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"Ich habe keine Taktik und List mehr."

480 vor Christus: Gottkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) versucht mit aller Macht und Brutalität das zerstrittene Griechenland für sein Persisches Reich zu erobern. Während er selbst mit seiner Streitmacht in die Schlacht bei den Thermopylen gegen König Leonidas und 300 tapfere Spartaner zieht, vertraut Xerxes seiner rücksichtslosen Kriegsherrin Artemisia (Eva Green) das Kommando über die als unschlagbar geltende persische Flotte an. Artemisia giert nach bitterer Rache an den Griechen, weil ihre Familie einst von diesen niedergemetzelt und sie selbst in Ketten gelegt, vergewaltigt und gedemütigt wurde. Ihr gegenüber steht das zahlenmäßig unterlegene Heer von Feldherr Themistokles (Sullivan Stapleton). Trotz der ungleichen Verhältnisse, behalten die Griechen zunächst die Oberhand.

2006 formte Hochglanz-Ästhet Zack Snyder ("Man Of Steel", "Sucker Punch") mit einer atemberaubenden Bildsprache aus Frank Millers kultisch verehrter Graphic Novel "300" einen Kultklassiker des martialischen Actionkinos. Sieben Jahre später erhält dieser nun einen parallel zu den Geschehnissen aus "300" angesiedelten zweiten Teil, der zwar nicht von Snyder selbst in Szene gesetzt wird, dem der "Watchmen"-Regisseur aber als Drehbuchautor und Produzent dennoch unübersehbar seinen Stempel aufdrückt.
Snyder's Nachfolger Nuom Murro verbeugt sich mit seiner antiken Action-Schlachtplatte "300: Rise of an Empire" so knietief vor dem Original, dass sie sich phasenweise schon fast wie eine Kopie anmutet. Von allem bietet die Fortsetzung etwas mehr. Nur von einem weniger: Emotionen.

Der Eröffnungskampf ist enorm spektakulär und das Kunstblut fliesst in noch grösseren Strömen als zuvor. Die opulente Optik wurde ohne Abstriche von Zack Snyder's Vorgängerfilm übernommen und konsequent weitergezogen. Ebenso finden sich auch wieder zahlreiche Szenen die in Zeitlupe ablaufen.
Obwohl die Schlachtenszenen denjenigen seines Vorgängers von der visuellen Umsetzung her in nichts nachstehen, sind die zumeist später auf hoher See stattfindenden Kampfsequenzen mit der Zeit ermüdend und insgesamt wenig spannend inszeniert. Vermochte Snyder bei jedem Duell noch eins drauf zu setzen und mit überraschenden Einfällen punkten, wirken die übermächtigen Perser dieses mal viel zu harmlos

Mit der historischen Wahrheit der Schlacht von Artemisium, die im August des Jahres 480 vor Christus parallel zur Schlacht bei den Thermopylen stattfand, nimmt es  "300: Rise of an Empire" bis auf die Eckdaten nicht so genau. Das Massaker bekommt einen grob gesteckten Rahmen, der häufig mittels Off-Kommentare weitergeführt wird.
Die Handlung fokussiert die Schlachtenplatte noch mehr als im Vorgänger und spricht parallel verlaufende Erzählstränge nur an, ohne sie zu zeigen. Tragisch ist die blasse Charakterisierung, die die zahlreichen Verluste auf beiden Seiten emotionslos vertritt. Außer Klischees und einer bestenfalls rundimentär ausgefeilten Antagonistin bietet der Film nichts.

Der Grad an Gewalt hat eine plakative Ausrichtung. Häufig fließt das Blut literweise, Stahl durchtrennt Gliedmaßen und Köpfe werden ihren Besitzern genommen. Schnell gewöhnt man sich an das dauerhaft innovationslose Gemetzel, das den guten Geschmack nicht unterschreitet.
Eine Geschmacksfrage ist dafür der Industrial-lastige Soundtrack, der die imposanten Bilder und Panoramen nicht sinnvoll untermalt. Auch absurd-komische Momente, ausgelöst durch sinnfreie Dialoge und eine hochgradig skurrile Sexszene, motivieren eher zum stirnrunzeln als zum lachen.

Eva Green ("Casino Royale", "Dark Shadows") verkörpert die Feldherrin mit einer feurigen Inbrunst und so genüsslich überzogen, dass man dahinter schon so etwas wie augenzwinkernde Ironie vermuten könnte. Sie ist der eindeutige Hingucker des Films.
Sulivan Stapleton kann von seiner Austrahlung Gerard Butler nicht ersetzen. Und auch Lena Headey ("Dredd", "Game of Thrones") hat mangels fehlender Präsenz keine Möglichkeit ihre Referenzen auszuspielen.

Der erzählerische Sprung in die Vergangenheit und die zugehörige Schlacht macht zu Beginn noch richtig Laune. Doch "300: Rise of an Empire"  hat mit dieser Anfangssequenz sein Pulver eigentlich schon verschossen. Dem von visuellen Effekten dominierten Schlachtengemälde fehlt es an Einfallsreichtum und Emotionen. Die heftigen Gewaltszenen verlieren deutlich an ihrer Wucht, da die Handlung, die Figuren und der unfreiwillige Witz sehr unausgegoren ist. Da hilft auch das kurze Wiedersehen mit einigen Charakteren aus dem ersten Teil nicht weiter.

5 / 10

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