Review

Selbst ist der Mann sobald die Kohle knapp wird und das gilt insbesondere für den Norweger Arild Østin Ommundsen, der für seinen fünften Spielfilm als Regisseur, Produzent, Kameramann, Editor und Screenwriter tätig wurde. Dabei offenbart er recht früh, was ihm liegt und was eher weniger.

Jenny (Silje Salomonsen) war schwanger, als eine kriminelle Angelegenheit aus dem Ruder lief, bei der jemand getötet und ein anderer schwer verletzt wurde. Nach zehn Jahren Haft ist Jennys Tochter Merete neun Jahre alt und lebt bei einer Pflegefamilie. Jenny würde ihre Tochter gerne häufiger sehen, doch die Schatten der Vergangenheit lassen nicht lange auf sich warten…

Wohl nicht nur aus Kostengründen schusterte Ommundsen seiner Ehefrau die Hauptrolle zu, was sich als richtige Entscheidung herausstellt, da Salomonsen die gebeutelte junge Frau mit einer Mischung aus Mutterliebe, Zerbrechlichkeit und Entschlossenheit sehr glaubhaft und nuanciert verkörpert und über weite Teile dazu beiträgt, dass die Erzählung nicht völlig den Faden verliert.

Denn dazu neigt sie bereits nach kurzer Zeit, als Jenny aus der Haft entlassen, binnen weniger Szenen ein Love Interest in Form eines alten Schulfreundes eingebaut wird und kurz danach die Altlasten des damaligen Ereignisses in Erscheinung treten. Zu viele Eckpunkte versucht die Geschichte unter einen Hut zu bringen: Der Neuanfang, das Schicksal von Meretes Vater, Gefahren eines kriminellen Rückfalls und finanzielle Nöte, die bereits bei defekten Wasserleitungen anfangen. Ommundsen streift viele Aspekte nur vage, besonders die Mutter-Tochter-Beziehung bleibt unterentwickelt, während im letzten Drittel Anteile eines Thrillers auszumachen sind und final zumindest noch ein wenig Spannung aufkommen lassen.

Handwerklich hat der Norweger es sichtlich drauf, denn die Kamera fängt ein paar sehr starke Bilder ein, zumal er fast ausschließlich das natürliche Licht nutzt, was deutlich zur Atmosphäre beiträgt. Auch der Schnitt ist phasenweise großartig, etwa, als Meretes Lebenslauf in Momentaufnahmen präsentiert wird, während Jenny ihr Schicksal quasi aussitzen muss. Zudem gesellt sich ein abwechslungsreicher Score, welcher primär in den ruhigen Szenen Akzente setzen kann.

Leider kommt die Story diesbezüglich kaum hinterher, denn diese plätschert im Mittelteil ein wenig vor sich hin und bedient einige nahezu unnötige Elemente, während manch interessanter Ansatz vernachlässigt wird. Das Gesamtergebnis wirkt zu unentschlossen, geht zu selten in die Tiefe und versucht es gegen Ende mit der Brechstange, was reichlich konventionell und vorhersehbar abläuft. So abgedroschen es auch klingen mag: Weniger ist manchmal mehr…
5 von 10

Details
Ähnliche Filme