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"Lass dich nicht ablenken von dem Ausschnitt und dem Haarspray."

Bei einem Einsatz verliert der einstige Agent Machete (Danny Trejo) seine Partnerin und Geliebte Sartana (Jessica Alba). Kurze Zeit danach bittet der Präsident der Vereinigten Staaten (Carlos Estévez bzw. Charlie Sheen) ihn sich dem mexikanischen Kartellboss Mendez (Demián Bichir) anzunehmen. Dieser bedroht die USA mit einer Atomrakete. Machete dringt bis zu ihm vor, stellt allerdings fest, dass der Zünder der Rakete mit dessen Herz verbunden ist. Eine Entschärfung scheint unmöglich. Daher nimmt Machete Mendez fest und schleppt ihn Richtung amerikanisch-mexikanische Grenze, stets von Kopfgeldjägern verfolgt.

"Machete" war Hochglanz-Trashkino mit einem unglaublich namhaften Cast, durchgeknallten Charakteren, zahlreichen sexy Girls, kultigen Dialogen und Running-Gags sowie knallharter Action. Zwei Nachfolger wurden spaßeshalber schon zum Abspann angekündigt.
"Machete Kills" führt die charmanten Eigenheiten des Erstlings nicht weiter. Die Fortsetzung wirft die satirischen und kritischen Hiebe auf die Einwanderungsgesetze der Amerikaner fast gänzlich über Bord und versucht stattdessen weitaus selbstironischer und abstruser zu sein. Dies hat negative Auswirkungen auf die Spannung.

Zu Beginn gibt es einen Trailer auf "Machete Kills Again". Das Anhängsel "… in Space" deutet bereits auf einen Stilbruch des Vorgängers. Denn eine Weltraumthematik gab es bislang nicht, geschweige denn eine Persiflage auf andere Filme. Der Vorfilm macht aber keinen Hehl daraus, sich auf das "Star Wars"-Universum zu beziehen. Ähnlich dem einstigen Fake Trailer zu "Machete" zündet dieser Dank Grindhouse-Optik, verrückter Ideen und Dialoge.

Mit dem Feature Film ist es allerdings vorbei mit der Grindhouse-Optik. Bis auf wenige Ausnahmen erinnert "Machete Kills" optisch kaum an die ihm angedachte Aufgabe, alt und dreckig zu wirken. Auch inhaltlich finden sich nicht allzu viele Elemente aus dem Schmodderkino, eher aus dem Actionkino der 80er Jahre.
Die etablierten Figuren erfahren keinerlei Weiterentwicklung, die neu hinzu kommenden keine Einführung. Die Fortsetzung schreitet erheblich schneller voran und nimmt sich keine Zeit für seine Figuren. Dies trübt den Spannungsbogen der ohnehin schon sehr verstrahlten Handlung mit noch haarsträubenderen Wendungen. Der Unsinn geht hier so weit, dass der Vorgänger geradezu bodenständig erscheint.

So wirkt die Action in "Machete Kills" immer übertrieben unrealistisch und comichaft. Stets mit einem schwarzhumorigen Unterton versehen, mordet sich der Protagonist überaus explizit durch seine zahlreichen Kontrahenten. Abgeschlagene Köpfe und Gliedmaßen sind die Normalität, Gewaltspitzen äußern sich durch Innereien.
Die Qualität der Actionszenen und Effekte schwankt sehr. Mal kreativ, mal generisch, bis hin zu peinlich oder seltsam ist alles vertreten. Die handgefertigten Effekte sehen dabei erheblich besser aus als die digitalen.

Häufig fehlt es dem Film an Eigenständigkeit. Einige Dinge kennt man schon vom ersten Teil, kreative Ideen sind eher Mangelware. Die später hinzukommenden Gags über die "James Bond"-Reihe sind zwar nett gemeint, zünden aber nur selten. Viele Nebenschauplätze, Handlungsstränge sowie Nebendarsteller nehmen zu viel Raum und zu Zeit in Anspruch und ersticken damit die nötige Dramaturgie. Mit einem offenen Schluss endet "Machete Kills" schließlich unbefriedigend.

Die zahlreichen bekannten Darsteller werden ordentlich verpulvert. Jessica Alba ("Sin City"-Reihe), Cuba Godding Jr. ("Red Tails", "Pearl Harbor"), Michelle Rodríguez ("Fast & Furious"-Reihe, "Avatar - Aufbruch nach Pandora") sowie Antonio Banderas ("The Expendables 3") sind kaum präsent, Demián Bichir ("Che"-Reihe) und Amber Heard ("Drive Angry") in ihren sperrigen Rollen sehr eingeschränkt.
Das vernarbte Gesicht von Danny Trejo ("From Dusk Till Dawn", "Sushi Girl") und Mel Gibson's bösartiger Charme ("Braveheart", "Auftrag Rache") fallen noch am ehesten auf, ebenso Lady Gaga, durch ihre obligatorische Extravaganz.

"Machete Kills" ist anders als sein Vorgänger. Ernste Zwischentöne gibt es diesmal nicht, ebensowenig satirischen Witz. Stattdessen haut der Film mit überzogenen Situationen nur so um sich. Dies vermindert die Spannungskurve drastisch. Auch Neues findet sich hier kaum. Der abwechslungsreiche, jedoch ungenutze, Cast und die wenigen guten Actionszenen können zumindest eine Zeit lang bei Laune halten. Auch wenn überwiegend die Luft raus zu sein scheint.

5 / 10

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