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Heutzutage gibt es für jeden Humbug eine App. Wurde früher ein Kochbuch aufgeschlagen, reicht heute ein Knopfdruck, um alle Rezepte für Topinambur zu erhalten. Schlug man einst eine Landkarte auf und nutzte einen Kompass, sagt mir die App, wie viele Meter man noch gehen muss, um eine Schlucht hinunter zu stürzen. Galt einst ein Ouijabrett als Möglichkeit, mit Toten Kontakt aufzunehmen, gibt es auch hierfür eine Computeranwendung, - allerdings lediglich in vorliegender Story, welche wie eine platte Variante der "Ring" Geschichten daherkommt.

Yuri wurde von ihrer bösen Mutter mit einem Haufen Schulden und ihrem kleinen Bruder sitzengelassen und muss sich nun als Callgirl durchschlagen. Als ihr Bruder auf ungeklärte Weise stirbt, bleibt Yuri mit tiefen Schuldgefühlen zurück. Eine Kollegin erzählt ihr von einer App, mit der Kontakt zu Verstorbenen aufgenommen werden kann. Ruft man jedoch die Betroffenen zu sich, so ist man des Todes geweiht...

Eine gewisse Erfahrung hatte Regisseur Norio Tsuruta mit Geistergeschichten ähnlicher Art bereits sammeln können, als er die Vorgeschichte zu "Ring" verfilmte. Mit "Talk to the Dead" gelingt es ihm jedoch nicht, auch nur ansatzweise an jene Qualität anknüpfen zu können, da zu kaum einer Zeit Spannung aufkommt. Zwar ist Yuris Figurenzeichnung einigermaßen passabel ausgefallen, doch die sprunghafte Erzählweise zwischen Gegenwart und Rückblicken im stetigen Wechsel findet schlicht keinen roten Faden, zumal die Kontakte zu den Kunden für die eigentliche Handlung unwichtig sind, jedoch relativ viel Raum einnehmen.

Die Idee mit Toten auf ähnliche Weise zu kommunizieren, ist zwar spätestens seit "Frequency" nicht mehr neu, doch mit einem klugen Drehbuch und einigen grimmigen Einfällen ließe sich auch daraus mitreißender Stoff basteln. So jedoch schnappt man Worthülsen innerhalb eines starken Rauschens auf, es wird einige Male telefoniert und zwei, drei Figuren geben auf komplett unspektakuläre Weise, wenn überhaupt sichtbar, ihren Löffel ab. Derweil wird parallel eine ermittelnde Reporterin eingebunden, doch auch die ist zu naiv und irrational handelnd, um anderweitig für Drive zu sorgen.

So plätschert die Chose ohne Höhepunkte vor sich hin, man ärgert sich über die naiven Verhaltensauffälligkeiten einer Nebenfigur und erhält zumindest zum Ende hin in einem Punkt Genugtuung. Dennoch pendelt sich der Unterhaltungswert auf recht niedrigem Niveau ein, es kommt keine düstere Stimmung auf und auch die Bedrohung will sich kaum als solche entfalten. Blut fließt nebenher auch kaum und somit erhalten Freunde urbaner Legenden oder Fans von Geistergeschichten nicht genügend Stoff, um einer Sichtung zwingend beizuwohnen.
3,5 von 10

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