Review

Dieser Film gehört zu den wenigen Filmen, über die der Autor der Vorlage selbst mal behauptet hat, er wäre besser als das Buch. Und der Autor ist nicht irgend jemand: Graham Greene.

Es geht in dem Film um einen Mann, der ins Nachkriegswien kommt, um einen Freund zu besuchen, welcher sich als mittlerweile verstorben herausstellt.
Irgendwie war dieser Freund wohl in Schwarzmarktgeschäfte mit gestreckten Medikamenten verstrickt, weshalb unser Protagonist sich urplötzlich inmitten einer Kriminalgeschichte wiederfindet, von der er weder weiß, wie er da hineingeraten ist, noch wie er da wieder herauskommt. Hin- und hergerissen zwischen Loyalität zu seinem toten Freund und aufkommender Zuneigung für dessen Freundin beginnt er mit eigenen Ermittlungen, welche schließlich derart aufgelöst werden, dass nach einem packenden Showdown in der Kanalisation eigentlich niemand als strahlender oder glücklicher Held davon kommt.

Carol Reed legt uns ein stimmiges Bild eines zerstörten Nachkriegswien vor, mit wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern perfekt in Szene gesetzt, teilweise revolutionäre Schnitte.
Untermalt wird das alles von einer wunderschönen Zithermusik, welche seitdem als ein Wahrzeichen Wiens angesehen werden kann.

Wien wird als Hauptdarsteller des Films zu einem mythischen Ort - fast schon wie Casablanca (eben nur fast) - und es wird einem vor Augen geführt, dass es nach dem Krieg keine Helden gibt, nur Leute, die ums Überleben kämpfen und solche, die sich daran zu bereichern versuchen.
Nicht von ungefähr kommt es dann auch, dass heutzutage in Wien "Der Dritte Mann"- Stadtführungen stattfinden, die zur Zithermusik von Anton Karas, die berühmtesten Plätze des Films besuchen.

Für damalige Verhältnisse ist dieser Film recht düster und pessimistisch gehalten. Der Protagonist ist keinesfalls ein Sympath und als er sich schließlich entscheidet, gegen die Schwarzmarkthändler mit vorzugehen, tut er das sogar fast nur aus Eigennutz. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass der Schauspieler Joseph Cotton dann auch eher blaß bleibt, die Rolle schreibt es ihm geradezu vor.

Die Polizisten im Film benutzen die Menschen als Spitzel und sind näher am Militärregime als an einer richtigen Polizei, ist ja schließlich auch ein geteiltes Nachkriegs-Wien.

Die einzig nennenswerte Frau im Film ist Opfer und gleichzeitig doch nicht, denn sie ist die einzig moralische Figur im Film, ohne zu moralisierend zu sein. Sie ist eine starke Frau, die zu viel gesehen hat, um sich unterkriegen zu lassen. So erkennt sie auch recht schnell die wahren Hintergründe und Motive des Protagonisten und schätzt ihn daher auch gleich geringer.
Allein schon dadurch gewinnt ihr Charakter an Glaubwürdigkeit, Tiefe und Würde.

Schließlich ist da ja noch Orson Welles. Ähnlich wie Jahrzehnte später Marlon Brando in Apocalypse Now, taucht er erst gegen Ende des Films persönlich auf, trägt aber den ganzen Film mit seiner extremen Ausstrahlung.
Nur der perfekten in Szene Setzung Orson Welles' verdankt es der Film derart verehrt zu werden, seine kraftvolle und zugleich geheimnisvolle Darstellung zeugt in jeder Sekunde davon, dass wir es hier mit einem gemeingefährlichen Mann zu tun haben, der in einem Moment ein netter Gutmensch sein kann, im nächsten dir aber die Gurgel zudrücken würde.
Dabei ist Welles nicht mal ein sonderlich guter Schauspieler, nicht einmal in diesem Film, Reed macht seinen Job als Regisseur nur perfekt.

Es ist schon ungewöhnlich, dass ein derart realistischer Film, ohne große Melodramatik mit Antihelden, derart erfolgreich und berühmt werden konnte.
Zwar fällt er in die Epoche des Film Noir, aber fällt dieser Film mit Sicherheit nicht in diese Kategorie, allein schon auf Grund der Tatsache, dass sein Antiheld überhaupt nicht ins Raster paßt, seine weibliche Hauptfigur ist nicht wirklich eine Femme Fatale und auch wirkt vieles noch vom Zweiten Weltkrieg nach.

Umso edler und meisterhafter kommt die Regie daher und man ist fast wirklich im Wien der damaligen Zeit, sehr athmosphärisch und fesselnd auch nach knapp 60 Jahren noch kann dieser Film vielen anderen Filmen locker die Grenzen aufzeigen und vor allem eines: Auf der charakterlichen Ebene überzeugen.

8 Punkte

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