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Ein Jahr nachdem er bei einem vermasselten Einsatz mit Todesfolge schwer verletzt wurde, kehrt Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) in den Dienst zurück, wo er zur Archivarbeit im neuen Dezernat Q verdonnert wird. Gemeinsam mit Kollegen Assad (Fares Fares) soll er alte, ungeklärte Fälle für die Ablage fertig machen. Dabei stößt er auf den vermeintlichen Selbstmord einer Politikerin (Sonja Richter)…

„Erbarmen“ (im Original „Kvinden i buret“, wörtlich „Die Frau im Käfig“) ist der 4. Roman des Dänen Jussi Adler-Olsen und sein internationaler Durchbruch als Krimiautor. 2012 erwirbt die Filmfirma NFP die Rechte an seinem Werk um für das ZDF insgesamt 10 Geschichten um den missmutigen Kommissar Mørck zu produzieren. Ob spätere Episoden, wie Teil 1, im Kino aufgeführt werden, bleibt abzuwarten.
„Meine Frau hat mich verlassen, mein Partner ist tot und mein bester Freund gelähmt“ und auf die Erwiderung, warum er das alles mache, sagt Mørck: „Weil ich nichts anderes kann!“. Nein, die Hauptperson ist wirklich kein Sympathieträger, Nikolay Lie Kaas („Adams Äpfel“ 2005, „Der Kandidat“ 2008) spielt den degradierten, trotzdem knallharten Bullen, der sich bis zum Ende kein Lächeln abringen kann, auch wenn sich Assad, umso angenehmer dargestellt von Fares Fares („Jalla Jalla“ 2000, „Kops“ 2003), alle Mühe gibt für gute Laune im tristen Keller des Reviers zu sorgen. Doch auch das Verbrechen, das eigentlich ad acta gelegt werden soll, sorgt nicht für Heiterkeit. Wie im Roman wird die Geschichte der unglückseligen Politikerassistentin, dargestellt von der schwedischen Theateraktrice Sonja Richter („In deinen Händen“ 2004), parallel erzählt. Tatsächlich hat sie sich nicht umgebracht, sondern wird von einem Psychopathen in einer Druckluftkammer festgehalten.
Die Verfilmung eines 400 Seiten Romans in 90 min. (ohne Abspann) bringt zweifellos Straffungen mit sich, die hier zu Lasten der Charakterisierung vor allem von Opfer und Täter gehen. Dabei ist die Geschichte auch nicht wirklich neu und das Fernsehformat schimmert immer wieder durch. Trotzdem solide, weil spannende und gewohnt düstere Krimikost aus Skandinavien. (7/10)

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