„Die Buddenbrooks“ ist in dieser Verfilmung von 1959 eine relativ schwerfällige und mäßige interessante Adaption.
Das ehrenwerte Handelshaus Buddenbrook stellt die mächtigste und angesehenste Familie in Lübeck in der Mitte des 19ten Jahrhunderts dar. Vater (Werner Hinz) hat die Geschäfte im Griff und der älteste Sohn Thomas (Hansjörg Felmy) erweist sich als gelehriger Nachfolger. Die Tochter Antonia (Liselotte Pulver), genannt Tony, ist wohlerzogen; nur der jüngere Sohn Christian (Hanns Lothar) ist etwas zu wild und schadet dem Ansehen ab und zu. Damit stellt der Film schnell eine recht handelsübliche Auswahl an verschiedenen Charaktertypen vor.
Doch man schickt Christian nach Afrika, damit er dort tätig ist, Wissenswertes lernt und gleichzeitig keine Möglichkeit hat, seine Familie groß zu blamieren. Tony wird derweil von dem Geschäftsmann Bendix Grünlich (Robert Graf) umworben, den sie aber nicht heiraten will. Sie macht Urlaub in Travemünde, wo sie sich in den Studenten Morten (Horst Janson) verliebt. Hier driftet der Film schon teilweise in Kitschige ab, was eines seiner Hauptprobleme ist.
Doch Tony entschließt sich, für ihre Familie das Richtige zu tun und heiratet den ungeliebten Mann. Aber bald muss das Haus Buddenbrook diverse schwere Schicksalsschläge einstecken: Grünlich ist in Wirklichkeit pleite und Vater Buddenbrook stirbt. Thomas übernimmt die Geschäfte, doch die Krisen wollen kein Ende nehmen...
Ich muss gleich zu Beginn anmerken, dass ich von der Vorlage Thomas Manns nur kleine Ausschnitte kenne und den Film nur teilweise damit vergleichen kann. Allerdings dürfte man die gelungenen Aspekte des Films wohl vor allem auf der Vorlage begründen können: Stellenweise behandelt „Die Buddenbrooks“ recht interessante Thematiken, z.B. inwieweit Familienehre und Ansehen über dem persönlichen Glück und den eigenen Vorlieben stehen.
Ansonsten ist die Geschichte nicht uninteressant gemacht, auch wenn sie stellenweise mit ein paar Längen zu kämpfen hat. Auf der anderen Seite gibt es auch diverse Zeitsprünge und Raffungen, die der Film nur stellenweise gut kenntlich macht. Immerhin bemüht sich der Film durch die Dialoge der Figuren den Zuschauer immer über das in der Zwischenzeit passierte Geschehen zu informieren. Die Spannung erreicht ein bestenfalls durchschnittliches Niveau, wobei viele Zuschauer auch die Vorlage kennen dürften und daher eh mit den Wendungen bereits vertraut sind.
Was den Film dann aber schließlich auf ein unterdurchschnittliches Niveau senkt ist das Fehlen einer klaren einheitlichen Linie. Mal gibt sich der Film locker-beschwingt (vor allem bei den Szenen Christians), ab und zu wirklich dramatisch und oft auch ziemlich kitschig. Vor allem bei dem Abstieg der Buddenbrooks wird oft zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt, so dass man eher verärgert reagiert und kaum Mitgefühl mit den Charakteren zeigt. Ebenfalls recht seltsam: Einige Figuren ändern andauernd ihre Stimmungslage (Tony wechselt oft zwischen bedrückt und fröhlich von einem Satz auf den anderen).
Die Schauspieler sind allesamt noch nicht so professionell, was man sicherlich der Entstehungszeit des Films zuschreiben muss. Damit liegen die meisten Leistungen noch im soliden Bereich, aber einige sind auch für damalige Verhältnisse eher schwach wie z.B. Liselotte Pulver.
So bleibt eine unterdurchschnittliche Verfilmung von „Die Buddenbrooks“, die nur ab und zu wirklich fesselt, auch wenn es bei der ernormen Filmlänge schlimmer hätte kommen können.