Es gibt verdammt ausgefallene sexuelle Vorlieben, doch ab wann ist jemand als paraphil einzustufen? Es existieren unzählige Fetische und ungewöhnliche Neigungen, - da ist die Grauzone gewiss stark ausgeprägt, doch sobald dem anderen ein (nicht einvernehmliches) Leid zugefügt wird, sollten sich ein paar fähige Psychologen um den Probanten kümmern.
Um eben so einen Typen geht es im vorliegenden Streifen, welcher weniger Nekrophilie als den Hintergrund des Leidens in den Mittelpunkt rückt.
Ein Mann (Günther Brandl) latscht durch den Wald und entdeckt eine nackte, blutüberströmte Frauenleiche. Anstatt die Polizei zu rufen, nimmt er sie kurzerhand mit nach Hause und vergeht sich an ihr.
Doch dann nagt das Gewissen an ihm, denn die Beziehung zu seiner Ex ist noch immer nicht bereinigt...
Regieneuling Tom Heidenberg hat einige Jahre mit der Fertigstellung seines Erstlings verbringen müssen, da zwischenzeitlich Darsteller absprangen und aus verständlichen Gründen nur schwer Leute zu finden sind, die sich bei so einem brisanten Thema vor die Kamera trauen. Mit Günther Brandl hat er einen Mimen gefunden, dem man seine Gefühlswelt über weite Teile abnimmt, welche im Fokus des Horrordramas steht.
Die Geschichte ist in sechs Kapitel mit nachvollziehbaren Phasen von Schmerz über Liebe bis Hass unterteilt, wobei Zerstörungstendenzen eigentlich immer unausweichlich sind.
Allerdings verläuft die Erzählung nicht durchweg gradlinig, da Rückblicke als auch Vorstellungen des Protagonisten benötigt werden, um diesen ansatzweise zu verstehen.
Durch die teilweise recht langen Kameraeinstellungen wird die Lethargie der Hauptfigur zwar recht gut transportiert, doch wer fundierte psychologische Hintergründe sucht, wird mit einer fiesen Mutter und einer niederträchtigen Freundin abgespeist, was die Situation des Namenlosen allenfalls in Ansätzen begreiflich macht.
Inszenatorisch ist dem Werk nicht allzu viel anzukreiden, da die ruhige Kamera und der saubere Schnitt voll in Ordnung gehen, nur die austauschbare Kulisse erinnert letztlich überdeutlich an eine Amateurproduktion. Der gut durchkomponierte Score ist abwechslungsreich und schürt die zusehends ausweglose Stimmung, darstellerisch müssen allerdings deutliche Abstriche gemacht werden, da bei einigen Damen Overacting angesagt ist und primär Alltagssituationen alles andere als authentisch rüberkommen.
Was jedoch am meisten stört, ist nicht so sehr die Frage, wie jemand unbehelligt eine nackte Frauenleiche mitten am Tag vom Kofferraum des Autos in die Wohnung tragen kann, sondern dass im Grunde genommen nicht viel geschieht und die anvisierte Sensationsgier des Zuschauers nur bruchstückhaft erfüllt wird, denn da war "Nekromantik" seinerzeit mindestens genauso explizit. Schade ist vor allem aber, dass der Hintergrund der sexuellen Störung zu plakativ durchleuchtet wird, obgleich sich Regisseur Heidenberg augenscheinlich einige Gedanken um die technische Umsetzung gemacht hat.
Wer sich also in die dunklen Abgründe hineinziehen lässt und beim eindeutigen Titel ohnehin bereits erahnt, was ihn in etwa erwartet, könnte an den knapp 52 Minuten Gefallen finden, - wer Tabubrüche mit gleichzeitigem Aha-Erlebnis sucht, dürfte hingegen deutlich enttäuscht werden.
4 von 10