Review

Die wettergegerbte Schuhsohle Danny Trejo tritt wieder in Aktion und spielt sich erneut selbst. Und da es keine Herkulesaufgabe ist, einen ausgelatschten Stiefel realistisch zu mimen, gelingt ihm das auch recht passabel. Der 69-jährige ehemalige Sträfling wird sich heute noch die Augen reiben, wie es möglich ist, dass ein Mann mit Formaldehydvisage seit Jahren für viel Geld vor der Kamera hübsche Mädchen knutschen darf. Aber gönnen wir ihm sein spätes Glück, das sich sicher nicht unwesentlich aus dem Umstand speist, dass er ein Cousin von Robert Rodriguez, dem Regisseur, ist. Inhaltlich gibt es da übrigens ungleich schwierigere Aufgaben zu meistern. Eine Atombombe ist auf Washington gerichtet und mit dem Herzschlag eines irren Mexikaners gekoppelt. Selbstredend muss das Organ am Schlagen gehalten werden, sonst rumst es an der Ostküste. Kaum ist der im Auftrag des Präsidenten handelnde Machete des fahrigen Schizophrenen Mendez (Demian Bichir) im Land der Kakteen habhaft geworden, muss er sich gegen eine Springflut an Angreifern zur Wehr setzen, denn auf den Kopf seines Gefangenen ist inzwischen ein Millionenbetrag ausgesetzt worden. Strippenzieher hinter dem zur Gänze sinnfreien Treiben ist der High-Tech Magnat Luther Voz (Mel Gibson), der einen Atomkrieg anzetteln möchte, um endlich einen Grund zu haben, auf seiner selbstgebauten Raumstation leben zu dürfen.

So beknackt das klingt, so unterhaltsam ist es, was uns Robert Rodriguez da serviert. Das ist bei ihm leider tatsächlich nicht immer so. War seine erste Auskoppelung des von ihm selbst ins Leben gerufenen volltätowierten Tex-Mex-Agenten noch ein bisweilen schwer verdaulicher Bastard aus hirnlosem Spaß und ernst gemeinter politischer Karikatur, der in seinem Gesamtmix weder hü noch hott war, setzt der Regisseur von „Desperado" (1995) und „Sin City" (2005) nun vernünftigerweise einen Schwerpunkt - bei der ungezwungenen Blödelei! Zwar werden erneut rassistische Sheriffs und korrupte Militärs ins Bild geschoben, aber eben weniger ernst und letztendlich ohne aufgesetzte Botschaft. Dafür zündet sein Spiel mit anderem politisch Unkorrektem. Die beiläufig menschenverachtenden Späßchen des hinter der Grenze auf Immigranten lauernden sternbepinnten Gesetzesverhüters (William Sadler, „Stirb Langsam 2" [1990], „Der Nebel" [2007]) erheitern gemeiner Weise ebenso wie der denkbar unpräsidiale Präsident Charlie Sheen. Man könnte meinen, Rodriguez hat alles plakativ Denunzierte des ersten Parts durch reinen, unverwässerten Unsinn ersetzt und damit zielführend das umgesetzt, was von vornherein angedacht war. Nämlich, einen ungetrübten, neunzig Minuten langen Spaß zu inszenieren, der nicht vorgibt, mehr zu sein als eben genau das.

Nicht eines selbstüberschätzten Kommentars wegen muss allerdings auch weiterhin vor dem bei Rodriguez offenbar obligatorischen Wermutstropfen gewarnt werden, sondern aufgrund der streckenweise immer noch zu sehr dem Mainstream verhafteten Fehltritte des Films. Oder aber des fragwürdigen Geschmacks des Regisseurs. Welcher an echtem Trash interessierte Filmfreund will zwischen dem inzwischen dritten und vierten Bier des Abends plötzlich Popröhre Gaga aus dem Flatscreen glotzen sehen? Und wer zum Kuckuck glaubt, dass der ebenfalls offenbar unverzichtbare, parallel ausgetragene Catfight mit Tittenkanonen garniert werden muss? Das ist so unwitzig wie ein Sexshop. Vermutlich hat Rodriguez, ähnlich wie sein Freund und Kollege Tarantino, seinen höchstpersönlichen Fetisch. Doch ist sein übertriebenes Faible für sich albern gebärdende halbnackte Frauen dem Gesamtkonzept eben eher abträglich. Was Tarantino gelingt, nämlich, seine sexuellen Vorlieben wiederholt, aber letztendlich unproblematisch in seine Filme unterzuheben, misslingt dem Amerikaner mit spanischem Namen zu offenkundig, als dass es achselzuckend abgenickt werden könnte. Was in den 70ern schon von IQ 70 zeugte, hat auch heute im Regelfall nicht das Zeug zum Nobelpreis. Und wenn dann zu guter Letzt der unguten Michelle Rodriguez auch das zweite Auge ausgeballert wird und sie hernach gleichgültig im Dunklen weiterrauft, dann füttert das die Story ebenso wenig mit Nahrhaftem wie schon Johnny Depps Blöd-, pardon, Blindheit in „Irgendwann in Mexiko" (2003). Nur gut, dass Fixpunkt Trejo solche filmischen Pannen wieder und wieder mit seinen Machete-Sprüchlein, wie „Machete twittert/simst/pupst nicht" unterbricht. So verblödet die auch sein mögen, sie sind sonderbarerweise das wohlschmeckende Mark von „Machete Kills".

Wenn „Machete Kills" auch streckenweise arg die Luft, sprich, der Spaß ausgeht, gelingt Rodriguez diesmal ein insgesamt runderer Trashbeitrag als beim manisch unentschiedenen Vorgänger. Vor allem Mel Gibson spielt in den letzten dreißig Filmminuten so ungehemmt lausbübisch auf, dass man seinen durch kleinere und größere Skandälchen verschuldeten Nachholbedarf förmlich wittert. Dem Endprodukt tut das sichtlich gut. Da kann man auch mal drüber wegsehen, dass im Film ein paar Mal zu oft irgendein austauschbarer Komparse von seinen eigenen Kutteln in den Rotor eines Hubschraubers oder Motorboots gezogen und in einer schlecht gezeichneten CGI-Wolke quasi pulverisiert wird. Letzten Endes ist das beinahe nicht vorhandene Drehbuch ohnehin nur ein Aufhänger, einen Gag an den nächsten zu reihen. Problematisch wird es nur eben dann, wenn, wie zur Mitte des Streifens hin, bei ansonsten völliger Abwesenheit von narrativem Sinn, die Späßchen ausbleiben. Aber wie gesagt, Mel Gibson springt diesmal gerade noch rechtzeitig in die Bresche. Zwar nicht mehr so flink wie einst als Braveheart, aber letztendlich schnell genug. Nur ein Mann ist natürlich noch schneller...

Die haben eine Rakete. Aber wir haben Machete."  

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