Review

kurz angerissen*

erstmals veröffentlicht: 26.07.2014

Die Unmoral und Obszönität dieses Films erschöpft sich keineswegs in der überlangen Laufzeit und den Orgien, die Scorsese in dieser Zeit unterzubringen versteht, sondern wird vor allem vom gottlosen Streben nach Geld und Macht übertragen. Zwischenmenschliches wird von der Hauptfigur geradezu verachtet und immer wieder als Schwäche ausgelegt. Scorsese setzt gerade früh genug an, um Jordan Belford am Scheideweg jener großen Frage zu treffen, welche Art von Mensch er werden soll. Die übrigen zweieinhalb Stunden entlarvt der Regisseur dann das Börsensystem als Perversion sondergleichen und stellt mit Vergnügen übermäßigen Reichtum, immer begleitet von der Überheblichkeit des Bessergestellten, normalen Lebensverhältnissen gegenüber.

Entsprechend darf man sich kein erzählerisches Epos wie „Casino“ erwarten; dass „The Wolf Of Wall Street“ stundenlang eine Episode an die nächste reiht und jede davon im Grunde die gleiche Aussage in sich trägt, macht den Film überhaupt erst zu der Vollblutkomödie, die er ist. Szenen wie jene, in denen di Caprio mit Drogen vollgepumpt vom Country Club nach Hause fährt, unterstreichen, dass hier die Kräfte einer vollkommen anderen Welt walten, eine Welt, die man vielleicht mal ein paar Tage oder Wochen miterleben würde, in der man aber sicher nicht gerne gefangen wäre.

*weitere Informationen: siehe Profil

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