Review

HOW I LIVE NOW oder Ich beurteile den Film, ohne die literarische Vorlage gelesen zu haben!

Nachdem ich in den letzten Wochen eine Anzahl von Saoirse Ronan-Filme gesehen habe, frage ich mich, welches hervorragende Potential wohl in 10 Jahre in der 21-Jährigen stecken wird. Erfreulicherweise gibt es noch amerikanische Jungschauspieler, die sich nicht auf ein kassenträchtiges Mainstream-Niveau bügeln lassen.

Mit HOW I LIVE NOW habe ich ein ruhiges und deswegen sehr beunruhigendes Drama gesehen, das sich mit den nüchternen Auswirkungen eines fiktiven Krieges beschäftigt.
Interessanterweise kommt der Film – trotz des Themas – mit sehr wenig körperlichen Gewaltszenen aus. Der Krieg tobt eher im Innern der Charaktere als auf den Straßen Englands.
So stehen auch Gefühle im Zentralfokus des Streifens und nicht sensationsheischende Blockbusteroptik. Natürlich wertet Saoirse Ronan den Film mit ihrer – wie immer – überzeugenden Darstellungskunst auf. Doch ich finde, dass das erschreckende Thema auch ohne Ihr Können funktioniert hätte. Der Film trifft einen szenenweise tief im Innersten. Eine Identifikation mit den Hauptdarstellern findet so gut statt, dass man als Zuschauer bis zur letzten Minute mit ihnen hofft und bangt. Die Kamera ist ohne Mängel, auch der Score überzeugt bis zum Schluss.
Ich hatte keine Ahnung gehabt, was für ein Thema auf mich zukommen würde, als ich den Film startete. Das war gut, denn so habe ich die volle Bandbreite an Emotionen abbekommen.
Irgendwie hat mich dieser leider unbekannte und qualitativ hochwertige Film von den ohnmächtig machenden Ereignissen ein wenig an den unvergesslichen Zeichentrickfilm WENN DER WIND WEHT erinnert.

Unterm Strich kann ich den Film allen empfehlen, die sich mal eine mitfühlende andere Variante eines Kriegsfilms antun wollen.

Details
Ähnliche Filme