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Respekt & Ekel

"Generation Iron" verfolgt ein paar der Kandidaten für den Mr. Olympia 2012 in ihrer Vorbereitung auf die größte Body Building-Competition der Welt. Ganz in der Tradition des Arnie-Klassikers "Pumping Iron" - nur noch masisver, noch größer, noch heftiger. Leider wurden die Muskeln in den letzten 30 Jahren riesiger, doch echte Stars wie Arnold Schwarzenegger oder Lou Ferrigno die in Interviews kurz zu Wort kommen, sieht man hier nicht. Ebenso bleibt immer der üble Beigeschmack, dass diese Ausnahmeathleten bis oben hin vollgepumpt sind mit Drogen und dass die Körper für den normalen Geschmack schon lange nicht mehr schön oder ästethisch aussehen. Doch dann wiederum liegt "schön" im Auge des Betrachters und die Steroide nehmen von der eigentlichen Leistung der Jungs wenig bis gar nichts weg. Sie trieben die Körper in den letzten Jahrzenten nur in solche Sphären, wie sie die Welt bisher noch nicht geseheen hat. Gutheißen muss man das nicht, man kann es sogar verrückt nennen und scharf kritisieren, massiven Respekt habe ich vor diesen Schränken dennoch.

Jeder der schon mal eine Hantel in der Hand hatte oder sich auch nur minimal mit Kraftsport beschäftigt, muss seinen Hut vor Phil Heath, Kai Greene und Co. ziehen. Für die Jungs & ihre starken Leistungen finde ich es schade, dass der Ruf dieses Sports so miserabel ist. Wie sie ihr Leben für den Sport geben ist beispiellos. Sucht trifft auf Ehrgeiz und enormen Willen. Und wie sich ihr Sport entwickelt hat, dafür kann jeder einzelne von ihnen nichts. Außerdem will ich nicht wissen, wie viele andere Sportarten mittlerweile ebenso kranke und gesundheitsgefährdende Ausmaße angenommen haben. Nur bei diesen Muskelmaschinen sieht man es eben an deren Körpern, nicht an Bestzeiten oder Torrekorden. Als Motivation kann "Generation Iron" zum Teil dienen. Ebenso wie als Abschreckung und als sehr interessanter Einblick in eine ganz andere Welt, in einen einzigartigen Club der Ungetümer. Die vielfältigen Charaktere kommen gut rüber, bleiben jedoch meist oberflächlich und Stars wie Schwarzenegger sucht man vergebens. Kai Greene kommt da wohl noch am besten weg, als sanftmütiger Riese mit dunkler Vergangenheit, wird am "tiefsten" porträtiert. Ein paar Sportler und Filmminuten weniger hätten sicher gut getan. Die Faszination und der Respekt der Filmemacher vor dieser Sportart ist aber jederzeit spürbar. Und das ist ansteckend.

Fazit: kein neuer "Pumping Iron", aber ein faszinierender Blick in eine Welt der Extreme. Anziehend und abstoßend zugleich. Leider fehlen die einzigartigen Charaktere wie Arnie. Wenn man jedoch nur das kleinste Interesse an diesem einzigartigen Sport hat, dann lohnt sich ein Blick hinter den Vorhang dieser Tiere. Ein augenöffnendes Beispiel, wie maßlos und übertrieben die Welt geworden ist. Aber gleichzeitig ein Testament an den unendlichen Willen des Menschen. Sehenswert. Ein Body Building-Classic. Gehört zum Training wie ein großer Eiweiß-Shake ;-)

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