kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 23.03.2014
Mal ein netter Ansatz, die Se- und Prequel-Schablonen zu umgehen und stattdessen einfach mal ein "Parallelquel" zu liefern, auch wenn der Effekt der gleiche ist: Die Originalstory wird wie bei einem Zoom Out in einen größeren, so gesehen auch "wichtigeren" Kontext gesetzt - was natürlich meistens in Bezug auf die Filmqualität im Gegenteil mündet und den überlegenen Status des Originals unterstreicht. Im Fall von "300" hält sich die Qualitätsschwankung in Grenzen, denn Zack Snyders Ästhetik-Meilenstein bot nun mal kaum inhaltliche Grifffläche, immerhin aber einen aufs Nötigste heruntergebrochenen Kern der Legendenerzählung, der nun eben noch mit einer Hülse ummantelt wird. Warum? Weil das Publikum eben danach verlangt.
Visuell ist die Stabsübergabe von Snyder an Nobody Noam Murro am ehesten daran zu erkennen, dass die durchkomponierten Comicsequenzen inzwischen eher stoßweise in Höhepunkten durchbrechen, während die (wiederum nichtigen) Dialogsequenzen wesentlich blasser erscheinen und eher an das Niveau der TV-Serie "Spartacus" erinnern als an den von A bis Z durchgestylten Vorgänger. Auf See allerdings lässt Murro es mit allen Mitteln krachen und bedient sich nach Vorlage Millers wiederum des bewährten Nadelöhrprinzips, um so den uralten Reiz einer Begegnung Davids gegen Goliath wecken zu können. Da Murro lediglich ein Kopist Snyders ist, wird sein Film anfällig für die gleichen Probleme: Inhaltsleere, dramaturgische Aufbauscherei und eben die alles überstrahlende, fragwürdige Ästhetik, die auf keiner Ebene gebrochen wird und somit unreflektiert ihre dubiose Wirkung vollzieht. Der Comic-Charakter mildert das nicht etwa, er macht es lediglich noch greifbarer und zugänglicher.
In Ansätzen überzeugt lediglich Eva Green, deren Charakter immerhin etwas Ambivalenz in den Haufen Fleisch und Knochen pflanzt, der am Strand bzw. auf See dauerkollidiert und stolze Gebirge zu Sandhäufchen zermalmt.
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