Kurz gesagt handelt es sich um einen stilistisch einwandfreien, durchgehend spannenden und herausragend gespielten Gothic-Thriller, der seiner altmodischen Erzählweise so manch progressive Elemente hinzufügt.
Ich ging recht arglos an diesen Film, erwartete wehende Vorhänge, versaubte Gänge und Spinnwegen - dass ich das Vorbild zu einem meiner Lieblingsstreifen "Sado" ansah, traf mich fast wie ein Schlag - wie vergesslich man doch ist...
Aber rein ins Vergnügen: auch wenn ich eigentlich nicht soviel von Familientragödien halte, so konnte ich bei Nero und Blanc doch keine Sekunde wegsehen. Wahrhaftig, da schwebt von der ersten Minute an Hass und Missgunst im alten Familieneigentum. Und wenn Nero (oder wessen Hände das in Wirklichkeit waren) mit blossen Händen eine auszustopfende Flugratte ausnimmt, droht das Unheil doch immens über dem eingebildeten Idyll. Rasend schnell gleitet der Wahnwitz in die Gemüter der Beteiligten und man muss sich fragen, wem man weniger gerne in einer dunklen Nacht begegnen würde.
Morbide bis zum weisswerden ist der Film allemal, auch wenn er, im Gegensatz zu D'Amatos Remake auf drastische Effekte verzichtet, doch dass diesem ehrenwerten Haus auch nach der schlampigsten Polizeiuntersuchung keine blühende Zukunft rost, äh, rosige Zukunft blüht, ist so klar wie die blauen Augen Neros in schwarzweiss!
Am Schluss gewinnt Dr. Wahnwitz das Ruder und ein schön gefilmtes Finale winkt, doch der Stil der Inszenierung bleibt geradezu stoisch ruhig und schnörkellos, wohl wissend, dass Nero höchstpersönlich der größte Schnörkel (das war ein Kompliment) ist.
Fazit: Für old-skool und Italo-Fans ein wahres Fest.