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Die Actionreihe „Stirb Langsam“ („Die Hard“) rund um den Cop John McClane (Bruce Willis) geht in die dritte Runde. Den Regieposten hat wieder aus dem Original John McTiernan übernommen. Joel Silver und Lawrence Gordon fungierten hier nicht mehr als Produzenten, sondern Andrew G. Vajna, der zusammen mir John McTiernan die Produktion übernahm. Das Budget von „Stirb langsam - Jetzt erst recht“ lag bei 90 Mio. $ und der Film hatte ein weltweites Einspielergebnis von 354 Mio. $. Das Drehbuch schrieb diesmal nicht wieder Steven E. de Souza, sondern Jonathan Hensleigh mit Zusammenarbeit von Roderick Thorp. Im Grunde genommen sind nur John McTiernan und Bruce Willis wieder mit von der Partie, sowie Michael Kamen der den Score komponierte, alle anderen wurden ersetzt. Das hat dem Film aber nicht im Geringsten geschadet, ganz im Gegenteil. Der dritte Teil gefällt mir nach dem Erstling am besten.

Mitten im Zentrum von New York kommt es zu einer gewaltigen Explosion, in der ein Kaufhaus und am Rande parkende Wagen in die Luft fliegen. Dadurch hat der Wahnsinnige Simon (Jeremy Irons) die volle Aufmerksamkeit der New Yorker Polizei und von Inspekteur Walter Cobb (Larry Bryggman). Damit im Laufe des Tages nicht noch weitere Einrichtungen explodieren wird Insp. Walter Cobb von Simon aufgefordert den suspendierten Lieutenant John McClane (Bruce Willis) wieder in den Dienst aufzunehmen. Also wird der totale verkaterte, kopfschmerzenplagende McClane aus dem letzten Loch hervorgeholt, um von nun an nach Simon´s Pfeife zu tanzen. Dieser hat nämlich eine persönliche Rechnung mit ihm zu begleichen. Von nun an muss McClane Simon´s Rätsel die er ihm aufträgt in Windeseile lösen, sonst explodiert irgendwo in der Stadt verteilt die nächste Bombe. Dabei begegnet er zufällig dem Schwarzen Zeus (Samuel L. Jackson), der ihm in einer misslichen Lage hilft. Von nun an müssen beide ungewollt durch die Stadt rennen und Simon´s Aufgaben, in den von ihm vorgegebenen Spielregeln, einhalten und lösen, ansonsten werden viele Unschuldige sterben und Teile von New York liegen bald in Trümmern ...

Schon alleine der Auftakt ist sehr gelungen. Im Vorspann ertönt „Three Dog Night´s Song Summer in the City“, während mit der Kamera über die Stadt New York´s geschwenkt wird. Kurz darauf wird´s explosiv und man bekommt gleich eine kurze Detonation eines Kaufhauses von der Straße präsentiert. Danach gehen einige Anrufe bei der New Yorker Polizei ein. Einer unter den Anrufern ist der Bombenleger Simon, der John McClane wieder in den Dienst zurückbefördert. Von nun an bekommt dieser Rätsel auf, die es wahrlich in sich haben. Doch McClane ist nicht gerade in bester gesundheitlicher Verfassung, hinzu kommt noch dass er sich von seiner Frau Holly hat scheiden lassen und wieder angefangen hat zu trinken.

Ohne Zweifel haben sich die Drehbuchautoren Jonathan Hensleigh und Roderick Thorp einiges einfallen lassen und der Film knöpft wieder etwas mehr an das Niveau vom Original an. Auch werden hier wieder Bezüge zum ersten gemacht, was auch schon in Teil zwei der Fall war. So in etwa der Mitte des Films erfährt man dann nun auch Simon´s Motiv, wodurch seine Wut und Aggression hervorgerufen werden. Davor gilt es aber erst einmal knifflige und anspruchsvolle Rätsel zu lösen, die alles von unseren beiden Hauptdarstellern abverlangen.
Dabei ist das Galonenrätsel auf jeden Fall schon Kult und obwohl ich immer wieder nach einiger Zeit die Lösung vergesse, regt es mich beim wiederholten Sehen des Streifens zum grübeln an.
Dabei spricht Simon oftmals am Telefon in Reimen (hehe, reimt sich jetzt auch grad zufällig) und gibt McClane und seinem farbigen Mitspieler Zeus genaue Anweisungen, bei dem der Zeitplan sowie die Spielregeln eingehalten und befolgt werden müssen. Dabei ist das Tempo verdammt hoch und die Zeit vergeht wie im Fluge. Dabei raufen sich unseren beiden Helden ungewollt zusammen und versuchen jede Situation so gut wie es nur möglich ist zu lösen. Dabei kriegen sie sich in die Haare und hauen sich die Sprüche nur so um die Ohren, dass es einfach amüsant ist das Geschehen weiter zu verfolgen.

Natürlich verfolgt Simon in Wirklichkeit andere Pläne, und all dies dient nur zur Ablenkung. Was mal wieder den Ideenreichtum seitens der Drehbuchautoren unter Beweis stellt. Wieder geht es um einen Wahnsinnscoup, der sogar den des Originals fast in den Schatten stellt.
Dabei dient das Ablenkungsmanöver nur dazu, die Polizei von ihren sonstigen Problemen, wie dem Aufspüren einer Schulbombe nachzukommen. Währenddessen sind McClane und Zeus mit Simon´s Rätseln beschäftigt und kommen ihm langsam auf die Schliche.

Zwischendurch gibt es professionell inszenierte Actionszenen, die auf einem sehr hohen Level angesiedelt sind. Von Shootouts, Kloppereien, halsbrecherischen Verfolgungsjagden, Explosionen bis hin zu Stunts wird das komplette Actionprogramm aufgefahren. Das Tempo ist verdammt hoch und Langeweile hat auch hier keine Chance. Eines der Highlights ist hier die Taxifahrt mitten am hellichten Tag durch den Park oder das Abseilen, bzw. der waghalsige Brückensprung auf den Frachter. Die Zugentgleisung in der U-Bahn ist auch mal wieder absolut fantastisch von John McTiernan und seiner Crew inszeniert worden. Auch die Wasserüberschwemmung im Kanal lässt Spannung aufkommen, auch wenn hier deutlich wird, dass es sich hier um visuelle Tricks handelt. Eine meiner Lieblingsszenen ist die Schießerei im Fahrstuhl, wo McClane hier mal wieder zeigt was er alles drauf hat und die Fieslinge mit seiner 9mm Beretta niedermäht.
Nur leider ist der Showdown etwas kurz geraten, aber im Grunde bin ich mit dem Gebotenen mehr als zufrieden. Schließlich bekommt man derartiges, woanders nur sehr selten geboten und wenn dann kann dies sowieso nicht mit „Stirb Langsam - Jetzt erst recht“ mithalten.
Wieder einmal hat Michael Kamen den Score komponiert und er hört sich gewohnt Klasse an. „Three Dog Night´s - Summer in the City” passt perfekt zum Geschehen und sorgt für mächtig gute Laune.
Die Stadt New York´s wurde toll eingefangen und man sieht viele Umgebungen und Ecken, die die Rasanz dieses Actionfilms nur noch bestätigen.

Bruce Willis läuft hier noch heruntergekommener herum als in seinen davorigen „Stirb Langsam“-Abenteuern. Wiedermal ist er total verdreckt, blutverschmiert und im Unterhemd unterwegs. Dabei hat er die Polizeimarke um den Hals hängen und schießt sich mit seiner Beretta den Weg frei. Immer angepisst und von der ganzen Situation und von Simon genervt. Dabei ist es schon ein Wunder wie viel Blut ein Mensch verlieren kann und dennoch aufrecht laufen kann. Aber Bruce Willis war in seinen „Stirb Langsam“-Filmen ja schon immer die Kampfsau schlechthin. Wieder mal eine tolle Leistung von ihm.
Samuel L. Jackson ist als Zeus ein toller Kontrast für Willis. Andauernd kritisiert er Weiße wo er nur kann und weiß ständig alles besser. Kaum zu glauben, dass Jackson gegen Willis bestehen kann und nicht nur das fünfte Rad am Wagen ist. Die Sprüche sind der Wahnsinn und beide ergänzen sich hervorragend miteinander.
Jeremy Irons liefert einen erstklassigen, intelligenten Fiesling ab. Mit Alan Rickman kann er zwar nicht ganz mithalten, aber William Sadler aus dem zweiten Teil schlägt er um Längen. Seine tollen Reime und Rätsel sind einfach der Burner schlechthin. Aber die „Stirb Langsam“-Filme konnten ja in jedem Teil einen hervorragenden Bösewicht vorweisen.
Alle anderen Schauspieler sind auch hier mal wieder Klasse und es gibt keinen der negativ auffällt.

Normalerweise werden bei Filmreihen die Fortsetzungen ja zunehmends immer schlechter als das Original. Bei „Stirb Langsam - Jetzt erst recht“ ist dies aber überhaupt nicht der Fall. Das Niveau der Vorgänger wird locker aufrecht erhalten und obwohl der Film mehr etwas von einer Actionkomödie, als von einem Actionthriller besitzt und damit eine etwas andere Richtung einschlägt, funktioniert er aber gerade deshalb so perfekt.
Jeder „Stirb Langsam“-Film funktioniert auf seine eigene Art und Weise und unterhält ausgezeichnet. Auch der dritte Teil weiß mit einer geballten Ladung Action, viel Humor, etwas Spannung und einer erstklassigen Story, sowie einem toll aufspielendem Duo zu überzeugen.

P.S.: Die Dreharbeiten zu Teil vier wurden kürzlich erst beendet und ich kann vor lauter Vorfreude ein neues John McClane-Abenteuer kaum noch abwarten.

Oder wie McClane es treffend formulieren würde:

„Yippiyayee Schweinebacke!“ (Orig. „Yippee-ki-yay, motherfucker!“)

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