Review
von Alex Kiensch
Ein Tag wie jeder andere in New York: Verstopfte Straßen, tausende von Fußgängern auf den Bürgersteigen, Lärm und Bewegung. Plötzlich explodiert eine Bombe. Und ein Anruf geht bei der Polizei ein - ein Unbekannter, der sich Simon nennt und gern in Reimen spricht, fordert, dass man ihm den abgehalfterten Ex-Cop John McClane (Bruce Willis in der Rolle, die seine Karriere bestimmte) ans Telefon holt. Kaum ist dieser da, wird er mit den perfiden Spielchen des Bombenlegers konfrontiert: Er soll irrsinnige Manöver durch die halbe Stadt absolvieren und dabei immer den Bedingungen des Anrufers gehorchen, wenn nicht weitere Bomben gezündet werden sollen. Doch während McClane durch die Stadt hetzt, verfolgt der Psychopath seinen ganz eigenen Plan.
Um eines gleich vorwegzunehmen: Der dritte Teil der berühmten "Stirb langsam"-Reihe ist definitiv der schwächste. Er erreicht weder den spektakulären Action-Gigantismus oder die absolute Hochspannung der ersten beiden Teile noch die technische Raffinesse, die später der vierte erreichen sollte. Das bedeutet allerdings nicht, dass er ein schlechter Film ist.
Zum einen ist schon die Story-Variation ein deutliches Plus: Nach McClanes Alleingang im Hochhaus und dann am Flughafen wäre ein weiterer Film nach demselben Muster wohl ein wenig überflüssig gewesen - es gibt ja schon genug Actionreißer, die das Konzept des legendären ersten Teils übernehmen. Doch "Stirb langsam - Jetzt erst recht" orientiert sich mit seiner pausenlosen Highspeed-Action eher an "Speed" als an der eigenen Film-Reihe, und diese Veränderung bekommt dem Film mehr als gut.
Außerdem wird diesmal mit Samuel L. Jackson ein zweiter Hauptheld mit ins Boot geholt, sodass Bruce Willis nicht mehr ganz allein gegen das Böse kämpfen muss - diese Kniffe geben dem dritten Teil der Reihe frisches Blut ein und lassen das Interesse an ihm ansteigen.
Im Großen und Ganzen ist "Stirb langsam - Jetzt erst recht" ein im besten Sinne typischer 90er-Jahre-Action-Kracher: Nicht immer realistisch, nicht immer klischeefrei, aber trotzdem unterhaltsam und verdammt cool. Zwar wirken einige der lässigen Sprüche etwas aufgesetzt und mehr als nur ein Gag geht daneben. Doch insgesamt besticht der Film durch seinen gelungenen Mix aus eben diesen Gags und Sprüchen, fulminanter Action und einer raffinierten Story. Auch wenn man zugeben muss, dass die Gewalttätigkeit der Reihe hier ihren etwas unnötigen Höhepunkt findet.
Übrigens: "Stirb langsam - Jetzt erst recht" ist auch ein schönes Beispiel für die seltsamen Spielchen, die mitunter die deutsche Synchronisation mit dem Zuschauer hierzulande treibt. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, Bruce Willis zwei Stunden lang mit der Stimme von Sylvester Stallone sprechen zu hören.