Review

"Wir hätten unserem Zorn rasch Taten folgen lassen müssen."

Verzaubert durch die Hexe Mizuki (Rinko Kikuchi) erhebt Fürst Asano (Min Tanaka) das Schwert gegen Fürst Kira (Tadanobu Asano). Der von Kira selbst eingeleitete Anschlag schlägt allerdings fehl. Asano wird von Shogun Tsunayoshi (Cary-Hiroyuki Tagawa) zu einem rituellen Selbstmord gezwungen, wodurch die Ländereien von Asano und dessen Tochter Mika (K? Shibasaki) an Kira übergehen. Die dadurch herrenlosen Samurai fristen fortan als Ronin ein Leben im Exil.
?ishi Kuranosuke (Hiroyuki Sanada), einer der Ronin, schwört Rache an dem heimtückischen Fürst Kira. Nach seiner einjährigen Gefangenschaft reiht er die restlichen Ausgestoßenen um sich. Darunter auch den halbblütigen Kai (Keanu Reeves), der stets von den anderen verachtet wurde. Diesmal erntet er allerdings Anerkennung, da er die unbewaffnete Truppe zu bewaffnen vermag.

Die Geschichte der 47 Ronin, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts trotz der Übermacht des Feindes den Tod ihres Herrn rächten und seitdem als Sinnbild für die bedingungslose Treue der Samurai gelten, wurde nicht nur wiederholt von japanischen Filmemachern aufgegriffen, sie ist in ihrer Heimat auch heute noch allgegenwärtig und populär.
Hollywood hat nun auch den faszinierenden japanischen Nationalmythos für sich entdeckt und auf der Leinwand umgesetzt. Mit "47 Ronin" huldigt Hollywood zwar die japanische Legende, macht sie überwiegend aber auch unpassend westlich. Dies geht so weit, dass ein amerikanischer Schauspieler die sonst asiatische Besetzung erzwungen verdrängt bzw. verdrängen sollte.

Der bewundernswerte Ansatz die japanische Kultur in aller Radikalität in den Fokus zu setzen, hat einen großen Nachteil. So ist der Film emotional sehr kühl geraten. Es gehört zum Verhaltenskodex der Samurai, Gefühle nicht zu zeigen. Dem zollt "47 Ronin" Respekt, indem er lange Zeit auf jede offene Emotionalität verzichtet. So schwimmt der Genremix nicht im Fahrwasser von mitreißenden Fantasy-Blockbustern wie "Der Herr der Ringe"-Reihe oder dem opulenten "Last Samurai" mit, sondern fällt streckenweise fast schon in den Bereich des eher kopflastigen Arthouse-Kinos.
Weiterhin lässt die Handlung oftmals die nötige erzählerische Tiefe vermissen. Die mystisch angehauchte Geschichte mit seinen fantastischen Kreaturen und effektvoller Magie tritt mehrfach auf der Stelle, um dann viel zu hastig und überstürzt nach vorne zu preschen. Ein bedingungsloses Eintauchen in die fremde Welt wird dadurch von vornherein verhindert.

Trotz starker Dialoglast bleiben die Charaktere blass und ohne Tiefe. Die Versuche Kai als Protagonisten zu etablieren, schlagen fehl. Dieser steht dafür zu selten im Mittelpunkt oder kommt mit zu wenigen aus. Mit Rückblenden oder einer Erzählstimme behilft sich "47 Ronin" hierbei nicht. Von ?ishi abgesehen sind die restlichen Figuren bestenfalls als Stichwortgeber zu sehen, ansonsten verfallen sie zu Statisten. Dies ist insbesondere bei den Gegenspielern tragisch, die als aufpolierte Gegenpole wunderbar funktioniert hätten, wären sie nicht zum vorhersehbaren Kanonenfutter verdammt.

Der Film krankt ebenso daran, dass die seltenen Actionszenen nicht viel taugen. Eine echte Choreographie ist nur im Ansatz erkennbar. Den Kämpfen fehlt durch die hektische Kameraführung und die schnellen Schnitte jedwede Dynamik. Als Resultat der niedrigen Altersfreigabe sehen die Schwertkämpfe außerdem klinisch rein und entschärft aus. Die zum Teil wirklich beeindruckenden Settings sind als Kulisse der jugendfreien Action somit völlig verschenkt.
Während die real gebauten Kulissen mächtig Eindruck schinden, sind die aus dem Computer hinzugefügten Effekte nur ordentlicher Durchschnitt. Die Animationen der fantastischen Kreaturen glänzen mit geschmeidigen Bewegungen, bei den Landschaftsaufnahmen macht sich eine geringe epische Größe breit. Nicht genug um zu begeistern, aber immerhin um zu unterhalten.

Aus der Besetzung fällt einzig Rinko Kikuchi ("Pacific Rim", "Babel") auf. Ihrer authentischen Verkörperung als bösartige Hexe stehen ihre kühlen Züge und das spitz zulaufende Gesicht.
Während Hiroyuki Sanada ("Sunshine", "Speed Racer") sich Dank einer ordentlichen Präsenz noch retten kann, sind Cary-Hiroyuki Tagawa ("Mortal Kombat", "Tekken") sowie Keanu Reeves ("The Matrix"-Reihe, "Speed") hier völlig Fehl am Platz. Besonders Reeves wirkt im Film wie ein erzwungenes Element, dass unbedingt hinein gepresst wird. Und dementsprechend stellt er sich auch dar.

Völligst unbrauchbar ist "47 Ronin" nicht, denn manche Szenen sind angenehm atmosphärisch. Überwiegend treibt der Film seine Figuren allerdings ziellos vor sich her, was auch zu der ungelenken narrativen Struktur passt. Von der Poesie und Suggestivkraft vieler japanischer Fantasystreifen ist der Film kilometerweit entfernt. Und auch technisch ist er nicht überzeugend. Trotz der angenehmen Konsequenz will das Ende ebenso nicht hinein passen. Knappe ...

3 / 10

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