Die Spartaner sind wieder unterwegs. Acht Jahre nachdem Gerald Butler und seine 299 Recken durch Zack Snyders Comic-Verfilmung latschten und alles niederstreckten, bis sie irgendwann selbst alle draufgingen, heißt es nun wieder: Auf in die Kinos, um muskelbepackten Männern dabei zuzusehen, wie sie sich durch Scharen von Gegnern metzeln. Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, natürlich alles nach dem Motto "höher, schneller, weiter". Doch abgesehen vom 3D-Effekt bleibt davon kaum etwas übrig.
Schon der Geschichte merkt man an, dass sie nicht auf einer Comic-Vorlage basiert wie der Vorgänger, sondern von 300-Schöpfer Frank Miller mal fix selbst für den Film geschrieben wurde. Hier nun kämpfen die Spartaner fleißig gegen das Landheer des persischen Gottkönigs Xerxes und ein Athener namens Themistokles verteidigt den Seeweg gegen die persische Flotte. Diese wird von der Befehlshaberin Artemisisa angeführt und irgendwann merken die beiden, dass sie doch mehr verbindet, als ihnen lieb ist. Man kommt sich näher, doch nach einem kurzen, heftigen Geschlechtsakt geht das Geschlachte weiter... Soweit in groben Zügen die Story, welche sich erneut an so manch historische Schlacht anlehnt, letztendlich diese aber nur als Aufhänger nutzt. Doch wo der Vorgänger wenigstens noch mit ein wenig Tiefe aufwarten konnte und spürbar von der Comicvorlage beeinflusst war, ist die Geschichte hier nur noch ein dahingeschludertes Irgendwas, das Miller wohl einfach mal fix für ein paar Kröten geschrieben hat. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass dem Inhalt der Feinschliff fehlt.
Schlimmer noch als im ersten Teil lebt der Film vor allem von den heroischen, ja fast schon Riefenstahl-artigen Zügen seiner Figuren. Nichts wird hinterfragt, sondern Metzeln, Morden und Lynchen gehören zum Soldatendasein, wie die muskelbepackte Beschaffenheit der Oberkörper eines jeden Einzelnen. Wenn dann der Herrscher noch mit lauter, dröhnender und bedrohlicher Stimme zu Mord und Totschlag aufruft und jedes einzelne Gemetzel in ausführlichster Zeitlupe dem Zuschauer präsentiert wird, dann muss man sich einfach zwangsläufig fragen, was in den verschrobenen Gedankengängen eines Frank Millers mitunter so vor sich geht. Dass er zu seinen Fantasien steht und diese nicht nur in seinen Geschichten für notwendig erachtet, weiß man ja mittlerweile durch so manch fragwürdiges Statement seinerseits. Doch hier wird einem fast schon schlecht, wenn man auch nur eine Minute zu lange über das Gesehene nachdenkt. Gewaltpornografie in einem ideologischen Umfeld ist jedenfalls kaum von der Hand zu weisen.
Aber selbst wenn man es schafft, darüber hinweg zu sehen und die filmische Schlachtplatte als eben jene ansieht, ohne groß dabei nachzudenken, wird man enttäuscht. Denn die 1:1-Übernahme des Looks von seinem Vorgänger ist unübersehbar und geht ziemlich schnell auf die Nerven. Der ganze Film ist ein einziges digitales Irgendwas, welches durchtränkt ist von extremen Farbfiltern und schlechten Effekten. Das Blut fließt in Strömen und ganze Gliedmaßen fliegen in Gänze durch die Luft, doch die Animationen davon sehen schlichtweg mies aus. Dass hier keine handgemachten Splatter- und Gore-Effekte zu erwarten waren, ist zwar logisch - schließlich gehört dies, wie schon beim Vorgänger, zum Look des Films - doch gefallen muss einem dies deshalb noch lange nicht. Und schon gar nicht, wenn das Blut nicht wie Blut sondern eher wie Pudding aussieht, der wie Wasser aus den zerhackstückten Körperteilen fließt. Das mag vor Jahren vielleicht mal etwas gewesen sein, das neu und revolutionär gewirkt hat, doch mittlerweile ist dieser CGI-Überschuss einfach nur noch peinlich.
Somit gibt es eigentlich nur zwei eher unterzuordnente Punkte, die das ganze Spektakel vor einem absoluten Desaster schützen: die Musik und der 3D-Effekt. Auch wenn die Musik die ganzen fragwürdigen Momente und Inhalte des Films noch merklich unterstützt, so ist sie für sich selbst genommen doch absolut hörenswert ausgefallen und donnert perfekt aus allen Rohren. Der 3D-Effekt ist zudem schön eingesetzt worden und bietet in den entsprechenden Momenten einen guten Mehrwert in Sachen Tiefenwirkung (bestes Beispiel die Szene, in der Xerxes an einer Klippe steht und das umkämpfte Meer betrachtet) und natürlich Pop-Out. Doch das alles rechtfertigt das Endergebnis noch lange nicht.
Von daher ist "300: Rise of an Empire" letztlich ein Film geworden, der schlichtweg zu spät kommt und in seiner fragwürdigen Art und Weise der Unterhaltung seinen Vorgänger noch einmal weit übertrumpft. Ohne mit neuen Ideen oder Innovationen überzeugen zu können, sowohl inhaltlich als auch in Sachen visueller Umsetzung, wird der, leider ganz schlecht gealterte, Vorgänger fortgeführt. Auch wenn der 3D-Effekt ein kleiner Pluspunkt sein mag, nach spätestens 20 Minuten ist man des ewigen monotonen Gemetzels der Sixpack-Träger in Zeitlupe, den heroischen Reden der Anführer, sowie der miesen CGI-Effekte hier und da und überall, schlichtweg überdrüssig. Für "300"-Fans natürlich dennoch ein Muss, für alle anderen aber einfach nur Zeitverschwendung!
Punkte: 2,5+/10 Punkte