Der Kriegsminister erhielt heute die folgende Botschaft von Lord Chelmsford, Oberbefehlshaber der Truppen Ihrer Majestät in Natal, Südafrika.
"Ich bedaure, ein schlimmes Gefecht zu melden, das am Morgen des 22. Januar stattfand zwischen der Armee des Zulukönigs Cetewayo und unserer dritten Kolonne, bestehend aus fünf Kompanien des 1. Bataillons, 24. Infanterieregiment, und einer Kompanie des zweiten Bataillons, insgesamt fast 1.500 Männer, Offiziere, und andere Ränge. Die Zulus, in der Überzahl, griffen mit grosser Disziplin an, an den Hängen des Berges ISANDHLWANA, und trotz tapferen Widerstandes..."
Isandhlwana ist ein Schock für das Empire. Unangekündigt. Unerwartet. Ein Schlachtfeld. Zerrissene Planwagen, schwarzer Rauch, verkohlte Stücke Papier, Uniform, Leder. Offene Feuer. Dazwischen überall Leichen, im Gras, noch hängend über Kanonen.
Zulus kommen ins Bild und der gleichnamige Filmtitel drängt sich dem Zuschauer in flammender Schrift entgegen.
Zulu ist "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann", als bildgewaltiges Panoramaspektakel. Als effektvolle Verfilmung der Ereignisse nach der Schlacht bei Isandhlwana; dem ersten Gefecht im Anglo-Zulu Krieg. Die Letzte Offensive [ 1979 ] von Douglas Hickox widmet sich nach einem Drehbuch von Cyril Raker Endfield diesem Geschehen; Endfield selber wandte sich 1964 dem weiteren Feldzug zu. Der hier behandelte Kampf am kleinen Grenzstützpunkt Rorke's Drift fand am gleichen Tag im Jahr 1879 statt. Diesmal mussten sich in einer schwedischen Mission 139 Briten, Walisen, Iren und Buren gegen ca. 4.000 Zulu stellen und den Überlebenstrieb mobilisieren.
Alamo für das United Kingdom ? Ein Heldenepos ? Zulu ist ein Abenteuerfilm, der ein Westernszenario ausnutzt, um eine Kriegssituation darzustellen. Derartig auf mehreren Genres beruhend kann er zumindest vergewissert sein, dass der Ausgangspunkt sein Konzept an den verschiedenen Herkünften so sicher angepasst hat, dass formell kaum etwas schiefgehen kann. Die Belagerung an der Untiefe des Buffalo River - einem Aussenposten der Zivilisation - verbindet sich mit der Begegnung mit der Natur, der Begegnung mit dem Fremden und dem Präsentieren von Tapferkeit, Durchhaltewillen und Prinzipientreue.
Mit dem Einstieg ist die Bedrängnis, der Notstand, die Todesgefahr vorhanden, was der Film dahingehend ausnutzen kann, sich 65min Zeit allein für die Vorbereitung seines Abrisses zu lassen.
Der verheerende Beginn des Massakers an der weiterentwickelten Grossmacht der Engländer erweckt beim Zuschauer schnell ein mulmiges Gefühl, welches durch den anschliessenden Stammestanz der Einwohner eher noch verstärkt als konterkariert wird. Das Aufeinandertreffen verschiedener Zeitalter mit verschiedenen Gesellschaftsauffassungen und gegensätzlichen Ideen von Herrschaft sorgt für eine allseitig beherrschte Atmosphäre von Grauen und diffusen Angsten. Die erste Szene steht als mögliches, ja als wahrscheinliches Omen auch für die letzte Szene dar und spannt so den Handlungsrahmen.
Die erste Hälfte ist dann auch die Gelungenere. Ganz klassisch von Richard Burton eingesprochen. Eine Phantasie, die vorwegnimmt, was noch nicht gezeigt ist. Der Bezug auf vorbereitende dramatische Sprache und szenische Struktur ist beim unbekannten Sichten weitaus interessanter und gibt auch etwas mehr an Gedanken und schattenhafter Charakterisierung her. Die verbrieften Personen um Lt. John Chard [ Produzent Stanley Baker ], Lt. Gonville Bromhead [ Michael Caine in seinem Hauptrollendebüt ], Surgeon Maj. James Henry Reynolds [ Patrick Magee ], Colour Sgt. Frank Bourne [ Nigel Green ], Pte. Henry Hook [ James Booth ] werden rasch eingeführt; jeder mit speziellen Eigenheiten, die sie zu einer Konstellation stereotyper, aber ansehnlicher Soldaten ausweist.
Der Film nutzt neben den Namen historischer Figuren und entsprechenden Daten und Zahlen keine weiteren Einflüsse der Geschichte und bleibt auch sonst mehr an übertragen aufgebauschten Erzählungen dran statt sich Augenzeugenberichten zu bedienen. Authentische Vorgänge in freier Bearbeitung. Es geht nicht um die Ursachen, die Annektion die Jahre davor, das Ultimatum einer bedingungslosen Unterwerfung, die Forderung nach Steuern, die Invasion, die gesamte Kolonialpolitik und eine Kritik daran, sondern man bleibt strikt an der Oberfläche des Rechts des Stärkeren und ist auch nur dort glaubhaft. Ein "Wozu" wird nur von ganz Wenigen überhaupt gefragt und dann auch nur damit beantwortet, dass sie halt da sind. Der Befehl für sie lautet so. Ein Fleckchen Erde zu halten, dass nur aus Hospital, Kirche, Rinderkorrall, Ställe und einer Behelfsbrücke besteht und in der sagenhaften Landschaft einer malerischen Bergregion als unscheinbar klein verschwindet.
Die königliche Dienstvorschrift wird unter allen Umständen gewahrt. Der Uniformknopf muss auch im Gefecht geschlossen sein. Die Vorräte werden vernichtet, um selbst im Fall einer Niederlage nichts dem Feind zu überlassen. Stellung wird gehalten. Sie wissen nicht warum, aber sie tun es so gut wie möglich.
"Blick zur Front. Befehle ausführen. Feind genau anvisieren. Blick zur Front" lautet die Marschroute, an der sich bis auf einige Drückeberger auch Jeder hält. Der Generalsstab verträgt nur eine Niederlage pro Tag, sagt Chard.
Macht sich nicht gut in der Zeitung und verärgert die Zivilisten am Frühstückstisch, ergänzt Bromhead. Der Humor wird in brenzliger Lage noch britischer.
Auf eine gottgewollte Ordnung kann man nicht bauen. Auf Alternativen wird hingewiesen, auch kurzfristig aufkeimende Hoffnung mit Enttäuschung und noch mehr Entmutigung gewechselt. Ganze elf Auszeichnungen für überragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes wurden später verliehen. Der Mann Gottes - ein schwedischer Missionar, der mit seiner jungfräulichen Tochter für Frieden predigen wollte - kriegt keine. Er wird weggeschickt, nachdem er Unruhe und Aufruhr unter die Standhaften verteilt hat, deswegen ins Gefängnis gesperrt werden musste und sich dann schwächlich in den Alkohol flüchtete. Und die Angreifer bekommen natürlich auch keine; man sieht sie ja im Expansionsfieber auch nur als anonyme, ständig attackierende Masse.
Regisseur Endfield zeigt sie erst gar nicht, sondern lässt nur die Geräusche als effektive Vorboten des Schreckens arbeiten. Dann hören Töne und Musik auf und weichen dem Eindruck des Sehens: Als man sie das erste Mal in weiter Ferne erblickt, bedecken sie ganze Hügelketten. Breiten sich so weitläufig über den gesamten Bildhorizont aus, dass kaum das Super Technirama 70 Format ausreicht, um sie wie in einem Trompe-l’œil Gemälde einfangen zu können. Langsam, aber unaufhörlich dringen sie wie eine Mauer vor. Können es sich leisten, 60 Mann aus der riesigen Streitmacht als Zielscheibe mit Schild und Sperr direkt vor die Gewehre der Europäer zu stellen, um während dem Abschuss in Ruhe deren Feuerkraft abschätzen zu können.
Der Kampf selber ist ein rein technischer und in seiner tatsächlich zehnstündigen Dauer und entsprechender Auswalzung auch schon wieder leicht ermüdend; aber nicht gleich als Antiklimax zu werten. Die Geschicklichkeit im Umgang mit Angriff und Verteidigung vollzieht sich in einer durch ständig geänderte Strategien rastlosen Taktik, in der waffen- auf zahlenmässige Überlegenheit trifft. Die Zulus greifen nicht blindlings in Wellen, sondern in militärisch kommandierter Büffelkopfformation an: Frontal mit der kampfstärksten Gruppe, dahinter die Reserve. Links und rechts in einer Kreisbewegung die zweite und dritte Gruppe. Auf den umliegenden Erhebungen positionieren sie Schützen mit vorher erbeuteten Flinten , die als bittere Pille die sonst machtverliebten Eingeschlossenen auch mit Kugelhagel aus den eigenen Waffen eindecken. Fortan gibt es durchgehende Bewegungen auf beiden Seiten. In einer sehr übersichtlichen und trotzdem rasanten Dynamik wird der Befehlston knapper, löst sich die bisher statuarische Zeremonie der dreigliedrigen Aufstellung auf und geht schnell zu Nahkampf mit Bajonett gegen Assegai über. Fantasievoll varriiert, auch wenn nach und nach die Künstlichkeit der Gegenübersetzungen durchkommt.
Im kantigen, aber immerhin nicht pathetischen Monumentalismus testet man die Leistungsfähigkeit des Einzelnen in einer strikten Kollektivität bis zur totalen Erschöpfung aus. Die Soldaten fühlen sich nicht berauscht, sondern elend und schämen sich. Der Film vermeidet diese Bruchstellen, verzichtet auch auf flammende Reden, weiss aber um die sportlichen Momente im Actionrepertoire und offenbart sich als Grossfilm der Kino - Pracht. In dieser Dressur gewinnt das Weltreich auf ganzer Linie.