Review

Ein wenig verwundert es schon, dass hier auf ofdb ein PC-Spiel eingetragen ist. Denn, was der ein oder andere jüngere Leser eventuell nicht weiß, es gab da mal eine extrem kurzlebige Phase, da waren sogenannte „Interaktive
Filme“ der letzte Schrei.

Einen „Interaktiven Film“ muss man sich in etwa wie ein Adventure vorstellen (diejenigen von Euch die erst mit der Playstation2 an dieses Medium herangeführt wurden, sollen einfach an ein Wimmelbildspiel mit Sinn denken), bloß dass die Freiheiten auf ein absolutes Minimum reduziert wurden. Klar es gab auch andere Vertreter des Genres, etwa „Wing Commander III“ (Origin), die sich einer Flugsimulation bedienten um ihre Geschichte zu erzählen. Die meisten jedoch waren auf die einfache Formel zurückzurechnen:



Adventure - Rätsel + viele Zwischensequenzen = Interactive
Movie.

Während Spiele wie "Under a killing moon" (Access), "Phantasmagoria" oder "Urban Runner" (beide von der mittlerweile aufgekauften Firma Sierra Ent.) aber immerhin einige Rätsel boten, oder "Burn: Cycle" (Phillips Interactive Media)  wenigstens mit Arcade-Action aufwarten konnte, reduzierte man sich zu einer Zeit, als das Genre schon wieder am abklingen war,  einfach darauf, eine Videosequenz abzuspielen und danach minimale Entscheidungsmöglichkeiten zu bieten, anhand derer sich der Ablauf des Films änderte. Aufmerksame Leser haben im Übrigen schon jetzt gemerkt, dass keine der im Text genannten Firmen noch existiert – ein Schelm der Böses dabei denkt). Rob Landeros, des Entwicklerstudios Trilobyte, hatte Anfang der 90er einen veritablen Achtungserfolg mit der Rätselsammlung „The 7th Guest“ gelandet. Mit Aufkommen der ersten DVD´s ließ er nochmal alles was er an Kohle und Talent aufbieten konnte in ein besonderes Projekt fließen: „Tender Loving Care“. Dieses wurde zeitgleich als interaktiver und als normaler Film vermarktet. Beide wurden zu absoluten Flops. Und dass trotz der Beteiligung eines Stars wie John Hurt und eines famosen Klassiksoundtracks. Zu gering war der spielerische Wert – dafür hatte man aber die unterschiedlichsten Storyverläufe – und zu mies war der Handlungsstrang, der für die Videopremiere ausgesucht worden war.

Mit deutlich weniger Interaktion noch und einem ebenso deutlich niedrigeren Budget wagte sich Landeros nach dieser Pleite (im wahrsten Sinne des Wortes) an ein weiteres Projekt dieser Art: „POV – Point of View“.

Ähnlich wie bei „TLC“ werden einem bei POV je eine längere
Videosequenz vorgespielt, nach der man dann in einem Test Fragen zum gerade Gesehenen und zur eigenen Person beantworten muss. Fragen, zum Beispiel, wie man zu Erotik steht oder zu Gewalt. Je nach Antwort entwickelt sich die Handlung eher mehr oder weniger Zeigefreudig. Allerdings sollte man sich von Anfang an klar sein, dass weder im einen noch im anderen Bereich ausserordentliche Schauwerte geboten werden.

So interessant das Konzept eigentlich ist, so wenig bringt es, wenn die eigentliche Handlung so extrem uninteressant wie im vorliegenden Fall ist. Tatsächlich gibt es von Anfang bis Ende, trotz einer bemüht mysteriösen Inszenierung, keinerlei Überraschungen. Zwar hat jede Hauptperson das ein oder andere Geheimnis, doch mit einem Twist oder doppelten Boden braucht man nicht zu rechnen. Dass dazwischen immer wieder die dritte Wand durchbrochen wird und die Schauspieler ihre Einschätzungen zu den Ereignissen kund tun, macht das ganze noch durchschaubarer, ja trivialer.

Wir folgen der in sich gekehrten Hauptdarstellerin, die ihren Nachbarn stalkt, gleichzeitig aber furchtbare Panik vor allen Männern hat – wurde sie doch in der Vergangenheit Opfer einer Vergewaltigung. Als sich ihre beste Freundin dann auf eine Annonce in der Zeitung auf ein Blinddate einlässt und hernach spurlos verschwunden scheint spitzen sich die Ereignisse zu. Denn unsere Protagonisten hat sich vor dem Date verkleidet zum vereinbarten Treffpunkt der Beiden begeben und ist dem vermeintlichen Mörder natürlich aufgefallen.



So süß und verletzlich Stefanie von Pfetten ihre Rolle des undurchschaubaren Avatars auch spielen mag, eine Identifikation ist zu keinem Zeitpunkt möglich. Ihr Verhalten ist psychologisch schlichtweg zu unsinnig. Ihre Kollegen wiederum spielen absolute Abziehbildchen, einzig ein kurzzeitig möglicher Twist wusste mich bei der Stange zu halten. Statt diesen Nebencharakter auszubauen und zu einem wichtigen Faktor der Geschichte zu machen, wird dieser jedoch im letzten Viertel einfach fallen gelassen. 
Zudem weiß der, wahrscheinlich dem Budget geschuldete, billige Indiependetlook auch nicht gerade zu begeistern. Gerade die beiden dramatischeren Sequenzen, eine Verfolgungsjagd und der unspektakuläre Showdown fallen hier negativ auf.

Und dann wären da auch noch die Konzertsequenzen in einer Bar die furchtbar aufgeblasen wurden um den Film zu strecken und bei denen mir, nicht nur auf Grund des langweiligen Gedudels, das ein oder andere Mal die Augen zufielen.

Bis auf wenige Flash-Ausnahmen und ein Indiespiel im Neonoir-Setting, war dann „POV“ auch das letzte und vollkommen unbemerkt untergegangene Lebenszeichen des „Interaktiven Films“. Und wenn man sich das Ergebnis ansieht, vielleicht auch nicht völlig zu Unrecht.

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