Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio), der aus einfachen Verhältnissen stammt, möchte Börsenmakler an der Wall Street werden. Doch er erwirbt die notwendige Lizenz kurz vor dem Black Monday 1987 und wird sofort arbeitslos. In einer kleinen Firma, die Penny-Stocks mit hohen Provisionen vertreibt, wird er durch sein Verkaufstalent in kürzester Zeit reich und gründet sein eigenes Unternehmen…
Leonardo DiCaprio überredet Martin Scorsese für ihre 5. Zusammenarbeit nach „Gangs of New York“ (2002), „Aviator“ (2004), „Departed – Unter Feinden“ (2006) und „Shutter Island“ (2010) die Memoarien des ehemaligen Börsenmaklers Jordan Belfort zu verfilmen. So zeichnet der große Regisseur das Leben eines Mannes nach, der bereits an seinem ersten Tag an der Wall Street von seinem exzentrischen Chef (köstlich: Matthew McConaughey „Killer Joe“ 2011) die Regel Nr. 1 an der Börse lernt: „Ziehe Deinen Kunden das Geld aus der Tasche und steck es in die eigene!“. So zieht Jordan kleine und große Anleger skrupellos ab, dass die Schwarte knackt, scheffelt in kürzester Zeit Millionen und verfällt einem immer kostspieligerem Lebensstil, bei dem er alles an Suff und Drogen konsumiert, was sich der Zuschauer vorstellen kann. Diese Exzesse inszeniert Martin Scorsese recht flott in prächtigen Bilden und poppigen Farben, erst in der Filmmitte, wenn Jordans Stern langsam untergeht, verblassen auch die Farben und der Film wird immer geschwätziger. Diese Dialoge können nicht immer überzeugen und wirken oft in die Länge gezogen. Nicht auszudenken, wenn die Produzenten nicht das 4-stündige Gesamtwerk auf immer noch üppige 180 min. heruntergeschnitten hätten. Das größte Problem von „The Wolf of Wall Street“ ist aber, dass der Film über die gesamte Spielzeit nicht einen einzigen Sympathieträger bietet, wie andere Kriminelle in Scorseses Werk, seien es Travis Bickle im „Taxi Driver“ (1976) oder „Ace“ Rothstein (ebenfalls verkörpert von Robert deNiro) im ähnlich angelegten Klassiker „Casino“ (1995), nur dass mittlerweile die herkömmlichen Ganoven von ihren legitimen Nachfolgern, den Börsenmaklern abgelöst worden sind. Letztlich sieht man dem Aufstieg und (nicht besonders tiefen) Fall eines Arschlochs zu, dafür sind auch 3 Stunden entschieden zu lang, selbst wenn alles meisterlich in Szene gesetzt ist und das Ekel von DiCaprio gewohnt großartig verkörpert wird. Aber lehrreich ist der Film allemal: ehe der Kleinanleger seine sauer verdienten Kröten einem windigen Anleger anvertraut, sind sie im Sparstrumpf unter der Matratze besser aufgehoben! (7/10)