Review
von Alex Kiensch
"Citizen Kane" - für viele wohl der Film aller Filme. Ganze Generationen wurden geprägt von den genialen Bildkompositionen, die in ihrer Eleganz, Symbolhaftigkeit und reinen Fülle ihrer Zeit weit voraus waren.
Eingeklammert vom ein- und ausleitenden "Rosebud", dem wohl berühmtesten Wort der Filmgeschichte, erzählt Meisterregisseur Orson Welles das Leben eines gespaltenen Genies nach. Von kleinauf dazu bestimmt, Millionär zu werden, setzt sich Charles Foster Kane prinzipiell nur für die Dinge ein, die ihm Freude zu bereiten scheinen - an Geld oder Erfolg ist ihm nicht gelegen. So übernimmt er eine Zeitung, weil "es Spaß machen muss", eine Zeitung zu führen. Doch mit den Jahren wird aus diesem grundehrlichen, witzigen und intelligenten Mann ein Mogul, der sich in den Zwang begibt, immer Recht haben zu müssen und alles richtig zu machen. Also zwingt er allen Menschen seines Umfelds seine Meinung auf, was mit den Zeitungen und Radiostationen, die ihm gehören, sicher kein schweres Unterfangen darstellt.Wenn Zeitungsmogul Kane in diesem Zusammenhang sagt: "Die Leute werden glauben, was ich will!", dann hat der Film beinahe prophetischen Charakter, was die Meinungsbeeinflußung angeblich unabhängiger Medien anbelangt. Das komplexe und tiefgründige Charakterporträt eines Mannes, der alles hat und auf der Suche nach Vervollkommnung alles verliert, wird immer wieder eng mit den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen seiner Zeit verflochten, wodurch ein umfassendes Bild der Gesellschaft entsteht, in der Kane zu dem werden kann, was er ist.
Und nicht zuletzt zollt Welles in seinen strengen Kameraeinstellungen der Macht des Bildes Tribut. Das Geheimnis um "Rosebud" wird durch das Wort eines Mannes eingeleitet, doch es wird nur durch ein Bild, einen letzten Blick für den Zuschauer, gelöst. Das ist wahrhaft großes, das ist zeitloses Kino.