Ich muss zwei Sachen im Vorfeld zugeben:
1. Ich habe Leonardo DiCaprio viel zu früh mit seinem Drecksfilm "Titanic" abgestempelt. Denn mittlerweile macht er alles richtig und spielt echt nur noch gute Rollen in sehr guten Filmen, denen er seinen eigenen persönlichen Stempel aufdrückt. Deswegen verstehe ich es nicht, dass er 2014 nicht den Oscar für diesen Film als "Bester Hauptdarsteller" bekommen hat. Denn seine Leistung, die er hier in "Wolf of Wall Street" abliefert, ist grandios.
2. Ich habe von der Börse oder der Wall Street absolut keine Ahnung. Ich kenne "das Ding" lediglich aus Filmen oder Dokumentationen und kann von daher nicht sagen, was authentischer ist. "The Wolf of Wall Street" oder "Wall Street" (1987) mit Michael Douglas.
Mein Gefühl sagt mir, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt, denn was man in "The Wolf of The Wall Street" sieht ist nichts anderes als ein nicht endend wollender Drogenkonsum, Rumgebumse gepaart mit einer Vulgär-Sprache, die ich so nur aus meinem Freundeskreis kenne. Ach so, ab und zu sieht man noch den Aufstieg und Werdegang der beiden Freunde Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) und Donnie Azoff (Jonah Hill), die jedoch desöfteren gerade bei der Charakterentwicklung auf der Strecke bleiben und an manchen Stellen viel zu schlapp erzählt werden, so dass trotz einer Mammutlaufzeit von 180 Minuten mir einige Sachen nicht ausreichend erklärt werden.
Okay, der Fahrplan ist ohnehin klar: Mit einer gewaltigen Bilderflut an Drogenexzessen, Poppen, Geld verdienen und das ganze wieder von vorne nur geremixt, schummelt man sich, wie ich bereits oben erwähnte, geschickt an dem komplexen Thema und der Charaktertiefe vorbei. Es ist wirklich unterhaltsam, was man sieht - gerade die wortgewaltige Ich-Erzählweise harmoniert mit der Geschichte und auch die Flashbacks gehören ganz klar zu den Stärken des Films. Doch ganz ehrlich: Der Film hat mich nach einem Mal ansehen gesättigt und ich glaube kaum, dass ich mir "Cheech & Chong" meets "Gina Wild" meets "Wall Street" wiedergeben muss, da diese Exzesse an Eindimensionalität nicht zu untererbieten sind.
Ich frage mich beim Anschauen, was überhaupt "Penny Stocks" sind, woher die Broker die ganzen Telefonnummern haben, die sie pausenlos anrufen und so weiter und so weiter. Das komplexe Thema bleibt total auf der Strecke und Scorsese hangelt sich von einem Exzess zum Nächsten, so dass ich sogar soweit gehen würde, dass dieser Film auf dem Niveau von "New Kids Nitro" liegt. Lediglich mit dem Unterschied, dass die Holländer und auch Fans (wie ich) dazu stehen - man braucht ja mal nur auf der ofdb zu schauen, wie viele Leute sich getraut haben das "Gesocks" aus Holland zu reviewen...
Nein, hier steht Scorsese drauf, DiCaprio und andere namhafte Schauspieler spielen mit und so lässt man sich auf den gekünstelten "Wolf of Wall Street" ein, glorifiziert die Scheiße, lässt sich blenden, wobei er jedoch nichts anderes darstellt, als das typische Fastfood für den Popcornkinogänger. DiCaprios Charakter ist scheinbar lernresistent, der keine Selbstreflektion besitzt und nur seine Triebe auf primitive Art und Weise auslebt in einer Art Parallelwelt, in der nur Disco gefeiert wird.
Zugegeben, ich hab mich drei Stunden lang nicht gelangweilt, auch wenn sich die letzte halbe Stunde dann doch noch zieht - denn gerade wenn es realistisch bzw. in Richtung Drama überschwappt, strotzt dieser Film nur noch so vor Schwächen aus allen Poren, so dass man gut erkennen kann, dass es sich hier im Endeffekt nur um eine exzellent erzählte audiovisuelle Seifenblase von Film handelt, den man gut konsumieren, aber nicht hinterherfragen darf. Nicht schlecht, aber dennoch ein völlig überbewerteter Film.
5/10