Dieser Film ist ein wirkliches Juwel unter den Hammer-Filmen, der aber eigentlich kein Horror- sondern ein Kriminalfilm ist. Vermutlich wird er deshalb hier unterschätzt.
In Georges Pichards 60er-Comic "Paulette" gibt es eine Episode in der Paulette in den Zirkus der Frauen kommt, wo hübsche Artistinnen in der Arena grausig-sadistische Tode finden. Ich war wirklich erfreut als ich auf diesen Film als offenbare Inspiration gestoßen bin, erwartete mir von einem Zirkusfilm aus dem Jahr 1960 nicht sehr viel. Aber "Der Rote Schatten" ist wirklich großes Zirkuskino, mit Aufnahmen wie man sie technisch erst für die 70er erwartet ("Lola Montez"), vor allem die Luftakrobatik in bestechenden Farben. Die Mädchen sind nach den Schönheitsoperationen alle wunderbar. Anton Diffring ist brilliant wie immer, diese Rolle ist ihm aber - wie es so schön heißt - besonders auf den Leib geschrieben (er wirkte in Cineastenklassikern wie "Fahrenheit 451", "Agenten sterben einsam" oder Ken Russels "Valentino" mit, aber auch in Trashklassikern wie Jess Francos "Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne" und "Hexen - geschändet und zu Tode gequält", aber ich kann mich nicht erinnern ihn irgendwo besser gesehen zu haben als in diesem Film). Die größte Schwachstelle ist die sehr schlechte Bärendarstellung, so ein Tier konnte man damals offenbar noch nicht überzeugend nachahmen und hätte es besser sein lassen sollen. Der Schnitt folgt natürlich den eher langsamen Standards der Zeit und die Handlung ist entsprechend ausholend; die Eingangssequenz des Dr. Rossiter als Rückblenden im Verlauf der Recherchen des Dr. Desmond und von Scotland Yard zu bringen, wäre sicher auch effektvoller.
Charmant ist aber die Kombination der grundsätzlich sehr sehr britisch erzählten Story und der Hauptdarsteller mit den französischen Elementen (zwei sehr französische Mädchen: Nicole, die Tochter des umgekommenen ursprünglichen Zirkusbesitzers und die ehemalige Prostituierte Elissa, beide hervorragend verkörpert). Die deutsche Schiene ist eher lächerlich: "von Gruber" (tolle Kombination) und ein Monokelträger wie er in der Zeit, in der der Film spielt (offenbar einige Jahre vor 1960, aus der Kindheit Nicoles während des Kriegs zu schließen), kaum mehr in Deutschland aufzutreiben war (aber Erich von Stroheim spukte eben noch im Kino herum).
Wer sich ein Dracula- oder Frankenstein-Spektakel im Zirkuszelt erwartet, sollte die Hände von diesem Film lassen, aber wer sich auf die Spannung und den Schrecken akrobatischer Nummern, dargebracht von hübschen Mädchen, einlassen kann, dürfte eigentlich nicht enttäuscht werden.