Review

kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 24.04.2012

Die Idee hinter Dogma 95 ist und bleibt ein zweischneidiges Schwert. Denn der Verzicht auf realitätsverändernde Effekte im Film (Spezialeffekte, künstliches Licht etc.) führt keineswegs die angestrebte Natürlichkeit und Unverfälschtheit eines Films herbei, sondern erzeugt einen ganz eigenen, experimentellen Charakter und somit auch wieder eine ganz persönliche Handnote. Das Medium Film ist nicht zu bändigen, indem man nichts weiter hinzufügt, weil schon die Kamera an sich künstlich ist.

So ist auch gerade "Das Fest" nicht erfolgreich in dem Bemühen, den Zuschauer direkt in die Geburtstagsrunde zu befördern, aber meine ursprüngliche Stellung zum Film hat sich dennoch radikal verändert. Das Familiendrama hat emotional gesehen unglaublich viel zu bieten, was gerade durch die grobkörnige Homevideoästhetik nochmals unterstrichen wird. Irrational erscheinende Verhaltensmuster türmen sich in dem an Lars von Triers "Geister"-Krankenhaus erinnernden abgeschotteten Hotel auf, als ein Skandal vollkommen unerwartet in das konservative Familientreffen einbricht, unter dessen Oberfläche es zwar längst brodelt, aber von anderer Seite aus, als wo der Vulkan schließlich ausbricht. So mag "Das Fest" vielleicht nicht ganz der Intention der "Dogma"-Vereinigung gerecht werden, geht dafür aber seine ganz eigenen, faszinierenden Wege.

*weitere Informationen: siehe Profil

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