mit der „Mr. Vampire“-Reihe o.ä. kann ich also nicht anstellen, habe aber in Erfahrung bringen können, dass sich dieser Film zwar auf sie bezieht, jedoch auf ihre komödiantischen Anteile gänzlich verzichtet. So fällt Maks Film auch fast konsequent düster aus, den er mit einem Zeitlupenintro im Graufilter und einem Sprecher aus dem Off eröffnet. Eine erste Rückblende zeigt eine Frau und ein Kind, bevor Chin sich zu erhängen versucht und damit dem Regisseur Anlass für eine wilde Bildabfolge bietet. Nun kommen die Geister und anschließend Koch und Vampirjäger Yau ins Spiel, der Chin gegen sie verteidigt und ihn losschneidet.

„Hoffentlich lockt das Leichenöl den Vampir auch an!“

Geister sind es auch, die Tungs brutalen und tödlich verlaufenden Treppensturz verursachen, auf den hin sich die weitere Handlung nur langsam entwickelt. Vielmehr verwirrt sie mit ihrer Vielzahl an Charakteren, von denen man teilweise zunächst nicht einmal weiß, ob es sich um Menschen oder Geister handelt, integriert sie Rückblenden, die zeigen, wie eine junge Frau ihren Privatlehrer in Notwehr blutig absticht und greift sie auf beliebte Fernost-Geistererscheinungen wie die kriechenden, langhaarigen, sich unnatürlich bewegenden Wesen ebenso zurück wie auf blutige Kämpfe; außerdem wird ständig übers Essen geredet. Geheimnisvoll und etwas verworren erscheint der Film lange Zeit und sein Fokus bleibt unklar: Ist er auf Chin gerichtet oder doch auf Feng und ihren Sohn? Geht es vornehmlich um den vor sich hinmodernden Onkel Tung, der drapiert und mit reichlich Zeug behangen wird oder werden letztlich die Geister eine übergeordnete Rolle spielen? Soll Yau im Mittelpunkt stehen und ein Comeback als Vampirjäger feiern? Und was haben die Rückblenden mit all dem zu tun?

Während man versucht, den roten Faden zu finden, arbeiten Mak und sein Team mit kunstvollen Spezialeffekten und CGI, überraschen innerhalb der düsteren Stimmung immer wieder mit bösen Gewaltspitzen (Mui erschlägt brutal den neugierigen Hauswart und verfüttert das weißhaarige Kind an den Vampir-Onkel) und forcieren weiter das morbide Ambiente durch Bilder blutverschmierter Wohnungen. Erst nach und nach entspinnt „Rigor Mortis – Leichenstarre“ seine Geheimnisse wie das der Zwillingsgeister, die nach dem Privatlehrermassaker beide gestorben sind und läutet schließlich ein actionreiches letztes Drittel ein, das stark den Fantasy-Bereich tangiert, wenn beim Kampf gegen den Vampir ein Anti-Vampir-Roulette ins Spiel kommt, das Materie in unterschiedliche Elemente verwandelt (und einen Unterarm kostet). Viele Zeitlupen werden bemüht und die Poesie, die sich hier ab und zu Raum verschafft, kratzt wiederum etwas am Kitsch.

Insgesamt ist „Rigor Mortis – Leichenstarre“ eine abgefahrene Mischung aus unterschiedlichen Phantastik-Motiven, die über weite Strecken eine bedrückende Stimmung erzeugt, aber auch überladen wirkt und mehrmals den Blick fürs Wesentliche zu verlieren scheint. Einige Ideen muten zudem eher albern an und der CGI sind es letztlich dann auch etwas viel, denn sie lassen den Film recht künstlich wirken. Trotz des fantasylastigen Finales aber bleibt man von einem flachen Happy End verschont, so dass man als weltoffener Genrefreund auch ohne Bezug zu dieser speziellen Gattung Fernost-Horrors prinzipiell ordentlich unterhalten wird, wenngleich hier irgendwie weniger mehr gewesen wäre. 7 von 10 Portionen Klebereis ordere ich da gern in Yaus Chinese Takeaway.

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