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Kein gutes Zeichen, wenn man das neue Jahr gleich mit einem Verriss beginnen muss. Andererseits gehört es fast zum guten Ton, schlecht über so ein derart kitschiges Machwerk wie "Ekstase" zu reden. Normalerweise gebe ich nicht unbedingt etwas darauf, was die breite Masse sagt, doch dieses Mal muss ich mich voll und ganz der Mehrheit anschließen!

Haken wir zunächst die "Story" ab, in diesem Fall ein hauchdünnes Etwas, bestehend aus eher zusammenhangslosen Szenen: die reiche Engländerin Mary reist mit ihrem Butler um die Welt, um den perfekten Mann zu finden. Dabei landet sie unter anderem bei einem jungen Ölscheich sowie einem spanischen Torero, den sie dann am Ende auch heiratet...

John Derek war Zeit seines Lebens ein guter Fotograph, ein mittelmäßiger Schauspieler und ein schlechter Regisseur. Kein Wunder also, dass "Ekstase" in so ziemlich allen Halls of Shame ganz oben zu finden ist, Goldene Himbeeren ohne Ende abgeräumt hat und auch heute noch als eines der peinlichsten Machwerke aller Zeiten gilt. Im Prinzip ist der Streifen nichts weiter, als eine 100-minütige Seifenoper, die nur darauf aus ist, Derek´s damalige Gespielin Bo Derek ins rechte Licht zu rücken. Diese sieht zugebener Maßen auch toll aus, hat einen nahezu perfekten Körper - und stellt in punkto schauspielerischer Ausdruckslosigkeit jeden Steven Seagal in den Schatten.

Noch heute habe ich das mega-geile Plakat vor Augen, das Bo Derek splitterfasernackt im Dampfbad zeigt, was wohl so machen unbescholtenen Kinogänger dazu veranlasst hat, ein Ticket zu lösen. Nur leider ist die Erotik eben nur eine Randerscheinung. In erster Linie handelt es sich bei "Ekstase" um eine reichlich geschwätzige Seifenoper mit allzu hohlen wie sinnfreien Dialogen. Zwar hat der Regisseur - der auch gleichzeitig als Kameramann fungierte - einige wirklich gelungene Bilder eingefangen. Allerdings ist der Film sterbenslangweiliger Kitsch in Reinkultur. Schön gewählt sind zweilelsohne die malerischen Locations, hingegen ist alles andere zum vergessen. Einmal reitet die hübsche Bo nackt auf einem Pferd, ein anderes Mal leckt ihr der Scheich Honig vom Bauch. Die Erotikszenen sind gar nicht mal schlecht gemacht, erinnern mit ihren Weichzeichungsfiltern in etwa an die Werke von David Hamilton ("Bilitis", "Zärtliche Cousinen"). Dem gegenüber steht ein Gros an unfreiwilliger Komik, was sich der dramaturgisch wie inszenierungstechnisch völlig talentfreie Regisseur auf die eigenen Fahnen schreiben muss.

Fazit: Wenn man auch schlechte Filme als Klassiker bezeichnen kann, dann ist "Ekstase" zweifelsohne einer. 2 von 10 Punkten.

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