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Im Verlauf der Filmgeschichte gab es immer wieder wahnsinnige Ärzte und Wissenschaftler, angefangen von Dr. Frankenstein bis hin zu Dr. Hannibal Lector, über Dr. Caligari bis zu einigen Wahnsinnigen, die James Bond das Leben schwer machten. Apropos James Bond, der deutschstämmige Hauptdarsteller Anton Diffring weist in seinen noch jungen Jahren eine ungeheure Ähnlichkeit mit Daniel Craig auf.

England in der Nachkriegszeit: Der Chirurg Rossiter (Diffring) experimentiert mit einer neuartigen Form der Gesichtschirurgie, doch diverse Experimente gehen schief und er muss mit seinen Freunden Angela und Martin nach Frankreich fliehen. Hier trifft er auf das entstellte Mädchen Nicole und ihren Vater (Donald Pleasance), dem ein verarmter Zirkus gehört. Rossiter, der sich jetzt Dr. Schüler nennt, operiert das Kind erfolgreich und übernimmt fortan den Zirkus. Zehn Jahre später hat er den Laden erfolgreich etabliert, mit Kleinkriminellen und operierten Frauen. Doch ein Polizeijournalist ist den dubiosen Unfällen, die während der Vorstellungen eintreten auf der Spur…

Regisseur Sidney Hayers zeichnet sich primär für die Regie bei zahlreichen populären Fernsehserien aus, „Der Rote Schatten“ offenbart hingegen noch einige dramaturgische Schwächen, welche auf merkwürdigen Schwerpunkten der Erzählung beruhen.
Anstatt den größenwahnsinnigen Arzt und seine Pläne in den Fokus zu rücken, werden Zirkusnummern viel zu lange eingebunden. Dressurreiten, Feuerschlucken, einige Clowns und Trapezkünstler nehmen oft Minuten in Beschlag, ohne dass die Story vorangetrieben würde.

Dabei läuft die Chose stets ähnlich gelagert ab: Eine Frau will aussteigen und in der nächsten Vorstellung geschieht ein tragischer Unfall. Immerhin ist ein Messer im offenen Hals für das Jahr 1960 schon recht harter Tobak und auch die leicht bekleideten Damen dürften seinerzeit einige Sittenwächter auf den Plan gerufen haben. Auch das teilweise unbarmherzige Verhalten des menschlichen Monsters bindet einige seelische Härten ein, die in ihrer Direktheit fast schon überraschen, gleichermaßen jedoch angenehm progressiv, nahezu provokant rüberkommen.

Allerdings sind einige technische Mankos unübersehbar, da der Bär ein Statist in Fellkostüm und billiger Latexmaske ist, bei der Löwennummer definitiv nicht die Darstellerin auf der Bühne steht und die Artisten bei genauerem Hinsehen völlig andere Gesichter als die der Protagonisten haben. Auch das Kind Nicole macht eine erstaunliche Wandlung durch, denn nach zehn Jahren hat die junge Dame blaue Augen, welche zuvor braun waren.

Davon abgesehen ist das Zusammenspiel der Figuren durchaus spannend zu verfolgen und auch wie sich die Schlinge immer enger zieht, wird zuweilen von Suspense begleitet.
Darstellerisch befindet sich die Riege auf einem ordentlichen Niveau und auch der Score untermalt das zuweilen makabere Treiben bis hin zum halbwegs actionreichen Showdown adäquat.

Am Ende hätte man sich ein schlaueres Drehbuch gewünscht, welches im Endeffekt mit etwas mehr Pep und Kreativität ausgestattet gewesen wäre, denn die handwerkliche Umsetzung ist bis auf Weiteres ansprechend ausgefallen. Ein wahnsinniger Chirurg, ein paar recht ansehnliche Damen und ausgezeichnete Make-up-Effekte, jedoch auch ein paar lahme Zirkusnummern bleiben zumindest für einige Zeit in Erinnerung. Eingefleischte Gruselfreunde werden allerdings mehr schlecht als recht bedient.
5,5 von 10

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